"Ich wäre gern Jesus und Ross aus Friends"

Dieses Mädchen hat 23 Gegner. Sie muss töten, um zu leben. Und das kann sie. Jennifer Lawrence ist die Heldin der „Tribute von Panem” und träumt von einem Pool voller Pasta. Für uns sprach sie mit Kollegin Drew Barrymore.

Body: Dolce & Gabbana; Schmuck: Forevermark | Foto: Matthias Vriens-McGrath | Styling: Elizabeth Stewart

Sie ist eine der aufregendsten jungen Schauspielerin­nen Hollywoods. Jennifer Lawrence, 21, aus Louis­ville/Kentucky wurde im Alter von 14 Jahren bei ih­rem ersten New-­York-­Besuch von einem Talentscout auf der Straße entdeckt. Für den Vorschlag, eine Modelkarriere einzuschlagen, hatte sie allerdings we­nig übrig. Sie wolle Schauspielerin werden, ließ sie den erstaunten Talentscout wissen. Der brachte sie in die nächste Agentur, wo sie den Text für eine Erdnuss­butterwerbung vorlas – eine Aufgabe, die ihr nicht nur thematisch sehr lag (s. Interview), sondern die sie auch so gut gemeistert haben soll wie noch keine Gleichaltrige zuvor. Seither arbeitet sie praktisch pausenlos und mit größtem Erfolg. Jodie Foster enga­gierte sie für das Handpuppendrama Der Biber, sie war die Mystique in X-Men: Erste Entscheidung, und für Winter’s Bone wurde sie im vergangenen Jahr für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert. Ihr größter Coup ist bislang allerdings die Rolle der Kat­niss Everdeen in den Hunger Games. Von der Verfil­mung der sagenhaft erfolgreichen Romantrilogie von Suzanne Collins erwartet sich die Filmindustrie einen ähnlichen Zuspruch wie bei Harry Potter und Twilight. Den Vorverkaufsrekord von Twilight hatte der erste Die Tribute von Panem-Teil jedenfalls schon Wochen vor dem Filmstart ohne Mühe gebrochen.

Drew Barrymore: Hey, Jennifer, ich war eben noch im Gemüsegarten, meine Hände sind noch ganz schmutzig. Wie geht es dir?

Jennifer Lawrence: Es geht mir gut. Ich habe nur eben drei Tassen Kaffee getrunken und bin jetzt ein wenig fahrig.

Barrymore: Das kenne ich. Ich bin momentan auf Eistee, um meine Koffeinzufuhr zu reduzieren.

Lawrence: Nehmt mir meinen Kaffee weg, und ich sterbe.

Barrymore: Ich weiß, Koffein macht die schlimms­ten Situationen erträglich. Wo steckst du gerade?

Lawrence: In Minnesota, in meinem Hotelzimmer.

Barrymore: Ich bin so aufgeregt, dass ich dich interviewen darf.

Lawrence: Und ich bin so glücklich, dass du dazu bereit bist. Bei meiner letzten Sache für Interview hat Jodie Foster die Fragen gestellt, aber das war für das amerikanische Heft.

Barrymore: Ich habe sie neulich in einem Restau­rant getroffen und am ganzen Leib gezittert. Sie ist so großartig. Ich bewundere sie schon mein ganzes Le­ben …

Lawrence: …und dann trifft man sie, und sie ist einfach ganz normal. Und wunderbar. Und nett. So als ahnte sie nicht einmal, dass sie unser aller Idol ist.

Barrymore: Das ist immer das Beste. Es gibt nichts Schlimmeres, als einem seiner Helden zu begegnen, der dann nichts als eine Enttäuschung ist.

Lawrence: Ich weiß. Ich habe kürzlich John Stamos getroffen, du weißt, der Onkel von den Olsens in Full House. Ich hatte vor lauter Aufregung einen kleinen Zusammenbruch. Er war so reizend – falls er es nicht gewesen wäre, hätte ich mich nie wieder davon erholt. Es hätte mein Leben ruiniert. Kannst du dir das vor­ stellen: Du triffst Uncle Jesse, und er ist NICHT nett?

