NATASHA LYONNE

Natasha Lyonne ist Woody Allens Tochter in „Everyone Says I Love You“, schwanger mit einem Alien-Baby in „Antibirth“ und Strafgefangene Nicky Nichols in „Orange Is the New Black“Zum Start der sechsten Staffel der Netflix-Serie haben wir die Schauspielerin in Berlin getroffen.

SARAH-DENISE NEVEN: Sind Sie aufgeregt, weil die sechste Staffel von Orange Is the New Black in den Startlöchern steht?

NATASHA LYONNE: Ja! Nach dem Cliffhanger am Ende der fünften Staffel wird es jetzt riesige Konsequenzen geben. Die neuen Folgen spielen in einem Hochsicherheitsgefängnis, das ist eine ganz neue Welt für Nicky. Alles wird ernster. Und Loyalität wird in dieser Staffel eine große Rolle spielen.

SDN: Leiden Sie mit Nicky?

NL: Wenn man sechs Jahre lang einen Charakter spielt, beginnt man irgendwann, mit dieser Person zu verschmelzen. Wenn ich das Skript für eine neue Staffel bekomme, ist das wie eine Verwandlung tief im Inneren, weil ich ganz genau weiß, wer diese Person ist und was sie durchmacht. Es fühlt sich fast an, als käme ich nach Hause.

SDN: Eines der besten Dinge an Orange Is the New Black ist, dabei zuzusehen, wie sich die Freundschaften unter den Frauen entwickeln.

NL: Die Freundschaften sind alles. Und im Laufe der letzten Jahren sind wir nicht nur Freundinnen vor der Kamera geworden, sondern auch dahinter.

“Ich war nie dieses Mädchen, das zum Abschlussball eingeladen wird.”
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SDN: Sie haben auch vor dem Start der Serie schon mit vielen Frauen zusammengearbeitet.

NL: Und darüber bin ich sehr froh! Ob das Jenji Kohan war, Nora Efron, Amy Poehler, oder ganz früher, als ich in Slums of Beverly Hills mitgespielt habe, da war Tamara Jenkins die Regisseurin. Und But I’m A Cheerleader hat Jamie Babbit gemacht.

SDN: Sie haben aber auch mit Woody Allen gedreht.

NL: Als wir Everyone Says I Love You produziert haben, war ich 16. Das ist ewig her. Aber es war mein Durchbruch, seine Tochter in diesem Film zu spielen. Ich habe am Set viel Zeit mit ihm verbracht. Es gibt viele Regeln über die Zusammenarbeit mit Woody Allen, man soll nicht mit ihm reden und so, aber ich war so jung, dass ich nichts davon wusste. Also stand ich immer neben ihm hinter der Kamera und habe alles in mich aufgesogen, um zu lernen. Natürlich gab es all diese Gerüchte über Woody Allen auch damals schon.

SDN: Wie waren Sie sonst so mit 16?

NL: Als ich jung war, haben wir ein paar Jahre lang in Israel gelebt. Damals hatten wir nur ein paar Filme, Rocky, Der Pate, Taxi Driver, A Fish Called Wanda und einen ganz komischen Film über ein Monster-Baby, der It’s Alive hieß. Diese Filme habe ich so oft geguckt, dass sie Teil meiner persönlichen Entwicklung wurden. Irgendwann haben sich meine Eltern getrennt, wir haben Israel verlassen und ich kam mit meiner Mutter zurück nach New York. Wir sind dann auf die Upper East Side gezogen. Uns ging es ganz gut in Relation zum Rest der Welt, aber ich war plötzlich dieses Kind mit getrennten Eltern. Und das war der Zeitpunkt, als ich mich mehr und mehr zurückgezogen und mich lieber mit Jimi Hendrix, Kurt Cobain oder Velvet Underground beschäftigt habe als mit der echten Welt. Ich war nie dieses Mädchen, das zum Abschlussball eingeladen wird. Die gute Nachricht ist: Ich habe in Orange Is the New Black endlich ein Zuhause gefunden.

 

Die sechste Staffel von Orange Is the New Black ist ab sofort bei Netflix zu sehen.