ZAYN

Er singt, er designt, er ist mit Gigi Hadid, einem der erfolgreichsten Models der Welt, zusammen. Jetzt wird es ein neues Album geben, und übers Kino denkt er auch nach. Zayn, das Boy-Wonder aus Bradford.

FOTO: BRUNO STAUB, STYLING: JASON REMBERT, LOOK: LOUIS VUITTON

Von: HARALD PETERS

HARALD PETERS: Fangen wir doch gleich mit dem wichtigsten Thema an, dem Gartenbau!

ZAYN: Ja, ich arbeite gern mal ein bisschen im Garten, haha. Hinter meinem Haus in L. A. habe ich eine Fläche, wo ich Obst und Gemüse aufziehe. Es ist einfach sehr befriedigend, wenn man sieht, wie die Früchte wachsen.

HP: Was wächst da denn so?

Z: Ich habe zum Beispiel Apfel-, Orangen- und Zitronenbäume. Ich muss nur rausgehen und kann das Obst pflücken. Weil es unbehandelt ist, ist die Qualität natürlich unschlagbar. Aber momentan bin ich ja an der Ostküste. Hier ist es ein bisschen schwieriger, Sachen zu züchten.

HP: Sind Sie nach New York umgezogen?

Z: Eigentlich pendele ich hin und her, aber zurzeit bin ich hauptsächlich in New York, weil hier meine Arbeit ist. Aber das Klima ist anders, nicht wirklich ideal, wenn man Tomaten pflanzen will.

HP: Haben Sie auch als Kind bei Ihren Eltern in Bradford oft im Garten gearbeitet?

Z: Meine Mutter hat viel im Garten gearbeitet, und ich habe ihr oft dabei zugeschaut. Aber ich war eher ein unbeteiligter Beobachter. Hätte ich ihr geholfen, hätte ich wahrscheinlich alles ruiniert. Ich war damals noch zu jung. Aber jetzt, wo ich älter bin, macht es mir Spaß.

HP: Sehen Sie Ihre Familie oft?

Z: Ehrlich gesagt, war ich schon länger nicht mehr in Bradford. Aber mit Telefon und FaceTime bin ich mit meinen Eltern und dem Rest der Familie in ständigem Kontakt. Eigentlich sprechen wir jeden Tag. Ich würde sie gern öfter in England besuchen, aber ich bin gerade nur wahnsinnig mit dem neuen Album beschäftigt.

HP: Von dem neuen Album kennt man weder den Titel noch den Veröffentlichungstermin, geschweige denn irgendwelche Songs. Wir sollten uns dringend darüber unterhalten.

Z: Ja, lassen Sie uns das machen!

HP: Dann schießen Sie los!

Z: So ganz allgemein?

HP: Wie Sie möchten!

Z: Okay. Also mit der Arbeit an dem neuen Album habe ich gleich angefangen, nachdem ich mit dem ersten fertig war. Das war ein fortlaufender Prozess, ich habe einfach immer weiter und weiter geschrieben und war vielleicht ein bisschen länger als ein Jahr im Studio. Auf das Ergebnis bin ich ziemlich stolz, da sind ein paar sehr gute Songs drauf. Ich bin gespannt, was die Fans dazu sagen. Wir haben ein paar neue Sachen ausprobiert, neue Stile, neue Kollaborationen.

FOTO: BRUNO STAUB, STYLING: JASON REMBERT, LOOK: LOUIS VUITTON

HP: Als einen der Produzenten des Albums konnten Sie Timbaland gewinnen, der einst auch Justin Timberlakes Solokarriere auf den Weg half.

Z: Ja, er hat uns gefragt, ob wir ihn treffen wollen. Also sind wir zu ihm ins Studio gefahren. Er ist ein sehr netter Kerl. Er meinte, wenn ich irgendwelche Ideen hätte, solle ich es ihn wissen lassen. Ich habe ihm dann ein paar Gesangsspuren geschickt, die ich mit dem Telefon aufgenommen habe. Er hat einen ganzen Song daraus gemacht, was cool war.

HP: Als das Debüt erschien, sind Sie, statt mit dem Album auf Tour zu gehen, lieber zu Hause geblieben.

Z: Ja, ich wollte nicht auf die Bühne gehen und einfach nur das eine Album spielen. Ich will eine spektakuläre Show und Hits spielen. Die Leute sollen von der ersten bis zur letzten Minute unterhalten werden, was aber nicht geht, wenn man nur eine Handvoll Songs hat. Ich denke, mit dem neuen Album habe ich genügend Songs zusammen.

HP: Ich glaube, dass es eine kluge Entscheidung war, keine Konzerte zu geben.

Z: Danke, das ist nett, dass Sie das sagen. Der Druck war damals auch viel zu hoch. Ich hatte gerade die größte Band der Welt verlassen und musste mich ständig dafür rechtfertigen, warum ich so schnell und so plötzlich Schluss gemacht hatte. Das war einfach alles ein bisschen viel. Aber jetzt bin ich so weit und kann mein Ding machen.

