"Bin ich ein Popstar?"

Ihre EP „Now That the Light is Fading“ ist ein Megaerfolg, sie hat mit Naturgeräuschen Pharrell Williams zu Tränen gerührt. Was will Maggie Rogers sonst noch? Mal hören.

Maggie Rogers | Foto: Universal

ANNE WAAK: Guten Morgen, Maggie Rogers, wo sind Sie gerade?

MAGGIE ROGERS: Ich sitze in Hausschuhen in meinem Hinterhof in Brooklyn und trinke Kaffee.

A W : Klingt, als hätten Sie gerade ein wenig freie Zeit.

M R : Nur ein kleines bisschen. Ich war die vergangenen drei Monate fast durchgängig auf Tour in Nordamerika und Europa, bin also sehr froh, ein wenig Zeit zu Hause zu haben. Ich bin immer nur hier reingestürzt, habe Sachen abgeworfen und bin wieder losgerannt. Jetzt freue ich mich aufs Aufräumen.

A W : Lassen Sie uns noch mal kurz auf das Video zurückkommen, in dem Pharrell Williams im Rahmen einer Meisterklasse-Session an Ihre Uni kommt und Sie ihm Ihren Song vorspielen. In Takt sechs bekommt er feuchte Augen, am Ende sagt er, das Stück sei perfekt.

M R : Wobei wir nicht wissen, ob er kurz davor war zu weinen, das weiß nur er selbst.

A W : Sie arbeiten viel mit Naturgeräuschen: Spechte und fallende Bäume. Welches ist Ihr Lieblingsgeräusch?

M R : In der Strophe von „Alaska“ taucht ein Sample einer Trauertaube auf. Dieses warme und intime Geräusch erinnert mich an ruhige Morgen zu Hause.

A W : Ist das Dasein als Popstar so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

M R : Bin ich ein Popstar?

A W : Immerhin sind Sie populär.

M R : Na gut. Es ist sehr viel Arbeit, und ich mache sie wirklich gern. Aber sie hat sehr viel weniger mit Musik zu tun, als ich dachte. Momentan zum Beispiel telefoniere ich mit Ihnen, und das bedeutet, dass ich keine Musik machen kann.

A W : Als Sie in Berlin waren, sollen Sie viel tanzen gewesen sein.

M R : Das stimmt. Ich habe dort Gemeinschaft durch Rhythmus gespürt. Das war fast wie eine Therapie – eine Tanztherapie. Berlin fühlt sich wie die freieste, offenste, wärmste, intellektuellste, aufregendste Stadt an, die ich mir vorstellen kann. Und das nur, weil sich die Menschen dort mit der dunklen Geschichte des Ortes auseinandergesetzt haben. Meine Hoffnungen für die Vereinigten Staaten ist, dass das derzeit unsere dunklen Stunden sind und es danach wieder hell wird.

Maggie Rogers spielt am 27. Juni in Hamburg und auf dem Melt-Festival, das ab dem 14. Juli in Gräfenhainichen stattfindet.



von Anne Waak

31.05.2017 | Kategorien Interviews, Musik, News | Tags , , , ,

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