Smalltalk
mit
MERET BECKER

Die Schauspielerin spielt eine der Hauptrollen im neuen Kinofilm:„Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ von Kerstin Polte. Ein Gespräch über die Liebe, Ängste und Haustiere.

Meret Becker in "Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?"

Im neuen Kinofilm „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ schmeißt Alex (Meret Becker) kurz entschlossen einen nervigen Fahrschüler aus dem Fahrschulauto. In ihrer Persönlichkeit leicht chaotisch und unentschlossen begibt sie sich mit ihrem Vater (Karl Kranzkowski) auf die Suche nach ihrer Mutter (Corinna Harfouch). Nach 37 Jahren, 5 Monaten und 21 Tagen hat ihre Mutter beschlossen aus ihrer Ehe auszubrechen, die nur noch aus Routine und Missverständnissen besteht. Den Ehemann (Karl Kranzkowski) lässt sie an einer Raststätte stehen, sie reist ans Meer und will das Leben nochmal so richtig genießen. Tochter Alex (Meret Becker) reist kurzerhand mit ihrem Vater hinterher. Ein ungewollter Roadtrip, der die tiefen Fragen des Lebens aufwirft: „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ und was bleibt am Ende? Aufbruch, Abschied, Neuanfang. Regisseurin Kerstin Polte beleuchtet eine Familie, in der sich jede Generation, den Herausforderungen des Lebens stellen muss. Wir haben Meret Becker zum Interview getroffen.

Eileen Osei: In Ihrem neuen Kinofilm „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ bricht die Mutter Ihrer Rolle (gespielt von Corinna Harfouch) aus der Ehe nach 37 Jahren aus und will die Freiheit spüren. Glauben Sie, dass die Liebe ein Dauerbrenner sein kann oder hat die Liebe schlichtweg ein Mindesthaltbarkeitsdatum, das leider irgendwann abläuft?

Meret Becker: Das muss ich gleich sagen, die Frage kann ich nicht beantworten, sonst wäre ich Gott (lacht). Ich glaube, es gibt Beziehungen bei denen man sagt: „Gut dass es vorbei ist“ und es gibt Beziehungen über die man sagt: „Schön, dass es euch noch immer zusammen gibt“. Ich habe bei Beziehungen das Gefühl, dass die Liebe in Etappen kommt und geht. Es gibt Durchhänger und dann gibt es wieder Zeiten, in denen man total verliebt ist. Ob man das überstehen sollte, um die nächste Etappe zu erreichen, weil es natürlich spannend ist, wenn man mit einer Person immer weitergeht, anstatt immer wieder von vorne anzufangen! Diese Entscheidung bleibt bei jedem selbst… Die Frage ist, wer ist die richtige Person, um „durchzuhalten“ und wann sollte man besser gehen?

Meret Becker und Sabine Timoteo in "Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?"

EO: Können Sie Ihre Rolle für uns umreißen?

MB: Bei der Alex habe ich das Gefühl, dass sie ihr Leben versucht hat so zu leben, wie man „das halt so macht“. Also ohne dem nachzugehen und jemals dahin gehört zu haben, was eigentlich ihr tiefstes, innerstes Verlangen ist. Das schließe ich unter anderem daraus, dass sie eine Tochter hat und sich herausstellt, dass sie eigentlich auf Frauen steht. Das ist relativ spät in ihrem Leben. Ihre Gefühle hat sie vorher nicht wahrgenommen und nicht richtig hingehört. Ich denke sie wird sich schon mal ausprobiert haben, aber in dem Fall ist das dann die „Richtige“, die da kommt.

EO: Hätten Sie eine Idee, warum sie da nicht auf ihr Innerstes gehört hat? Glauben Sie, dass es oft bei Menschen so ist?

MB: Ich glaube das machen viele Menschen und im Film ist genau das etwas, was alle Figuren miteinander verbindet. Die Erste die aus allem ausbricht, ist die Tochter (Annalee Ranft) meiner Rolle und dann aufgrund der Umstände die Mutter (Corinna Harfouch). Die Jüngere und die Ältere brechen zusammen aus der Familie aus. Die Mutter formuliert auch am Anfang des Films, was bleibt von mir? Kann ich noch etwas erfahren in meinem Leben und nicht nur funktionieren?

EO: Ihre Rolle erlebt gemeinsam mit ihrem Vater (Karl Kranzkowski) eine Art Roadtrip. Wann haben Sie ihren letzten Roadtrip erlebt und sind aus Ihrem Alltag ausgebrochen?

Meret Becker und Karl Kranzkowski

MB: Den gibt es immer mal wieder, ich fahre sehr gern und viel Auto. Ich habe einen Bus mit dem fahre ich viel umher. Ich wohne inzwischen zur Hälfte des Jahres in Frankreich und bin da neulich drei Stunden weit gefahren, dann hab ich dort einen Park mit riesigen mechanischen Puppen entdeckt, die ich mir schon immer mal ansehen wollte. Und am Ende war ich den ganzen Tag unterwegs und habe einfach alles geschwänzt, was es noch zu tun gab. Jetzt würde ich gerne eine Weltreise mit einem Pferd machen. Von außen gesehen hat man immer Angst vor sowas, man denkt, man müsste wahnsinnig viel organisieren und bedenken. Das ist ein bisschen so wie Kinderkriegen, alle reden darüber wann sie denn jetzt Kinderkriegen. Ich denke man muss es einfach machen! Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt dafür. Die Angst von außen ist immer größer, als wenn man mittendrin steckt.

EO: Sie wirken extrem angstfrei!

MB: Bin ich aber überhaupt nicht, ich bin ein großer Schisser. Das ist eine meiner großen Lebensaufgaben, mit meiner Angst umzugehen. Also nicht die Angst, die einen schützt, die möchte ich nicht bekämpfen, aber die, die einen blockiert.

EO: In dem Film steckt eine große Sehnsucht nach Freiheit und Träumen. Wann empfinden sie das Gefühl von Freiheit?

Meret Becker in "Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?"

MB: Tatsächlich beim Autofahren, also wenn man in der Bewegung ist. Im Zug zu sitzen ist fast noch besser, weil man nichts machen muss und man schaut einfach raus. Auch Inseln bestärken ein Gefühl von Freiheit und auf das Meer gucken. Aufs Meer zu gucken finde ich sensationell, weil das endlos ist. Da muss man nur aufpassen, dass man nicht unglaublich traurig wird. Das ist dabei ein bisschen die Gefahr, aber schön.

EO: Im Film trauert ihre Filmtochter herzzerreißend um ihre Katze. Können Sie sich noch an ihr erstes Haustier erinnern?

MB: Ich kann mich an mein erstes Haustier erinnern, es gibt bestimmte Tiere, an die denke ich heute immer noch. Wir hatten im Hof einen Tierfriedhof, zum großen Ärgernis unseres Hausmeisters, wenn wir Kinder wieder abends im Dunkeln mit Kerzen und einem Schuhkarton kamen. Es wurde alles beerdigt, was nicht bei drei auf den Bäumen war und dann wurde wieder ein Grab ausgehoben und der Hausmeister hat gemeckert, aber wir haben eisern weiter begraben! Das ist ganz wichtig zu trauern und sich zu verabschieden.

EO: Ein schönes Schlusswort!

„Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ läuft seit dem 3. Mai im Kino.

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