HP: Ich glaube, dass auch Ihr Publikum den Abstand gebraucht hat. Ich habe ein Konzert eines Ihrer alten Kollegen gesehen und kann sagen, dass die Fans nicht die Spur an seiner Musik interessiert waren. Er hat versucht, etwas Neues zu machen, aber das Publikum hat partout nicht zugehört, sondern einfach nur gekreischt, gekreischt und gekreischt. Es war irgendwie traurig.

Z: Ich kann es mir vorstellen.

HP: Wie ist es eigentlich, wenn man mit einem Publikum konfrontiert ist, das konstant kreischt? Das muss einen doch fertigmachen, oder?

Z: Nein. Eigentlich gar nicht. Ich meine, es gab bei One Direction natürlich Tage, an denen mir nicht danach war, auf die Bühne zu gehen, aber so geht es anderen Leuten in anderen Berufen ja auch: Man hat nicht immer Lust auf die Arbeit. Aber sobald wir auf der Bühne standen und diese Reaktion bekamen, kickte das Adrenalin und ich habe es einfach nur genossen. Vor Publikum zu singen macht einfach Spaß, selbst wenn es mir nicht immer gelungen ist, meinen Spaß auch zu zeigen, wie man in etlichen Konzertaufnahmen bei YouTube sieht, wo ich mit abwesendem Gesichtsausdruck verloren in der Gegend rumstehe, haha.

FOTO: BRUNO STAUB, STYLING: JASON REMBERT

HP: Und wie ist es, wenn man auf der Straße angekreischt wird?

Z: Das ist dann seltsam. Ich bezeichne mich als einen extrovertierten Menschen, der introvertiert ist. Wenn ich auf der Bühne bin, stehe ich gern im Mittelpunkt, aber privat bin ich lieber für mich allein und mache meine eigenen Sachen. Ich bin dann so normal, wie es irgend geht.

HP: Es gibt auf YouTube eine ganz zauberhafte Szene aus „The X Factor“. Sie sollen tanzen, wollen aber nicht, bis Simon Cowell kommt und Sie überzeugt, es doch zu tun. Das war inszeniert, oder?

Z: Nein, gar nicht. Ich wollte wirklich nicht tanzen und habe mich wahnsinnig unwohl gefühlt, als ich es plötzlich sollte. Überall um mich herum waren Schüler der BRIT School oder anderer Theaterschulen, die bereits Tanzunterricht hatten. Aber ich hatte von all dem keine Ahnung. Das war alles viel zu viel für mich, ich war wirklich kurz davor, meinen Koffer zu packen und zu gehen. Und dann haben sie mich überzeugt, sie meinten, ich solle es zumindest versuchen. Simon sagte zu mir, aber das sieht man in dem Ausschnitt nicht, glaube ich: „Ich mache im Jahr mehrere Millionen und tanze ja auch nicht. Zeig mir wenigstens, dass du es willst.“ Mit 17 hat mich das sofort überzeugt. Also bin ich wieder rauf auf die Bühne und habe es ihnen gezeigt. Aber Tanz war nie meine Stärke, das ist auch heute noch so.

HP: Aber so schlecht waren Sie damals nicht.

Z: Nein,es war keine Katastrophe, ich bin ja auch Musiker und habe ein Gefühl für Rhythmus, klar. Aber ich fühle mich beim Tanzen einfach unsicher, und wenn ich mich unsicher fühle, dann neige ich dazu, die Sachen zu lassen.

HP: Warum denken heute eigentlich alle großen Popstars, dass sie tanzen müssten?

Z: Genau. Und wo bleibt dabei eigentlich die Musik?

HP: Wäre die Schauspielerei eine Sache, mit der Sie sich wohlfühlen könnten?

Z: Unbedingt, wenn ich die richtige Rolle bekomme. Gerade bei der Wahl der ersten Rolle muss man vorsichtig sein. Das muss eine Rolle sein, auf die ich stolz sein kann, und nicht irgendwas Halbgares. Zumal Schauspielerei auch zeitlich eine große Verpflichtung ist, es dauert ja immer ein paar Monate, so einen Film zu drehen. Aber tatsächlich sind wir an dem Thema gerade dran.

HP: Bis es so weit ist, können Sie ja weiter so schöne Videos wie zu „Still Got Time ft. PARTYNEXTDOOR“ drehen.

Z: Hat Ihnen das gefallen?

HP: Ich kenne kein Video, in dem mehr geraucht wurde.

Z: Haha! Ja, das war mein Rockstar-Moment.

HP: In dem Video gab es auch ein Krokodil.

Z: Stimmt, das Krokodil im Garten. Und einen Affen auf der Schulter, wie es sich für einen Rockstar gehört.



Zayns neues Album soll im ersten Quartal 2018 erscheinen.

Dieses Interview ist eine gekürzte Version – Das komplette Gespräch gibt es in der aktuellen Ausgabe, erhältlich im TicTail-Store oder als E-Paper (verfügbar ab dem 21.02)



Credits:
Fotos: Bruno Staub
Styling: Jason Rembert
Grooming: Joanna Simkin/The Wall Group
Produktion: Luisa Bonsen
On-Set-Produktion: Chloe Mina
Foto-Assistenz: Ewan Browning, Ryan Petrus
Digital Tech: Sara Lewis
Catering: The Smile
Dank an Spring Studios

20.02.2018 | Kategorien Interviews, Magazin | Tags , , , ,

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