Barrymore: Mir el kürzlich auf, dass John Stamos geradezu beängstigend gut aussieht, ganz wunderbar erhalten. Und zwar auf eine verblüffend natürliche Weise, vollkommen ohne plastische Chirurgie. Er ist überhaupt nicht gealtert.

Lawrence: Absolut. Er sah so toll aus, dass ich mich in einen perversen Kerl verwandelt habe. Ich habe ihm die ganze Zeit nur auf den Arsch gestarrt. Das mache ich sonst nie.

Barrymore: Du starrst auf seinen Arsch und fühlst dich dabei wie ein Mann und nicht wie eine Frau? Das ist interessant.

Lawrence: Ich hatte das dringende Bedürfnis, ihm an den Arsch zu fassen und zu sagen: „Hey, Alter, was geht?“

Barrymore: Du hättest es machen sollen. Ich bin mir sicher, er hätte es großartig gefunden …

Lawrence: …oder ich hätte mir eine Ohrfeige ein­ gehandelt …

Jennifer Lawrence: “Wenn ich Menschen auf der Straße sehe, die wirres Zeug reden, bin ich voller Verständnis. Ihr Verhalten kommt mir absolut sinnvoll vor”
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Barrymore: …das kann doch auch Spaß machen. Ich habe in einem Interview mit dir gelesen, dass du ziemlich besitzergreifend werden kannst, was die Charaktere angeht, die du spielen willst. Du meintest, dass du oft das Gefühlt hast, dass nur du sie wirklich verstehst.

Lawrence: Ja, es mag ein wenig seltsam und artsy fartsy klingen, aber manchmal kommt es mir vor, als wären die Charaktere meine Seelenverwandten. Und damit will ich nicht sagen, dass ich mich für die beste Schauspielerin halte – es gibt Tausende, die mehr von Schauspielerei verstehen als ich. Aber ab und zu habe ich das Gefühl, eine Figur so gut zu kennen und zu begreifen, dass ich als diese Figur sprechen kann, ohne dass es künstlich und gewollt klingt. Aber das passiert wirklich selten. Weshalb ich, wenn es passiert, die Rolle dann auch wirklich will.

Barrymore: Als ich das las, habe ich mich sofort in dich verliebt. Mir geht es genauso. Man weiß ja, dass man als Schauspieler viele Möglichkeiten hat, eine Fi­gur anzulegen. Und dann liest man das Drehbuch und denkt: Oh bitte, lasst dieses Mädchen nicht wie ein Opfer wirken; sie ist stark, ich weiß, dass sie stark ist. Oder: Sie ist lustig und lebensfroh, und wenn jemand es wagen sollte, sie garstig und depressiv zu spielen, dann bekommt ihr es mit mir zu tun.

Lawrence: Ja, man verliebt sich in seine Charaktere und denkt plötzlich an all die Umstände, unter denen ihnen Unrecht angetan werden könnte. So war es auch, als ich Gary Ross, den Regisseur von Hunger Games, getroffen habe und zu ihm meinte: „Ich habe volles Verständnis dafür, wenn du glaubst, dass ich nicht die Richtige für die Rolle bin. Aber wer auch immer sie bekommen sollte, du darfst nicht zulassen, dass Katniss zu cool wirkt. Wenn sie ihre Gegner er­schießt, dann muss sie zwar stark sein, aber auch trau­rig, verzweifelt und ängstlich. Es darf in dem gesam­ten Film keinen Moment geben, in dem sie nicht damit rechnet, selbst getötet zu werden.“

Barrymore: Wenn du ein Drehbuch durchgelesen hast und weißt, dass du eine Rolle wirklich willst, wirst du dann ruhig oder bist du eher aufgekratzt und kannst die ganze Nacht nicht schlafen, weil du weißt, dass du auf einen Feldzug gehen musst, um die Rolle zu bekommen?

