"Warum gibt es nie Haustiere auf Raumschiffen, Mr. Scott?"

Das Sequel des Prequels. Mit „Alien: Covenant“ kehrt der Regisseur und muntere Apokalyptiker Ridley Scott erneut zu dem Thema zurück, mit dem er vor 38 Jahren seinen Durchbruch feierte. Wir haben den Filmemacher in Berlin getroffen.

Ridley Scott | © Caravan Pictures

HARALD PETERS: Der Mondrover von Audi ist wahrscheinlich das niedlichste Ding, das es in „Alien: Covenant“ zu sehen gibt.

RIDLEY SCOTT: Ja, wie ein Spielzeug. Als Audi mit dem Gefährt an mich herangetreten ist, dachte ich: „Wow, der sieht ja süß aus! Wie E.T.!“

H P : Hat er gut funktioniert?

R S : Ja, er folgte einem und konnte auch holpriges Gelände bewältigen. Die wollen mit ihm auf den Mars.

H P : Ich dachte, zum Mond.

R S : Vielleicht, aber auf den Mars wollen sie auch mit ihm. Man braucht heute ja nur noch knapp acht Monate bis zum Mars. Bis zum Mond sind es vier Tage. Beim Mars hat man aber das Problem, dass man, wenn man einmal dort ist, für einige Zeit bleiben muss.

H P : Muss man?

R S : Ja, weil die Bahn, in der sich Erde und Mars zueinander bewegen oval ist. Die Reise startet also dann, wenn der Abstand am geringsten ist. Aber um den Zeitpunkt des geringsten Abstands bei der Rückreise abzupassen, müsste man leider Monate warten. Ich könnte Ihnen das alles mathematisch erklären.

H P : Ich glaube, ich kann es mir vorstellen.

R S : Also, um einen Begriff von der Entfernung zu bekommen, stellen Sie sich einen Telefonanruf vor. Ein Anruf hat Lichtgeschwindigkeit. Wenn Sie während des geringsten Abstands zur Erde auf dem Mars anrufen wollten, würde es viereinhalb Minuten dauern, bis klingelt. Bei größter Entfernung dauert es 16 Minuten. Die Entfernung verändert sich also enorm. Für ein Raumschiff ist das ein gewaltiger Unterschied. Man könnte es ausprobieren, aber das kostet natürlich.

H P : In dem Fall sollte man den Mondrover doch erst auf dem Mond einsetzen.

R S : Vielleicht.

H P : Er wirkt im Übrigen viel verlässlicher als der Cyborg David, den Michael Fassbender spielt.

R S : Absolut. Das liegt daran, dass David in seiner Konstruktion zu menschlich ist. Von Menschen heißt es, dass sie ziemlich unzuverlässig sind. Was natürlich stimmt.

H P : Wie man aus Alien: Covenant lernt, können wir also auch den Robotern nicht trauen. Aber wenn man selbst Robotern nicht trauen kann, wem dann?

R S : Nun, es gibt ein paar Leute, denen ich vertraue. Und ich mag Hunde.

H P : Gut, dass Sie das erwähnen: Warum gibt es eigentlich nie Haustiere an Bord von Raumschiffen?

R S : Wieso? Sigourney Weaver hatte im ersten Teil doch eine Katze namens Jones an Bord.

H P : Oh, muss ich vergessen haben. Ich war neun, als ich Alien sah – und konnte dann zwei Jahre lang nicht schlafen.

R S : Dann wird es Zeit, dass Sie ihn sich noch mal anschauen. Der Film sieht übrigens immer noch gut aus. Sie haben ihn damals bestimmt auf VHS gesehen …

H P : Nein, im Kino.

R S : Mit neun? Wie sind Sie denn da reingekommen?

H P : Der Kinobesitzer spielte mit meinem Vater Karten.

Ridley Scott: “Es gibt ein paar Leute, denen ich vertraue. Und ich mag Hunde”
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R S : Hahaha! Der Chef des Studios mit dem ich Alien gedreht habe, meinte zu mir, dass seine Tochter den Film „abartig“ fände. Und ich fragte ihn: „Abartig? Was meint sie damit?“ Und er sagte: „Keine Ahnung!“ – „Sag mal, wie alt ist denn deine Tochter überhaupt?“ Und er: „Sechs!“ Hahaha!

H P : Der neue Film ist viel abartiger. Mehr Splatter!

R S : Ja, das kann schon sein. Mir gefällt aber besonders die Szene mit der Epidemie. Wenn man sieht, was für einen Effekt ein Pathogen haben kann. Auf der Erde haben wir solche Pathogene übrigens auch. Die Menschen sollten sich nicht vor Bomben fürchten, sondern vor, sagen wir mal, Krankheitserregern im Trinkwasser. Ein Tropfen – platsch! – und schon geht’s los. Wenn man von einer Inkubationszeit von zehn Tagen ausgeht, kann man sich ja vorstellen, wie viele Leute davon trinken.

H P : Und dann?

R S : Sind alle tot. Aber das größte Problem ist, dass das gesamte System zusammenbricht. Totales Chaos! Wir verlassen uns heute so sehr auf Technik, dass wir nicht mehr wissen, wie was funktioniert. Können Sie einen Reifen wechseln?

H P : Ich kann gar nichts.

R S : Ich schon. Ich kann meine Socken stopfen und meine Hemden waschen. So bin ich aufgewachsen. Ich bin ein Kriegskind.



Alien : Covenant läuft bereits

von Harald Peters

31.05.2017 | Kategorien Film, Interviews | Tags , , ,

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