Was fasziniert Sie
am Verlust, Anicka Yi?

Anicka Yi wurde 1971 in Südkorea geboren, aktuell lebt und arbeitet die Künstlerin in New York. Im Oktober hat sie den Hugo Boss Prize erhalten. Höchste Zeit, sie zu treffen.

via @neridesigngroup // Instagram

INTERVIEW: Frau Yi, Sie haben gerade den Hugo Boss ­Prize gewonnen. Glückwunsch. Sie sind in Ihrer Arbeit an einer Neuorientierung der Sinne interessiert. Warum ist es relevant, Geruch und Berührung ins Zentrum zu rücken?

ANICKA YI: Wir leben in einer Welt, in der wir von allen Seiten von Bildern bombardiert werden. Das führt dazu, dass wir dafür blind werden und gar nicht mehr wirklich hinsehen. Das schafft Distanz. Geruch und Berührung ziehen einen heran. Gibt es einen Geruch, den Sie bevorzugen? Ich mag alle Gerüche. Es gibt natürlich manche Gerüche, die mich körperlich zurückschrecken lassen, aber eigentlich mag ich alle.

INTERVIEW: Tragen Sie Parfums?

YI: Ich liebe Parfums und gehe gern und regelmäßig in die Parfumabteilung von Department Stores. Oft trage ich mehrere Parfums zeitgleich. Gerade Incense Satin von Armani, einen Amber-Duft.

 

Anicka Yi: “Mich interessiert der Verfall, der durch Bakterien ausgelöst wird”
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INTERVIEW: Sie experimentieren in Ihrer Kunst mit verderblichen Materialien und Bakterienkulturen, hinterfragen unsere damit verbundene Angst und den Sauberkeitswahn.

YI: Wir haben Angst vor Ansteckung, vor dem, was wir nicht sehen, davor, dass wir es nicht kon­trollieren und eindämmen können. Dabei sind wir ein herumlaufendes Ökosystem.

INTERVIEW: Und wir leben in Koexistenz mit Bakterien. Was haben Sie von den Kulturen gelernt?

YI: Mich interessiert der Verfall, der durch Bakterien ausgelöst wird, weil er wiederum auf Verlust und Versagen verweist, die meiner Meinung nach unser ganzes Leben definieren. Erfolg ist schwammig, Misserfolg konkret. Er zwingt zum Handeln.

INTERVIEW: In Zusammenhang mit Ihrer Ausstellung Divorce bezeichnen Sie Scheidung als „sublime failure“ der westlichen Gesellschaft, als vollendet-erhabenes Scheitern. Das müssen Sie erklären.

YI: Es ist das ultimative Experiment. Sie haben alles gegeben, Ihr ganzes Wesen, Ihre ganze Liebe. Und dann klappt es nicht.

INTERVIEW: Wie oft waren Sie selbst verheiratet?

YI: Bisher noch nie.

INTERVIEW: Divorce war der erste Teil einer Trilogie. Ihre Show Death stellt nach Denial den letzten Teil dar. Der Tod ist in Ihren Augen am engsten mit dem Geruch verbunden. Inwiefern?

YI: Der Tod zersetzt den Körper, lässt ihn endgültig verrotten, und er stößt einen tiefen Geruch aus. Er stellt das ultimative, das brutalste Versagen dar, das unweigerlich Teil des Lebens ist.

2666, 2015 Bacteria, Nutrient Agar by Anicka Yi

Von: Denise Koller

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