Lawrence: Ich werde ruhig, aber es ist ein seltsames Gefühl. Zum einen bin ich glücklich, dass ich diese besondere Figur gefunden habe, eine Seelenverwand­te, wenn du so willst. Aber gleichzeitig weiß ich auch, dass ich nicht viel tun kann, um die Figur auch wirk­lich spielen zu dürfen, jedenfalls nicht unmittelbar. Irgendwie gelingt es mir dann, meinen Kopf aus­ zuschalten. Ich besorge mir etwas zu essen und lege mich auf die Couch.

Barrymore: Du legst dich zum Essen auf die Couch – ich liebe dich, du bist großartig. Du hast all das, was ich mir von einem Mann wünsche.

Lawrence: Ganz genau, jedes Mal, wenn meine Freundinnen zu Besuch sind, liegen wir auf dem Sofa und essen und trinken und denken: So stellt man sich doch eigentlich eine gute Ehe vor.

Barrymore: Total, sehe ich auch so… Erdnuss­butter oder Marmelade?

Lawrence: Erdnussbutter.

Barrymore: Großartig.

Lawrence: Gibt es überhaupt Leute, die einfach nur Marmelade essen? So ohne alles?

Barrymore: Ja, ich. Musste ich neulich, ich war praktisch dazu gezwungen.

Lawrence: Wieso warst du dazu gezwungen, Mar­melade zu essen?

Barrymore: Ich hatte Gäste zum Lunch da, und das Ganze war eine Art Thai-­Nudel-­Erdnussbutter-­Ext­ravaganza, anschließend waren jedenfalls meine gan­zen Erdnussbuttervorräte aufgebraucht. Und dann, ein paar Tage später, hatte ich Lust auf was Süßes, und das Einzige, was ich noch da hatte, war Erdbeermar­melade aus dem Chateau Marmont. Die habe ich dann auf Toast gegessen. War lecker.

Lawrence: Ach so, auf Toast. Toast ändert alles, auf Toast mag ich Marmelade selbstverständlich auch. Aber Erdnussbutter könnte ich auch ohne Toast es­sen, einfach mit dem Finger aus dem Glas.

Barrymore: Nicht wahr? Ich würde gern nackt in ein riesiges Glas mit Erdnussbutter springen, das würde mich wirklich glücklich machen.

Kleid: Paco Rabanne; Ringe & Ohrringe: Bulgari | Foto: Matthias Vriens-McGrath | Styling: Elizabeth Stewart

 

 

Lawrence: Wenn ich meinen ersten richtig großen Scheck bekomme, möchte ich in einem Swimming­pool voller Pasta baden. Bevor ich mir das leisten kann, bleibe ich aber in meiner Zweizimmerwohnung und lege mir einen gigantischen Nudelvorrat an.

Barrymore: Wie isst du Pasta am liebsten?

Lawrence: Mit Bolognese, ganz simpel.

Barrymore: Ich bin momentan geradezu besessen von ramen, diesen japanischen Nudelsuppen …

Lawrence: Ach du meine Güte, an die hatte ich gar nicht gedacht. Ramen mit Huhn, natürlich, ganz groß­artig.

Barrymore: Wenn ich in Gegenden bin, in denen ich mich nicht auskenne, google ich, wo es gute ramen gibt.

Lawrence: Ich kaufe meine im Schnapsladen gleich um die Ecke. Es ist perfekt, dort gibt es Alkohol und ramen. Wenn ich so darüber nachdenke, sollte ich da eigentlich wohnen bleiben.

Barrymore: Wo wohnst du überhaupt?

Lawrence: In Santa Monica.

Barrymore: Würdest du lieber wie ein Vogel durch die Lüfte fliegen oder wie ein Fisch in den Tiefen des Meeres schwimmen?

Lawrence: Wie ein Vogel fliegen. Allerdings glaube ich, dass es weitaus interessanter ist, sich die Fische im Ozean anzuschauen, als die Welt aus der Vogelpers­pektive zu betrachten – da wird einem bestimmt schnell langweilig. Aber ich würde trotzdem lieber fliegen als schwimmen. Es ist kompliziert. Ich sollte ein fliegender Fisch sein.

Barrymore: Stell dir vor, du würdest in einem Ro­man leben: Welche männliche Figur wärst du gern und welche weibliche Figur?

