MARIO TESTINO
im Interview!

On Arrival in Sölden - Images by Mario Testino for CÎROC®

Der Berg ruft! Ach nein, das war ja Mario Testino!

Anfang des Jahres lud das Luxuslabel Cîroc zu einer Kooperation der besonderen Art: Mit dem Flieger ging es von Berlin nach Innsbruck, von dort weiter mit dem Bus durch tiefe Täler und über enge Kurven zum österreichischen Bergdorf Sölden. Anlass der Odyssee: Starfotograf Mario Testino fotografierte in atemberaubender Location seine Kampagne On Arrival, die derzeit mit der britischen Permiummarke Cîroc um die Welt zieht und schon in Brasilien und London zu Gast war. Angelehnt an die mondänen Jetset-Aufnahmen des Fotografen Slim Aarons, widmete sich Testino in Sölden einer modernen Form von Lebensfreude. Die Menschen, die er darstellen will, stehen kurz vor ihrem persönlichen Durchbruch. Sie versprühen den Esprit jener, die mit viel Neugierde in die eigene Zukunft schauen, die das Reisen genießen und sich auch gerne in illustrer Runde ein Gläschen Cîroc genehmigen. Mit von der Partie: Johannes Huebl und Shermine Sharivar.

Pure Lebensfreude am Testino Set und Cîroc gab's natürlich auch

INTERVIEW: Herr Testino, was ist denn das erste, dass Ihnen an einem Menschen auffällt?

TESTINO: Das ist eine ganz interessante Sache. Nehmen wir zum Beispiel mein Team. Das besteht aus sieben Jungs, die mit mir reisen und arbeiten. Und alle, die wir treffen, sagen immer zu mir: „Mario, dein Team sieht so unheimlich gut aus!“

INTERVIEW: Na ja, das tut es ja auch.

TESTINO: Ja, stimmt. Aber vor allem sind es sehr nette, talentierte und bescheidene Menschen. Sie drängen sich nie in den Vordergrund und helfen, wo sie können. Das sind alles sehr entscheidende Qualitäten, die schwer zu finden sind. Dass sie alle gut aussehen ist aber definitiv von Vorteil. Denn schlussendlich arbeiten wir täglich in einer Welt, die sich um Schönheit und vor allem um schöne Frauen dreht. Und wenn diese wunderschönen Models am Set dann auf die attraktiven und humorvollen Jungs aus meinem Team treffen, entsteht eine großartige Dynamik. Sie fangen an zu flirten, zu lachen und fühlen sich wohl. Und diese Lebhaftigkeit spiegelt sich dann in meinen Bildern wieder.

INTERVIEW: Klingt nach Spaß!

TESTINO: In der Tat. Hinzu kommt, dass ich mit meinem Team fast jeden Tag verbringe. Wir arbeiten zusammen, wir reisen zusammen, machen Sport und gehen gemeinsam aus. Da brauche ich einfach Menschen um mich, mit denen das passt und die vor allem eine hohe Arbeitsmoral haben. Wir fangen immer um acht Uhr an und hören in der Regel auch erst um acht oder neun Uhr wieder auf. Da muss man schon belastbar sein.

Mario Testino und sein A-Team

INTERVIEW: Macht Mario Testino auch mal frei?

TESTINO: Für mich ist die Arbeit in gewissem Maße auch Freizeit. Zum Beispiel sitze ich hier mit Ihnen und arbeite, aber eigentlich reden wir ja die ganze Zeit über mich. Das ist doch großartig! (lacht)

INTERVIEW: Kommt es denn vor, dass Sie auch mal richtig alleine sind?

TESTINO: Ja, ab und zu und das ist auch wichtig. Aber ich bin in einer Familie mit fünf Geschwistern aufgewachsen. Mein Vater hat sechs Geschwister, von denen haben wiederum zwei sechs Kinder. Wir waren also in der Regel zwanzig Kinder und keiner von uns wurde wirklich zum Alleinsein erzogen. Sie wissen doch, ich bin Latino. Da ist die Familie viel wichtiger, als das Alleinsein.

INTERVIEW: Und wie entspannen Sie?

