JEAN PIGOZZI

Bono, Lady Gaga, Andy Warhol: Jean Pigozzi hat schon mit jedem ein Selfie gemacht. Anlässlich seiner aktuellen Ausstellung in der Münchner Galerie IMMAGIS haben wir mit dem Fotografen gesprochen.

ME and Lady Gaga, 2012 © Jean Pigozzi, Courtesy of IMMAGIS

Einige Jahre bevor Kim Kardashian geboren wurde, hat Jean Pigozzi das Selfie erfunden. Seit den frühen Siebzigern fotografiert der Franzose mit italienischen Wurzeln sich selbst gemeinsam mit den Prominenten, denen er begegnet, weil er nicht nur Fotograf, sondern auch Simca-Erbe, Kunstsammler und Geschäftsmann ist. Während er dabei vor gut vierzig Jahren noch neben Berühmtheiten wie Dolly Parton, Arnold Schwarzenegger, Steve Martin oder Sergio Leone stand, kamen nach und nach Selfies mit Celebrities wie Clint Eastwood, Andy Warhol, Sylvester Stallone, Lady Gaga oder Ai Weiwei dazu.

Nun werden Jean Pigozzis Selbstporträts erstmals in Deutschland ausgestellt, noch bis zum 4. August 2018 zeigt die Münchner Galerie IMMAGIS seine Serie „ME & Co“. Zum Auftakt seiner Einzelausstellung haben wir mit Jean Pigozzi gesprochen.

Sergio Leone and ME, 1978 © Jean Pigozzi, Courtesy of IMMAGIS

Sind Sie ein bisschen traurig, dass jeder heutzutage Selfies macht?

Das ist mir relativ egal, ich mache sie ja ein wenig anders, mit einer Kamera. Aber eigentlich kümmert mich das nicht. Die Leute kopieren mich, das ist ganz nett.

Erinnern Sie sich noch an das erste Selfie, das Sie je gemacht haben?

Da war ich noch in der Uni, in Harvard, ich glaube, das war 1972 oder 1973. Einmal im Jahr gibt es in Harvard ein Event mit einem Celebrity, in dem Jahr war das Faye Dunaway. Sie war damals der größte Star in Amerika, sie hatte gerade Bonnie und Clyde gemacht und war eine wunderschöne Frau. Und ich bin einfach rüber zu ihr und habe gefragt ‚Darf ich ein Foto machen?’ und das hat dann zwei Sekunden gedauert und so hat das alles angefangen mit meinen Selfies.

Warum war es Ihnen so wichtig, dass Sie selbst auch auf dem Bild sind?

Weil ich es immer doof fand, wenn Leute nach Autogrammen gefragt haben, die sind so leicht zu fälschen. Ein Selfie beweist, dass man mindestens ein paar Sekunden mit der Person auf dem Foto verbracht hat. Es ist visueller und persönlicher als ein Autogramm, deswegen mag ich diese Selfies so.

Helena Christensen and Bono and ME, 2010 © Jean Pigozzi, Courtesy of IMMAGIS

Wie haben die Menschen früher auf Sie und Ihre Kamera reagiert?

Damals waren die Leute immer ein bisschen überrascht, sie haben nicht wirklich verstanden, was ich da mache. Aber es war ihnen eigentlich auch ziemlich egal. Heutzutage weiß ja jeder, was ein Selfie ist. Sogar Hunde können gute Selfies machen. Damals war das noch ganz anders, viel origineller. Jetzt nerven Selfies fast schon.

Gab es schon mal jemanden, der ein Foto mit Ihnen verweigert hat?

Ja, zufällig gerade letzte Nacht in Paris. Da wollte ich ein Selfie machen mit einem Franzosen, der mit mir in der Schule war und jetzt ein berühmter Regisseur ist. Meistens sind die Menschen sehr nett und freundlich, aber er war nicht sehr kooperativ.

Also schießen Sie diese Selfies noch, wenn Sie berühmte Menschen treffen.

Ja, manchmal.

Andy Warhol + ME, 1986 © Jean Pigozzi, Courtesy of IMMAGIS

Ich mag das Foto sehr, das Sie mit Andy Warhol gemacht haben. Ging Ihre Bekanntschaft über das Bild hinaus?

Ja, ich habe ihn kennengelernt als ich noch studiert habe, 1973 war das. Ich habe ihn dann öfter mal besucht in New York, in seinem Atelier The Factory. Er war sehr amüsant. Wir waren oft im Studio 54 und er war so freundlich und so nett, man konnte sich nicht vorstellen, dass er mal einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts sein würde. Weil er so bescheiden war. Er lief durch New York, verkaufte sein Magazin und war einfach ein netter Mann. Ich war sehr traurig, als er gestorben ist.

Haben Sie ein Lieblingsselfie?

Ich mag das mit Andy. Aber eigentlich nicht, ich finde sie alle gut. Ich hätte allerdings sehr gerne ein Selfie mit Picasso gemacht oder Stanley Kubrick. Oder mit der Königin von England, ich finde, sie ist eine bemerkenswerte Frau.

Flankiert wird Jean Pigozzis Serie „ME & CO“ in der Galerie IMMAGIS durch ein Best-of der Fotos seiner legendären Pool Partys, die seine illustren wie famosen Gäste, darunter unter anderem Helmut Newton, Bianca oder Mick Jagger, am Pool der Villa Dorane am Cap d’Antibes zeigen.

Die Ausstellung Jean Pigozzi: Best Of „ME&Co“ and „Pool Party“ in der Galerie IMMAGIS geht noch bis zum 4. August 2018.

 

Von: Sarah-Denise Neven

26.06.2018 | Kategorien Fotografie, Interviews, Kunst | Tags , ,