Lawrence: Du meine Güte… Ich dachte kurz an eine J.D.­Salinger-­Geschichte, aber das ist natürlich Quatsch, kein Mensch möchte in einem Buch von J.D. Salinger leben.

Barrymore: Weil es zu existenzialistisch ist?

Lawrence: Ja, und dann noch die 50er, das wäre nicht so meins. Irgendwie fallen mir gerade nur Sa­chen ein, die ich auf gar keinen Fall will. Zum Beispiel die Mutter aus We Need To Talk About Kevin sein. Wie wäre es damit? Ich wäre gern Jesus aus der Bibel. Und Kitty aus Anna Karenina. Ich mag, wie es ihr gelingt, das Leben nicht als Problem zu betrachten, sondern es ohne Drama und Komplikationen zu nehmen. Ich bewundere solche Leute, die wirft nichts aus der Bahn.

Drew Barrymore: “Du legst dich zum Essen auf die Couch? Ich liebe dich, du bist großartig”
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Barrymore: Ich bin auf Seite sechshundertirgend­was bei dem Buch. Wie es aussieht, ist es die größte Herausforderung meines Lebens, es zu beenden.

Lawrence: Du liest es gerade?

Barrymore: Ich lese gerade fünf Bücher, und das ist eines davon. Ich hatte schon davon gehört, dass es ei­nes deiner Lieblingsbücher ist. Aber mach weiter: Welche männliche Figur möchtest du sein?

Lawrence: Schwierig. Vielleicht irgendjemand aus einem Buch von Hunter S. Thompson, aber dann wäre ich jeden Tag betrunken, und ich weiß nicht, ob ich das wirklich will. Tut mir leid, mir fällt nichts ein – und egal wen ich nenne, es wird mich bis an mein Le­bensende verfolgen. Meine Antwort sollte also nicht zu blöd sein, was es nicht gerade leichter macht. Wer würdest du denn gerne sein?

Barrymore: Ich? Keine Ahnung!

Lawrence: …siehste! Mir fallen nur Figuren ein, die ich nicht sein möchte. Und Jesus. Und vielleicht Ross aus Friends. Ja, das ist mein letztes Wort: Ich wäre gern Jesus und Ross aus Friends.

Barrymore: Nächste Frage: Tag oder Nacht?

Lawrence: Tag, weil ich Angst vor Gespenstern habe. Erst gestern, als ich ein neues Zimmer im Hotel bezogen habe, war ich fest davon überzeugt, dass ich mein Gesicht nicht waschen sollte, weil ich, wenn ich in den Spiegel blicke, ein Gespenst hinter mir ent­decken würde. Und dann musste ich das ganze Hotel­zimmer nach Gespensterspuren absuchen.

Barrymore: Vielleicht solltest du dich erst schlafen legen, wenn die Sonne aufgeht.

Lawrence: Ja, Sonnenstrahlen sind immer eine Er­leichterung: Ein neuer Tag, an dem ich nicht von ei­nem Gespenst ermordet werden kann!

Barrymore: Darf ich fragen, seit wann dich diese Angst vor Gespenstern begleitet?

Lawrence: Schon immer. Ich muss dazu sagen, dass ich die Vorstellungskraft von Leuten habe, die man als verrückt bezeichnet. Immer wenn ich Menschen auf der Straße sehe, die herumschreien und wirres Zeug reden, bin ich voller Verständnis. Ihr Verhalten kommt mir absolut sinnvoll vor.

Top: Reed Krakoff ; Schmuck: Harry Winston | Foto: Matthias Vriens-McGrath | Styling: Elizabeth Stewart

Barrymore: Q­tip oder Kleenex?

Lawrence: Q­tip.

Barrymore: Genau, damit kommt man besser …

Lawrence: …in die Öffnungen, total. Ich bin ein Stecher und kein Wischer.

Barrymore: (kreischt) Steak oder Fisch?

Lawrence: Steak.

Barrymore: Wenn du etwas erfinden könntest, was würde es sein?