TESTINO: Ich sollte eigentlich mehr entspannen, aber das fällt mir sehr schwer. Mein Kopf ist immer am arbeiten. Ich schlafe sechs bis acht Stunden am Tag und habe ungefähr alle zwei Wochen mal einen Tag frei. Dann besuche ich Galerien, denn seit 25 Jahren ist meine große Leidenschaft die Kunst und die Kunstsammlerei. Das ist allerdings so sehr zu einer Obsession geworden, dass ich mir eine regelrechte Zwangspause verordnet habe.

INTERVIEW: Haben Sie keinen Platz mehr?

TESTINO: So ist es! Ich habe keinen Platz mehr und gebe viel zu viel Geld für die Lagerung aus. Zudem ist die Kunstwelt derartig populär geworden. Heute sammelt ja wirklich jeder! Ich weiß noch, wie ich in den ersten zehn Jahren in denen ich gesammelt habe einer der wenigen in meinem Bekanntenkreis war, der das machte. Heute kenne ich nicht eine Person, die keine Kunst kauft! Dementsprechend ist es nur logisch, dass die Preise auf dem Markt etwas außer Kontrolle geraten sind.

INTERVIEW: Genauso wie die Masse an produzierter Kunst.

TESTINO: Ja! Und davon ist das meiste auch noch schlecht! Ein Grund mehr, jetzt erst mal ein wenig zu sparen.

INTERVIEW: Welche Kunst findet man an Ihrer Wand?

TESTINO: Durch die Bank weg zeitgenössische Werke. Am Anfang habe ich nur Künstler gesammelt, die mit Fotografie arbeiten. Aber dann habe ich mich gefragt, warum ich mich eigentlich so einschränken soll. Ich hasse es, mich einzuschränken. So kamen dann auch Malerei und Skulptur hinzu. Nur Film- und Videokunst habe ich ausgelassen, denn die muss man sich ansehen. Ich persönlich bevorzuge aber Werke, die mich direkt umgeben. Solche, die man ohne große Anstrengung wahrnimmt und die einen unmittelbar begeistern, berühren.

INTERVIEW: Sie leben in London, aber auch in Peru. Und dort haben Sie sogar ein ganzes Museum, nicht wahr?

TESTINO: Ja, das MATE, das Museum Mario Testino. Es ist ein wunderschönes altes Ferienaus, von 1850. Ich habe es renoviert und erst kürzlich eröffnet. Das Haupthaus sollte wechselnde Ausstellungen beherbergen und die Nebenhäuser sollten einzelnen Sammlungen von meinen Fotografien gewidmet werden, wie zum Beispiel den Bildern von Lady Diana. Aber dann haben die beiden Agenturen, mit denen ich arbeite, gesagt, das Haupthaus müsse ein richtiges Mario Testino Haus werden, in dem permanent meine Bilder gezeigt werden. Das haben wir dann auch so gemacht.

INTERVIEW: Haben Sie in ihrer Sammlung anderer Künstler ein Lieblingswerk?

TESTINO: Ich habe mal eine Skulptur von Glenn Brown gekauft, die ich aber sofort wieder abgegeben habe, weil mich verschiedene Museen darum gebeten haben, sie auszuleihen. Das Werk war jetzt fast drei Jahre unterwegs und ist erst kürzlich zu mir gekommen. Das war wunderbar. Ansonsten lege ich mich ungern fest. Stimmungen, Lebensphasen und Geschmäcker schwanken eben.

Könnte auch ein Kunstwerk sein - by Mario Testino for CÎROC®

INTERVIEW: Wir befinden uns heute in Sölden, auf 3000 Metern. Warum?

TESTINO: Ich wollte sehr gerne in den Alpen fotografieren. Die IceQ Bar oberhalb Söldens liegt an einem der höchsten erschlossenen Punkte in den Alpen. Der Ausblick von hier ist unglaublich und ich mag die Mischung von Natur und Architektur, von Glas und Schnee.

INTERVIEW: Hier wurde kürzlich auch eine Sequenz aus dem neuen James Bond Film Spectre gedreht. Hat Sie das inspiriert?

