"Musik hilft, mit der eigenen Finsternis klar zu kommen"

Aurora ist zarte 18 Jahre alt und das neue (Nord-)Licht am Musikhimmel. Die Musikwelt kriegt sich kaum mehr ein ob des strohblonden Mädchens mit den traurigen Texten und den melancholischen Songs. Wir haben mit der Newcomerin gesprochen!

INTERVIEW: Was ist das Beste, was je über dich geschrieben wurde?

AURORA: Ich lese nicht viel, was die Leute über meine Musik schreiben – ich will nicht davon beeinflusst werden. Aber ein Satz vom Musikblog I Heart Moosiq ist mir geblieben:

„There is something exceptional and magic about her“

Und das ist das Schönste, was je irgendjemand über mich gesagt hat.

INTERVIEW: Kaum hat dich ein grosses Musiklabel unter Vertrag genommen, wirst du schon als DAS große Nachwuchstalent gehandelt – und dein Debüt-Album ist noch nicht mal draußen.

AURORA: Es ist wunderbar, dass es Leute gibt, die an mich glauben. Manchmal fühlt es sich an, als ob sie mehr in mir sähen, als ich das selber tue. Wenn ich daran denke, dass ich mein Leben lang Musik machen kann, macht mich das glücklich. Aber wenn ich daran denke, berühmt zu werden, ein Gesicht zu sein, das man kennt, dann krieg ich einen Herzinfarkt.

INTERVIEW: Skandinavien bringt immer wieder kreative Talente hervor. Liegt das an der nordischen Luft?

AURORA: Vielleicht ist es das fehlende Sonnenlicht im Winter. Wir lernen, unser eigenes Licht zu machen in diesen dunklen Zeiten. Und Musik hilft, mit der inneren Finsternis klar zu kommen. Vielleicht liegts auch einfach am braunen Käse. Der schmeckt übrigens fürchterlich.

INTERVIEW: Deine Songtexte werden überall bewundert.

AURORA: Manche Songs schreibe ich, um mit der Welt klar zu kommen. Andere habe ich mir ausgedacht. Wie den Song über die Frau die Männer tötet und sie unter ihrem Bett versteckt. Das ist nicht wirklich aus dem Leben gegriffen.

Aurora: “Manche Songs schreibe ich, um mit der Welt klar zu kommen. ”
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INTERVIEW: Gehst du noch zur Schule?

AURORA: Nein, nicht mehr. Ein bisschen schade ist es, das war nämlich etwa der einzige Ort, an welchem ich mit meinen Freuden rumhängen konnte. Aber Schule und Musik – und  Schlafen – das geht alles nicht mehr zusammen. Jetzt habe ich immerhin Zeit für Dinge wie Harry Potter und heiße Schokolade, bevor es losgeht im Studio. Und das brauche ich im Leben.

INTERVIEW: Du bist in Bergen, einem norwegischen Kaff, aufgewachsen. Hat das deine Musik beeinflusst?

AURORA: Unser Haus liegt am Meer, wir sind umgeben von Bäumen und Bergen. Zuhause kann ich einfach nur nach draußen gehen, und alles was ich höre, ist der Klang der Bäume und des Windes. Ich brauche die Stille um Musik zu machen. Sie inspiriert mich. Außerdem ist das Wetter in Bergen ziemlich dunkel und neblig. Das macht mich wahrscheinlich zu einer melancholischen Songschreiberin. Ich liebe graue Tage.

INTERVIEW: Wer oder was war die grösste Inspiration für deine Musik?

AURORA: Bob Dylan und Leonard Cohen. Und meine Familie.

INTERVIEW: Einige deiner Songs singst du in deiner Muttersprache. Wie fühlt sich das an?

AURORA: Ich finde es schwieriger, Songs in meiner eigenen Sprache zu singen. Ich fühle mich verletzlicher – und irgendwie nackt.

INTERVIEW: Was, wenn es mit der Musik nicht klappt?

AURORA: Es gibt keinen Plan B. Wenn ich scheitere, oder ein fürchterliches Album schreibe, das die Menschen zum Würgen bringt, dann überlege ich mir vielleicht, den Beruf zu wechseln. Aber solange meine Musik niemandem Schmerzen zufügt, werde ich weitermachen.

INTERVIEW: Hast du ein Lieblingstier, mit dem du sofort tauschen würdest?

AURORA: Ein Eisbär. Ein magischer Eisbär. Dann könnte ich für immer durch den Schnee rennen.

 

 

Von: Roberta Fischli

09.01.2015 | Kategorien Interviews, Musik, Newcomer | Tags , , ,