Lawrence: Du wirst es nicht glauben, aber beson­ders morgens, wenn ich aufwache, fallen mir ganz wunderbare Dinge ein, die man dringend erfinden sollte. Zum Beispiel eine Geschirrspülmaschine, die es schafft, die sauberen Teller wieder in den Schrank zu stellen. Immer wenn ich bei der Arbeit bin und dann an das Geschirr in der Geschirrspülmaschine denke, bekomme ich eine spontane Depression.

Barrymore: Aus irgendeinem unerklärlichen Grund ist es besser, das schmutzige Geschirr einzuräumen, als das saubere Geschirr auszuräumen.

Lawrence: Oh, und was schon seit meiner Schulzeit ganz oben auf der Liste der absolut notwendigen Er­findungen steht, ist der Furzfilter, der sowohl den Ge­ruch als auch die Geräusche filtert.

Barrymore: Ach Jennifer, du bist toll… Auf wen kannst du dich verlassen?

Lawrence: Meine Mutter, obwohl ich mich die gan­ze Zeit mit ihr streite. Schon ab dem Moment, wenn sie am Telefon Hallo sagt, geht sie mir auf die Nerven. Aber ich rufe sie ständig an, egal ob etwas Gutes oder etwas Schlechtes passiert ist. Und dann überlege ich, ob ich wohl nie von ihr loskommen werde. Sie ist großartig. Und auf meinen Vater kann ich mich natür­lich auch verlassen; mit ihm streite ich mich übrigens niemals. Aber am meisten verlasse ich mich auf meine Brüder. Sie kennen mich am besten, ich glaube, dass sie mich noch niemals angelogen haben.

Barrymore: Toll …

Lawrence: …gleichzeitig sind sie aber auch immer sehr gemein zu mir. Kennst du das, wenn jemand etwas ganz Gemeines zu dir sagt wie: „Dein Haar sieht echt scheiße aus!“, und du dachtest, du hättest einen echten Freund gefunden? So ist es mit meinen Brüdern.

Jennifer Lawrence: “Wenn ich meinen ersten richtig großen Scheck bekomme, bade ich in einem Swimmingpool voller Pasta”
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Barrymore: Wenn du auf Reisen bist, veranstaltest du dann a) ein großes Chaos im Hotelzimmer? Oder machst du es dir b) richtig schön gemütlich? Oder lässt du c) die meisten deiner Sachen lieber im Koffer?

Lawrence: Ich lasse die Sachen im Koffer. Nur wenn ich gerade einen Film drehe, dann stelle ich mir ein paar Fotos und solche Sachen auf den Nachttisch. Eigentlich ist es so, dass ich gleichzeitig unfassbar chaotisch bin, aber auch zwanghaft ordentlich. Wes­halb ich meistens erst ein schreckliches Durcheinan­der anrichte und davon derart genervt bin, dass ich alles wieder aufräumen und putzen muss.

Barrymore: Du hast noch eine Woche zu leben – wie gehst du damit um?

Lawrence: Ich würde all die Sachen machen, die ich schon seit Ewigkeiten vor mir herschiebe, vorzugs­weise Dinge, vor denen ich Angst habe, weil sie ir­gendwie gefährlich sind: Base­-Jumping, Fallschirm­springen, solche Sachen. Ich würde reisen, obwohl dazu eigentlich kaum Zeit bleibt; ich habe ja nur eine Woche. Natürlich würde ich viel essen. Und ich wür­de zu meiner Familie nach Kentucky fahren.

Barrymore: Aber da du ja noch ein langes, glück­liches Leben vor dir hast, möchte ich jetzt von dir wis­sen, was du tun würdest, wenn du nicht schauspielern würdest.

Lawrence: Ich will natürlich Filme produzieren und Regie führen, aber das sind langweilige Antworten, weil das ja Tätigkeiten sind, die zur Filmindustrie ge­hören. Abgesehen davon, wäre ich gerne Mutter. Schon als Baby wollte ich immer Babys haben – das ist zwar auch eine langweilige Antwort, aber so ist es.

Barrymore: Die Antwort ist überhaupt nicht lang­weilig – zumal Regie führen und Mutter sein zwei durchaus verwandte Tätigkeiten sind. Ich bin mir si­cher, du wärst in beiden Bereichen großartig.

