Im Interview:
Creative Color Director Nicola Clarke

Die Britin Nicola Clarke ist eine der weltweit gefragtesten Koloristinnen. Sie färbt die Mähnen von Kate Winslet, Sienna Miller, Madonna und Cate Blanchett. Neben ihrer Arbeit auf Filmsets und Fashion Shoots, schwingt sie den Farbpinsel – mit Warteliste – im John Frieda-Salon an der Londoner Aldford Street. Wir trafen Sie zum Interview.

INTERVIEW: Frau Clarke, Sie arbeiten seit Ende der 80er Jahre als Koloristin. Was begeistert Sie an Haarfarbe?

CLARKE: Ich mag das Abenteuerliche und Schnelle daran. Ein Haarschnitt ist definitiv – oder war es zumindest. Als ich im Business begonnen habe, gab es noch keine Hair Extensions. Abgeschnitten ist abgeschnitten. Mit einer neuen Haarfarbe hingegen kann ich meinen Look im Nu komplett verändern. Im Prinzip kann man in einem Tag brünett, blond und rothaarig sein. Dieses Mutige, Draufgängerische am Haarefärben gefällt mir.

INTERVIEW: Wie draufgängerisch sind Sie mit Ihren eigenen Looks?

CLARKE: Gerade bin ich blond, wie Sie sehen, auch wenn’s darunter grau aussieht. Sonst hatte ich schon alle Haarfarben außer schwarz: weiß-blond, honig-blond, pfirsich-orange, knallrot, brünett, schokoladenbraun.

INTERVIEW: Berühmt sind Sie aber weniger für wilde Veränderungen, sondern vor allem für das perfekte Blond. Sie färben seit Jahren die Haare von Sienna Miller, Kate Winslet, Cate Blanchett oder Madonna.  

CLARKE: Ja, es stimmt, wenn ich so zurückblicke, sind da allem die vielen blonden Celebrities, deren Haar ich blond gefärbt habe. Das mag ich an der Arbeit mit Schauspielern und anderen Stars – es gibt viele Fotos, die das Ergebnis festhalten. Die vielen anderen Looks, die ich im Salon färbe, bedeuten mir aber genauso viel. Es gibt nichts Schöneres, als eine Kundin über Jahre hinweg glücklich zu machen. Wissen Sie, wir Stylisten sind alle Sensibelchen und es ist ein herrliches Gefühl, wenn sich jemand auf einen verlässt.

INTERVIEW: Warum ist Blond so etwas wie die Über-Farbe?

CLARKE: Wahrscheinlich, weil wir Blond für Urlaub und Sommergefühl assoziieren. Und es gibt für jeden irgendeine Nuance von Blond. Selbst bei Dunkelhaarigen wie Jennifer Lopez funktioniert Blond. Viele beginnen mit ein paar Highlights – und werden dann regelrecht süchtig. Ein Schauspieler meinte vor kurzem am Set zu mir: „Du bringst immer wieder Sonnenschein in mein Gesicht.“

INTERVIEW: Auf Ihrem Instagram-Account @nicolaclarkecolour zeigen Sie neben Schnappschüssen Ihrer Kinder oft Backstage-Bilder von Ihrer Arbeit auf Filmsets und Fashion-Shoots. Welchen Stellenwert hat Instagram als Plattform für Sie?

CLARKE: Ich finde Instagram großartig! Es ist schön zu zeigen, woran man gerade arbeitet, ohne warten zu müssen, bis ein Foto irgendwo gedruckt wird. Auch zu zeigen, was sich Backstage tut, ist wichtig. Denn hinter den Kulissen ist es nicht besonders glamourös – auch wenn dort der Glamour beginnt! Für eine Ralph Lauren-Kampagne musste ich den Models mal die Haare auf der Toilette färben. Die Kampagnenfotos haben am Ende amazing ausgesehen. Nur schade, dass es damals für Backstage noch kein Instagram gab.

INTERVIEW: Einige Ihrer Kollegen wie Guido Palau oder Vidal Sassoon haben Bücher über Haare auf den Markt gebracht. Können wir Ähnliches von Ihnen erwarten?

CLARKE: Mein Mann drängt mich, so etwas zu machen. Ich habe auch öfters darüber nachgedacht, aber nie wirklich ernsthaft. Sagen wir so, es ist auf meiner To Do-Liste.

INTERVIEW: Ihr Tipp für Farbveränderungen, wenn man es nicht zu Ihnen in den Salon schafft?

CLARKE: Das A und O ist, einen guten Rapport mit einem Koloristen aufzubauen. Holen Sie sich Empfehlungen bei Freunden, deren Look Ihnen gefällt. Sammeln Sie Fotos und bauen Sie ein Mini-Portfolio auf, das Sie mit in den Salon bringen. Das hilft dem Koloristen zu verstehen, in welche Richtung Sie gehen möchten – und er kann Ihnen sagen, was realistisch möglich ist. Dann ist eine Farbe auch immer eine Frage des commitments: Wenn Sie sich Ihr Haar Rot färben möchten, sind Sie auch gewillt, alle vier Wochen nachzufärben? Denken Sie immer ein paar Schritte weiter. Oft wollen Kunden plötzlich „etwas Verrücktes machen“ – und im Gespräch stellt sich dann heraus, dass sie acht Monate später heiraten. Dann ist es für die Radikalveränderung vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt.

INTERVIEW: Wie soll man gefärbtes Haar pflegen?

CLARKE: Verwenden Sie immer das beste Shampoo und den besten Conditioner, die Sie bekommen können. Etwas, das zu Ihrem Haar passt. Die John Frieda-Linie ist super, weil es etwas für jeden Haartyp gibt: für Blondinen, Brünette, für Lockenköpfe usw. Ich mag auch Apotheken-Labels wie Phyto. Die Produkte von Redken und Joico sind auch sehr gut. Und: Gönnen Sie dem Haar wöchentliche Masken. Philip Kingsley hat gute Treatments. Ein Tangle Teezer ist auch eine gute Investition. Gehen Sie sorgsam mit Ihrem Haar um. Kurz: Pflegen Sie es so wie Sie Ihr Gesicht pflegen.