TESTINO: Davon wusste ich bis gestern gar nichts! Meine Inspiration war der Fotograf Slim Aarons, der in den 60er und 70er Jahren den internationalen Jetset abgelichtet hat. Er ist eigentlich das Gegenteil von James Bond.

INTERVIEW: Inwiefern?

TESTINO: Bond ist ein Agent, der dafür bezahlt wird, seinen Job zu erledigen. Slim Aarons aber ist ein Lifestyle. Bei ihm ging es darum, das Leben zu zelebrieren. James Bond ist ja immer bei der Arbeit. In meiner Vorstellung sind die Leute, die wir hier fotografieren, nicht bei der Arbeit. Sie feiern, reisen, oder verbringen einfach eine schöne Zeit mit ihren Freunden.

INTERVIEW: Wo unterscheidet sich denn der Jetset-Lifestyle von damals zu heute?

TESTINO: Damals lebten vor allem sehr wohlhabende Familien diesen Lifestyle. Anders als man meinen könnte, war das unter Celebreties nicht üblich. Sie werden wahrscheinlich wenige Bilder von Elizabeth Taylor vor einem Privatjet finden. Heutzutage hat Jetset wiederum weder etwas mit Reichtum, Erbe noch mit Bekanntheit zu tun. Jeder kann ein Jetsetter sein. Kürzlich habe ich gehört, dass man für 60 Euro von London nach Paris fliegen kann. Verrückt! Alles was man heute noch zum Jetset braucht ist Neugierde und Lebensfreude.

Mario Testino: “Heutzutage kann jeder Jetsetter sein! ”
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Nicht bei der Arbeit: der moderne Jetset - by Mario Testino for CÎROC®

INTERVIEW: Stört es Sie eigentlich, dass Ihre Bilder via Social Media so schnell im Internet zirkulieren?

TESTINO: Es ist tatsächlich so, dass man unheimlich darauf achten muss, wie man nach außen kommuniziert, woran man gerade arbeitet. Erst gestern war ich in Rom und habe dort mit verschiedenen Celebrities gearbeitet. Wir wurden ständig fotografiert und via Social Media wusste man eigentlich die ganze Zeit wo wir gerade waren und was wir machten.

INTERVIEW: Ziemlich absurd.

TESTINO: Ja, mir fiel auf, wie kurios das ist. Wir leben in einer Welt, in der die Dinge bereits nach außen getragen werden, noch bevor sie überhaupt wirklich passiert sind. Früher machte man ein Fotoshooting und dann sind die Bilder drei Monate später erschienen. Bis dahin wusste niemand, woran man gerade arbeitet, welche Models in der Kampagne sind und welche Kleidung sie tragen. In diesem Fall in Rom habe ich beispielsweise Amanda Seyfried fotografiert und sie trug ein Outfit, dass erst drei Monate später in der Vogue zu sehen sein würde. Dennoch war es bereits am selben Tag auf sämtlichen Online-Portalen.

INTERVIEW: Nervt das nicht? Wenn einem die eigene Arbeit ständig vorab aus den Händen genommen wird?

TESTINO: Es stimmt, es ist meine Idee, mein Konzept. Aber das ist etwas, was ich durch Instagram gelernt habe: Besitzanspruch darf einfach keine Rolle spielen. Da muss man lernen, großzügig zu sein. In gewissem Maße verliert man durch das Internet als Fotograf die Kontrolle über die eigene Arbeit. Aber das hat auch seine positiven Seiten: Wir kommunizieren viel schneller! Man muss eben umdenken und darf nicht mehr so sehr an der Kraft des einzelnen Bildes festhalten, sondern sollte eher den eigenen Namen stärken.

Mario Testino: “Durch Instagram lernt man, großzügig zu sein. ”
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Images by Mario Testino for CÎROC®

INTERVIEW: Wer ist eigentlich Ihre größte Muse?

TESTINO: Ganz klar Kate Moss. Wir waren gerade erst zusammen in Rom. Natürlich ist sie wunderschön und ein großartiges Model. Aber mich inspiriert vor allem ihr Charakter. Mit Kate gehst du abends in ein Restaurant und alles, was sie erzählt, ist unterhaltsam, lustig und interessant. Sie ist das, was man eine „Bonne Vivante“ nennt. Eine Frau, die das Leben zu genießen weiß. Ihre Gegenwart ist regelrecht berauschend.