Lawrence: Meine Güte, Drew, sag doch nicht im­mer solche Sachen. Wenn dieses Interview vorüber ist, werde ich ganz aufgeplustert durch die Gegend laufen und sagen: „Hey, Leute, seid ihr bereit, euch in mich zu verlieben?“

Barrymore: Bist du jemand, dem es immer zu warm ist, oder bist du jemand, der friert?

Lawrence: Immer zu kalt – das wird man mir wahr­scheinlich auf den Grabstein meißeln. Meine Füße sind immer kalt, es ist schrecklich, sie sind so kalt wie eine Leiche. Und meine Hände auch.

Barrymore: Wenn ein Typ den Raum betritt, was könnte er tun, um deine Aufmerksamkeit zu bekom­men?

Lawrence: Lächeln, würde ich sagen. Aber nicht dieses professionelle Lächeln, dieses Schau­-mal-­wie­-ich-lächeln-kann-Lächeln, sondern er müsste auf eine süße und bescheidene Weise lächeln. Und Blickkontakt aufnehmen. Blickkontakt ist wichtig.

Barrymore: Was sollte er auf keinen Fall tragen?

Lawrence: Eine falsch herum aufgesetzte Baseballkappe und altersunangemessene T-Shirts, solche, die einem zu verstehen geben sollen: „Hey, ich bin noch cool, ich kann das noch tragen!“ Und man denkt: Nee, richtig cool bist du leider nicht!

Barrymore: Ich hege eine starke Abneigung gegen Männer, die weiße Turnschuhe tragen …

Lawrence: … oh je, Großmutterschuhe …

Barrymore: … ja, ich meine jetzt keine Adidas-Modelle aus den 80ern, sondern diese bequemen, sportlichen – entsetzlich. Okay, nächste Frage: Wie sollte ein Typ dich um ein Date bitten?

Lawrence: Selbstbewusst und lustig, so, als sei das Ganze ein Witz. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich mit zwei Brüdern aufgewachsen bin. Wenn jemand versucht, auch nur ansatzweise romantisch zu sein, muss ich sofort losprusten. Ich liege sofort vor Lachen auf dem Boden, wenn jemand „Jennifer, du bist so wunderschön“ oder solche Sachen sagt – und das macht ja keinen guten Eindruck.

Barrymore: Zum Glück haben wir zumindest in der Angelegenheit keine Gemeinsamkeiten. Stell dir vor, du sitzt im Kino und du siehst einen Film und du könntest zur Leinwand gehen und in dem Film mitspielen, so wie in Woody Allens Purple Rose Of Cairo – welcher Film wäre das?

Lawrence: Du stellst Fragen… Da fällt mir Midnight In Paris ein, aber wahrscheinlich nur, weil du Woody Allen erwähnt hast. Aber das Erste, was mir einfiel, war Bridget Jones

Barrymore: Was?

Lawrence: Neulich wurde ich gefragt, wen ich gern einmal interviewen würde, und die Person, die mir sofort in den Sinn kam, war Hulk Hogan. Manchmal denke ich, dass ich besonders tiefsinnige und künstlerisch wertvolle Antworten parat haben sollte, aber die Wahrheit ist, dass ich gerne Bridget Jones wäre und mich für Hulk Hogan interessiere. Aber Midnight In Paris wäre auch eine Option.

Barrymore: Mein Lieblingsfilm des vergangenen Jahres.

Lawrence: Meiner auch.

Barrymore: Weil er so klug war. Weil er ja eigentlich davon erzählt, dass man die Vergangenheit nicht romantisieren sollte, sondern den Mut aufbringen muss, in der Gegenwart zu leben. Manchmal sieht man Filme, die einem eine wichtige Lektion erteilen. Wie Midnight In Paris. Oder Oben.

Lawrence: Ach, Oben. Drew, jetzt habe ich mich auch in dich verliebt. Oben war so großartig, ich habe den gesamten Film über geweint.

Barrymore: Wer ist die Liebe deines Lebens?

Lawrence: Ich weiß nicht; ich glaube, ich bin zu dumm und zu jung, um zu wissen, wer die Liebe meines Lebens ist. Wahrscheinlich habe ich sie noch nicht gefunden.

