Vance Joy:
Genug Kängurus gesehen?

Seine Stimme? Bittersüss. Seine Texte? Poetisch. Seine Art? Very charming. Sein Look? Surferboy meets Teddybär. Sein Name? Vance Joy.

„Lady, running down to the riptide…“ Kommt Ihnen bekannt vor? Eben. Der Song des australischen Singer-Songwriters Vance Joy läuft auf den Radiostationen von Welt gerade in zweifacher Version rauf und runter. Ob das sanftere Original oder der sommerliche „Flic-Flac“-Remix nun besser ist, darüber lässt sich streiten. Fakt ist: James Keogh aus Melbourne alias Vance Joy weiss, wie man einen Sommerhit landet. Was ihn sonst auszeichnet? Einfach: Der Aussie ist gesegnet mit einer bittersüssen Stimme und dem Talent, Worte auf poetisch-romantische Art zu Texten zusammenzufügen, die man gleich auswendig lernen möchte. Äusserst charmant ist der 25-Jährige obendrauf. Die beste Neuigkeit? Ab dem 12. September gibt’s sein Talent in 13-facher Ausführung – dann veröffentlicht Vance Joy nämllich sein Debütalbum „Dream Your Life Away“. Was wir jetzt noch brauchen? Lange, warme Spätsommernächte. Traumhaft!

INTERVIEW: Hey, James! Lass uns das Interview mit einem Thema beginnen, das nichts mit deiner Musik zu tun hat.

JAMES KEOGH: Klar! Können wir uns übers Reisen unterhalten?

INTERVIEW: Super Idee. Hast du einen Lieblingsort auf der Welt?

KEOGH: Berlin gefällt mir sehr gut. Ich habe Freunde, die hier wohnen. Zu meinen Favoriten gehören aber auch der Westen Amerikas, Portland und Seattle. Und natürlich Mexiko! Da haben wir mein Album aufgenommen, in einer wunderschönen Villa auf einem Hügel. Wir fuhren jeden morgen mit einem Golfwagen durch den Dreck und an Hühnern vorbei ins Studio. Zum Lunch habs Tacos am Strand. Ich wünschte, ich könnte dahin zurückgehen, und…

INTERVIEW: … noch mehr Tacos am Strand essen?

KEOGH: Genau!

INTERVIEW: Auf deinem Twitter-Account hast du dich ja kürzlich mit dem Zusammenhang von Flughäfen und Toblerone-Schokolade auseinandergesetzt…

KEOGH: (Lacht) Das hast du gesehen?

INTERVIEW: Klar! Toblerone ist eine meiner Lieblingsschokoladen. Kaufst du dir sie jetzt regelmässig, wenn du unterwegs bist?

KEOGH: Nein, leider nicht. Ich hab sie noch gar nie probiert. Das Witzige ist, dass ich diese Schokolade nur immer an Flughäfen in den Duty-Free-Shops sehe. Haufenweise! Sonst begegne ich ihr irgendwie nie. Ich twittere ja sehr selten, aber der Zusammenhang von Toblerone und Flughäfen musste einfach mal geklärt werden (lacht).

INTERVIEW: Wusstest du, dass Toblerone aus der Schweiz kommt? Die Pyramidenform soll eine Referenz zum Berg Matterhorn sein, dem Wahrzeichen des Landes.

KEOGH: Echt? Cool, jetzt weiss ich mal etwas Fundiertes zu Toblerone!

INTERVIEW: Was ist denn das erste, das du essen wirst, wenn du zurück in Australien bist?

KEOGH: Oh, ich mag diese Frage. Lass mich überlegen…  Nun, es gibt zwei Cafés in der Nähe meines Hauses. Da würde ich entweder Avocado auf Toast bestellen oder…

INTERVIEW: Ich dachte, da isst man eher Kängurus?

KEOGH: Haha! Guter Gedankengang.

INTERVIEW: Isst man die Tiere in Australien eigentlich wirklich?

KEOGH: Ja. Wir haben schliesslich eine Überpopulation an Kängurus.

INTERVIEW: Ihr habt also so viele, dass ihr sie töten und essen müsst?

KEOGH: Genau! Nein, im Ernst: Die Tiere sind überall. Als ich an Weihnachten mit meiner Familie wandern ging, kamen wir vom Weg ab, und plötzlich standen da Dutzende von riesigen Kängurus, die uns mit ihren schwarzen Augen und Killerblick anglotzten. Nach diesem Trip bin ich nun vertrauter mit ihnen.

INTERVIEW: Ist es denn kein traditionelles australisches Essen?

KEOGH: Nein, ursprünglich ernährten wir uns ja von den Ernten der Bauernhöfe, Hühnern und Kartoffeln und so weiter. Aber ich glaube, es ist gut, dass wir jetzt Kängurus essen. Sie hoppen eben überall rum und zerstören die Ernte. Solange wir sie nicht alle essen, finde ich es eine ganz gute Sache (lacht).

