Berlins junge Künstler:
Paris Giachoustidis

Vom Maler zum Model und wieder zurück: Paris Giachoustidis hat es von der Universität von Thessaloniki zuerst nach Frankfurt und dann nach Berlin verschlagen. Die Hauptstadt sei seiner Heimat schließlich deutschlandweit am ähnlichsten.

Paris Giachoustidis, Sie haben in Thessaloniki Malerei studiert, wieso sind Sie danach nach Deutschland gezogen?

Als ich meinen Abschluss gemacht habe, hatte die Krise Griechenland schon voll erfasst, der kulturelle Hintergrund war gesunken. Ich musste weg. Dann bekam ich eine Anfrage von einer Modelagentur aus Frankfurt am Main. Gemodelt hatte ich schon in Griechenland. Ich habe nicht lange überlegt, habe meine Koffer gepackt und bin hingezogen.

Aber Sie sind nicht in Frankfurt geblieben.

Dort hat nichts geklappt, es gab keine Inspiration.

Ist Berlin besser?

Berlin ist die einzige Stadt in Deutschland, die Griechenland ähnelt, die einzige Stadt, wo ich entspannt sein kann. Berlin passt zu mir und zu meiner Malerei. Berlin ist schmutzig. Meine Malerei ist es auch: Erst male ich ganz präzise und dann zerstöre ich es wieder.

Wieso machen Sie das?

Es gibt nicht mehr einen festen Begriff von Schönheit. Mich interessiert, wie unterschiedlich Ästhetik funktioniert. Deshalb vermische ich sie in meinen Bildern. Ich zeichne fotorealistisch und übermale dann alles mit grobem Strich, kritzle etwas dazu, sprühe darüber oder klebe Folienreste darauf. Oder ich kombiniere Stile, die nicht zueinander passen. In meinem Studio hängt gerade eine Arbeit an der Wand, auf der ich ganz fein und genau einen Planeten gemalt habe, so dass er so aussieht wie eine astronomische Abbildung, und neben den Planeten habe ich eine ganz einfache, naiv wirkende Landschaft gezeichnet.

Warum gerade Planeten?

Ich bin ein Betrachter, ich sammle und wähle dann aus. Kunst ist immer ein kulturelles Zeichen. Irgendwann in einigen Jahren wird man sich die Kunst von heute ansehen und durch sie einiges über unseren Zeitgeist erfahren, zum Beispiel, dass wir heute solche Fotografien von Planeten haben. Ähnlich ist es bei meinem Material. Material ist für mich das wichtigste. Die Auswahl unterstützt meine Aussage. Es muss exakt stimmen, egal ob es neonpinke Sprühfarbe ist oder indisches Zeichenpapier. Nichts ist zufällig.

Wo finden Sie die Motive für Ihre Arbeiten?

Im Internet, in sozialen Medien oder über die Google-Bildersuche. Es sind einfache Bilder, ich überlege nicht viel. Es muss nicht kompliziert sein. Meine Kunst ist polykulturell. Die Einflüsse überlagern sich, griechische, deutsche und viele weitere, wie im Internet, wo man alles finden kann, was man sucht. Das prägt mich und meine Arbeit. Als ich geboren wurde, gab es das Internet schon. Das ist meine Kultur, die Gobalisierung.

von Beate Scheder | Fotos: Kira Bunse | Styling: Anna Schiffel

24.05.2017 | Kategorien Berlin, Interviews, Kunst | Tags , ,