Barrymore: Würdest du dich für fünf Minuten auf eine grausame, großartige und rücksichtslose Weise durchkitzeln lassen, oder würdest du lieber nackt mit verbundenen Augen eine unbekannte Straße entlanggehen.

Lawrence: Nackt mit verbundenen Augen die Straße entlanggehen. Ich hasse es, gekitzelt zu werden.

Barrymore: Es ist schrecklich.

Lawrence: Grauenhaft. Aber nackt eine Straße entlangzugehen, kein Problem. Zu Hause laufe ich ohnehin ständig nackt herum. Und wenn meine Augen dabei noch verbunden sind, bekomme ich ja nicht einmal mit, wer mir dabei zuschaut.

Barrymore: Was ist deine Lieblingsfarbe?

Lawrence: Es kommt darauf an, wo sie drauf ist. Handelt es sich um eine Wand oder ein Auto oder ein Haus? Vielleicht tiefes, dunkles Purpur. Immer, wenn ich Kosmetik kaufe, greife ich zu Cremes in purpurnen Töpfchen.

Barrymore: Wenn du dich für ein Gericht entscheiden müsstest, das du das ganze Jahr vorgesetzt bekommst, welches würde es sein?

Lawrence: Chicken fried rice mit viel Sojasauce.

Barrymore: Mit ganz viel Sojasauce, damit man am nächsten Morgen so richtig schön aufgedunsen auf- wacht.

Lawrence: Oh ja, davon habe ich gelesen. Bei dir daheim gibt es eine Tradition, jeden Sonntagabend chinesisch zu essen, und zwar mit viel Sojasauce. Davon würde man zwar aufgedunsen aufwachen, aber das sei es wert.

Barrymore: Absolut.

Jennifer Lawrence: “Zu Hause laufe ich ohnehin ständig nackt herum”
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Lawrence: Ich hab mich gestern mit Cheetos vollgestopft, und dann meinte jemand: „Oh je, das musst du dir morgen aber wieder runtertrainieren.“ Und ich meinte nur: „Das ist mir doch egal, das Zeug schmeckt köstlich.“ Wie heißt es doch gleich? Für einen Moment auf den Lippen, aber ein Leben lang auf den Hüften. Aber was soll man machen, wenn der Moment so großartig ist?

BarryMore: In welchem anderen Land könntest du dir vorstellen, für ein Jahr zu leben?

Lawrence: England. Ich weiß, dass das nicht allzu abenteuerlustig klingt. Aber ich fühle mich da einfach sehr wohl. Aber ich war noch nie in Griechenland oder Indien, da würde ich gern mal hin.

Barrymore: Indien ist toll.

Lawrence: Okay, dann gehe ich nach Indien.

Barrymore: Von welchem Maler, tot oder lebendig, würdest du dich porträtieren lassen?

Lawrence: Picasso wäre wahrscheinlich lustig, aber bei Rembrandt wären die Schatten interessanter. Rembrandt würde ich sagen.

Barrymore: Bei Rembrandt könntest du auch alles essen, was du wolltest, du würdest immer fantastisch aussehen.

Lawrence: Ein Traum: Cheetos essen und hübsch sein.

Barrymore: Und jetzt meine letzte Frage: Zahnlücke oder Sommersprossen?

Lawrence: Schwierig. Aber weil ich Zähne mag: Zahnlücke. Erst heute morgen habe ich zu jemanden gesagt, dass ich krumme, große Zähne super finde, Zähne, die eigentlich zu groß für den Mund sind.

Barrymore: Meine Güte, das war toll. Ich werde jetzt beschwingt und zufrieden zurück in meinen Gemüsegarten gehen und die ganze Zeit lächeln.

Lawrence: Und ich gehe jetzt in die Mall of America, ebenfalls lächelnd; das war ganz, ganz großartig.

Credits:

Hair: Lona Vigi/The Magnet Agency | Make-Up Matthew Van Leeuwen/ The Magnet Agency

Styling Assistants: Katie Bofshever & Jonathan Lawhorne | Thanks to Focus Studio

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