INTERVIEW: Ok, fertig jetzt mit den armen Tieren. Lass uns über Mädchen sprechen.

KEOGH: Ich folge dir! Also, mein Liebesleben. Nun, was ich vorwegnehmen kann: Ich schicke meine Tour Managerin nicht ins Publikum, um mir die schönsten Mädchen backstage zu holen. Das habe ich noch nie gemacht.

INTERVIEW: Noch?

KEOGH: Ich glaube nicht, dass ich Rachel je dazu bringen könnte, das für mich zu machen. Klar gibt es nette Leute, die du kennen lernst. Aber wir kultivieren diese Groupie-Geschichte nicht. Ich wüsste nicht mal, ob es Mädchen gibt, die das bei mir mitmachen würden.

INTERVIEW: Oh, bestimmt!

KEOGH: Das Problem ist, dass man schnell in einen Kreislauf kommt, wo man die Grenzen nicht mehr sieht. Wenn du ständig Leute hast, die dir sagen, wie gut du bist, dann hast du irgendwann zu hohe Erwartungen und kannst nicht mehr ohne sie leben.

INTERVIEW: Hast du eine Freundin?

KEOGH: Ja. Sie lebt zwar in Australien, aber wir versuchen, uns so oft wie möglich zu sehen. Ich mag es, dass wir zwar nicht so viel Zeit miteinander haben wie andere Paare, dafür aber eine richtig gute, wenn wir zusammen sind. Quality Time nennt man das, oder?

INTERVIEW: Klingt gut. Was für ein Typ Freund bist du denn? Mit deiner musikalischen Seele, der Gitarre und den schönen Lyrics bist du irgendwie der Inbegriff des Romantikers.

KEOGH: Haha! Ja, diesen Gedanken mag ich. Ich habe bestimmt eine romantische Anschauung der Welt. Ich glaube, dass ist etwas, was man von seinen Eltern erbt. Meine Mutter ist Englischlehrerin und mag Bücher und Poesie. Die Liebe dazu hat sie an mich weitergegeben und sie ist es, die es mir ermöglicht, mich auszudrücken.

INTERVIEW: Du hast mal gesagt, du würdest dich auch als „Fishing Romantic“ bezeichnen.

KEOGH: Das Witzige daran ist, dass unsere Vorstellung von Fischen überhaupt nicht der Realität entspricht. Wenn man ans Fischen denkt, stellt man sich sofort ein Boot in einer schönen Landschaft und gedämpftem Licht vor… Aber in Wahrheit ist es total anders. Ich war kürzlich mit einem Freund fischen, als plötzlich unser Boot überflutete. Dann war da überall dieses Wasser und die stinkenden Fische. Total eklig!. Dennoch: Einen Fisch zu fangen und ihn abends zu essen, ist toll. Und irgendwie auch romantisch.

INTERVIEW: Dein Künstlername „Vance Joy“ ist inspiriert vom Buch „Bliss“ von Peter Carey. Was liest du denn gerade?

KEOGH: „Remembering Babylon“ vom australischen Autoren David Malouf. Da geht’s um einen jungen Briten, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Australien an Land gespült wird und von den Urbewohnern des Landes aufgenommen wird. Ich muss nur noch 20 Seiten lesen.

INTERVIEW: Liest du in deiner Freizeit lieber Bücher, als mit deiner Band abzuhängen?

KEOGH: Verglichen mit meinen Bandkollegen bin ich wohl eher der Einzelgänger. Ich brauche manchmal ruhige Momente, in denen ich mich zurück ziehen kann. Ansonsten bin ich aber ein guter Teamplayer, zuverlässig und willig, die Band voranzutreiben.

INTERVIEW: Lass uns nochmals auf deine Jugend zurück kommen. Bist du in einem kreativen Umfeld gross geworden?

KEOGH: Meine Mum hat der Kreativität von mir, meinem älteren Bruder und meiner jüngeren Schwester schon immer viel Achtung geschenkt. Sie sagte mir stets, ob ein Lied gut war oder ob es noch zusätzliche Arbeit brauchte. Und mein Vater hat einen tollen Musikgeschmack. Dank meinem Vater kam ich vom Junk weg, den ich mit zehn, elf Jahren hörte.

INTERVIEW: Zum Beispiel?

KEOGH: Limp Bizkit, Rammstein. Ich dachte ernsthaft, dass dies die beste Musik ever war!

Das Debütalbum „Dream Your Life Away“ von Vance Joy erscheint am 12. September 2014.

Von: Charlotte Fischli

12.09.2014 | Kategorien Interviews, Musik | Tags , , ,

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