INTERVIEW: Wen würden Sie gerne ablichten, wenn Sie die Wahl hätten?

TESTINO: Oh, Marylin Monroe! Oder Greta Gabor – unbedingt!

INTERVIEW: Wird es eigentlich irgendwann langweilig, Stars zu fotografieren?

TESTINO: Natürlich ist es großartig, mit Frauen wie Julia Roberts oder Madonna zu arbeiten. Aber manche werden mit der Zeit schon etwas weniger experimentierfreudig. Dann wollen sie plötzlich dies nicht mehr machen oder jenes nicht mehr ausprobieren. Das ist bei neuen Gesichtern anders. Daher liebe ich auch meine Towels Serie auf Instagram. Die jungen Leute die ich dafür anspreche sind immer Feuer und Flamme. Bekannte Stars winken oft ab.

 

Mario Testino: “Mit Kate Moss gehst du abends in ein Restaurant und alles, was sie erzählt, ist unterhaltsam, lustig und interessant. ”
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TOWEL SERIES 89, CAROLINE TRENTINI. #MarioTestino #TowelSeries @trentinireal

Ein von MARIO TESTINO (@mariotestino) gepostetes Foto am

INTERVIEW: Welche Ihrer Bilder kommen denn am meisten an Perfektion heran?

TESTINO: Das waren wahrscheinlich die Aufnahmen von Diana. Ich traf in Diana damals eine Person, die magisch war. Diese Aura auf die Bilder zu übertragen war eine große Herausforderung. Aber von damals bis heute, und das sind 20 Jahre, habe ich immer wieder gehört, dass die Menschen sich von diesen Bildern berührt gefühlt haben. Das ist die größte Perfektion.

INTERVIEW: War das ihr Durchbruch damals?

TESTINO: Ja, das war der Moment in dem die Welt meinen Namen kennenlernte. Aber ich erinnere mich auch noch gut an die Zeit, in der ich zwar arbeiten wollte, aber mir niemand einen Job gab. Damals lernte ich Liz Connor kennen, die mir eine Coverstory bei einem Londoner Magazin gab. Sie war die erste, die akzeptierte, dass ich Schmuck mit an das Set brachte, dass ich das ganze Shooting durchstylte und plante. Das war auch eine Form des Durchbruchs, da zum ersten Mal jemand meine Arbeitsweise anerkannte. Ein anderer großer Erfolg war meine erste Gucci Kampagne, die mich in Modekreisen bekannt machte. Und seit 16 Jahren fotografiere ich für Burberry. So eine lange Zusammenarbeit ist dann wieder eine andere Form von Durchbruch. Auch die Arbeit hier ist eine ganz neue Form von Erfolg für mich, denn Cîroc ist der erste Auftraggeber, der mich nicht nur als Fotografen, sondern gleich als Kreativdirektor angestellt hat. Ich kontrolliere hier quasi alles! (lacht)

INTERVIEW: Passiert es Ihnen eigentlich noch, dass Sie jemand herumkommandiert?

MARIO TESTINO: Nein, natürlich nicht. (lacht) Tatsächlich geht es aber auch gar nicht so sehr darum, wer wen rumkommandiert. Mir ist Kommunikation sehr wichtig. Kommunikation zwischen mir, dem Klienten, meinem Team und dem Publikum. Ich bin ja derjenige, der alles verbindet. Daher gehen den Shootings oft lange Gespräche mit dem Auftraggeber voraus, denn ich muss verstehen, was die Firma ausmacht und wohin es gehen soll. Ich strebe nicht nach Macht, aber nach Erfolg.

INTERVIEW: Und den erreichen Sie wie?

TESTINO: Als Modefotograf macht man nicht einfach nur ein Foto, das später an die Wand gehangen wird. Nein, man muss mit den Bildern Sehnsüchte erwecken können. Sehnsüchte, die im Idealfall den Wunsch nach Konsum auslösen. Ansonsten wäre ich kein Modefotograf, sondern Kunstfotograf und würde einfach nur das fotografieren, worauf ich auch in meiner Freizeit Lust habe.

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