JUSTIN BIEBER
im Interview!

Vom ersten Geld lud er seine Mum nach Disney World ein – und da stand er mit seiner Gitarre noch auf der Straße. Dem Auf und Ab der Achterbahn ist der Teeniestar treu geblieben: Mal sind es Schlagzeilen (Affe am Zoll, Puff in Rio, Schläge auf Ibiza), die Bieber wie einen menschlichen Autounfall wirken lassen, dann ist es seine Musik (und der Drang, sein T-Shirt bei jedweder Gelegenheit fallen zu lassen), die die Beliebers bei Laune halten: Langweilig wird es mit Justin jedenfalls nie: 1/2 wild, half child = Doppelyeah!


Von Martha Stewart
Fotos Steven Klein
Styling Karl Templer


Er war der Junge, der in einer kanadischen Kleinstadt groß wurde und sein Taschengeld als Straßenmusiker verdiente, heute ist er 21 Jahre alt und spielt in ausverkauften Hallen in aller Welt. Er lebt den kollektiven Traum – falls der Traum davon handelt, auf einem Meer voller Geld Jetski zu fahren: mit Models ausgehen, selbst als Unterwäschemodel zu arbeiten, Körbe mit Kanye westwärts werfen. Allerdings ist es nicht so, dass Bieber sich der Fallstricke des Ruhms nicht bewusst wäre. Im März stellte er sich zur allgemeinen Belustigung bei Roast auf Comedy Central dem Spott seiner Kollegen. Sie mussten sich nicht einmal Mühe geben, sein Image ins Lächerliche zu ziehen – Bieber ist jemand, der sogar seine Badehose auf Halbmast trägt und in einem kanariengelben Lamborghini Wettrennen auf den Straßen Miamis fährt. Die Roast-Gäste Snoop Dogg, Kevin Hart und Martha Stewart werden ihren Spaß gehabt haben. Und Stewart, Amerikas unangefochtene Hauswirtschaftskönigin, konnte ihren Spaß sogar verlängern, indem sie Bieber für uns interviewte.



Martha Stewart: Hi. Wie geht’s? Nimmst du gerade auf?

Justin Bieber: Ich bin im Studio, ja.

STEWART: Wie toll. Es hat wirklich Spaß mit dir gemacht bei The Roast. Wir waren die Reaktionen?

BIEBER: Meiner Meinung nach großartig. Noch immer kommen ständig Leute auf mich zu und sagen, dass sie es super fanden.

STEWART: Ich fand, dass du dich erstaunlich gut geschlagen hast.

BIEBER: Danke, es bedeutet mir viel, dass du das sagst.

STEWART: Gern. Hast du dich während der Sendung manchmal unwohl gefühlt?

BIEBER: Ja, na klar! Aber alles in allem war es ein Spaß. Ich kannte ja auch viele Leute, die haben es nicht böse mit mir gemeint.

STEWART: Ich glaube, die Situation war für uns alle ein wenig unangenehm (lacht). Erinnerst du dich daran, wie wir uns das erste Mal begegnet sind? Es war im Februar 2011. Du warst zusammen mit deiner Mutter da, und wir waren Backstage. Weißt du noch, wo wir waren?

BIEBER: Ich kann mich nicht mehr erinnern.

STEWART: Das war bei David Letterman.

BIEBER: Oh yeah!

STEWART: Ich habe noch ein Foto von uns. Deine Mutter steht in der Mitte, und du siehst aus, als ob du erst zehn oder so bist. Aber du musst damals schon 16, 17 gewesen sein, es ist ja erst vier Jahre her.

BIEBER: Ja, das Erwachsenwerden kam bei mir erst ziemlich spät.

STEWART: Und in den vergangenen Jahren ist bei dir so viel passiert. Du bist jetzt 21, und ich würde sagen, dass du inzwischen ziemlich sophisticated bist. Du warst dieses Jahr beim Met Ball. Wie war das?

BIEBER: Das war toll. Wir haben viele großartige Leute getroffen.

STEWART: Hattest du ein Date?

BIEBER: Nein, hatte ich nicht. Aber ich habe für ein paar Minuten mit Anna Wintour geredet. Wir haben uns über Mode unterhalten, und ich habe mich bedankt, dass sie mich eingeladen hat. Denn bei der Veranstaltung brauchte man eine Einladung. Die Liste der Leute, die eingeladen sind, ist nicht besonders lang. Also mit all diesen Leuten unter einem Dach zu sein …

STEWART: Weißt du noch, von welchem Designer dein Jackett war?

BIEBER: Von Balmain. Und eigentlich, wenn man es genau nimmt, hatte ich doch ein Date. Es war kein Mädchen, mein Date war Olivier Rousteing, der Designer von Balmain.

STEWART: Ach, es war Olivier. Und ich hatte gehofft, dass du mich fragen würdest, ob ich dein Date sein möchte (beide lachen).

BIEBER: Hätte ich gemacht.

STEWART: Ich hätte mein Balmain-Kleid getragen, aber egal. Wie war es eigentlich, in Ontario aufzuwachsen?

BIEBER: Meine Heimatstadt Stratford, Ontario, ist ziemlich ländlich, nur 30 000 Einwohner. Da gibt es jedes Jahr ein großes Festival. Leute aus aller Welt kommen, und ich habe damals immer auf der Straße Musik gemacht, Gitarre gespielt, gesungen, und Passanten haben mir dann Geld in den Koffer geworfen. Das hat echt Spaß gemacht. Und tatsächlich hatte ich irgendwann genug Geld zusammen, um meine Mutter nach Disney World in Florida einzuladen. Denn da wollte ich immer hin, aber wir hatten nie das Geld dafür. Ich habe damals auch viel Sport gemacht, Hockey und Basketball und Fußball.

Justin Bieber: “Ich habe damals auf der Straße Musik gemacht, und Passanten haben mir dann Geld in den Koffer geworfen”
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STEWART: Wann wusstest du, dass Musik dein Ding sein würde?

BIEBER: Ehrlich gesagt war das nie etwas, was ich als Beruf machen wollte. Mit 13 denkt man über so etwas ja nicht einmal nach. Ich habe einfach aus Spaß Musik gemacht und davon Videos bei Youtube hochgeladen, weil ich wollte, dass meine Familie sie sieht. So hat mich Scooter dann gefunden.

STEWART: Wer waren damals deine Einflüsse?

BIEBER: Als Junge habe ich viel Michael Jackson gehört, Boyz II Men, und Mariah Carey habe ich verehrt. Einfach die großen Stimmen. Ich war das Kind, das angezogen hat, was es wollte, und gemacht hat, was es wollte. Und meine Mutter hat mich darin unterstützt. Deswegen habe ich immer zu Michael Jackson aufgeschaut, weil er nie Angst hatte, einfach er selbst zu sein, nie versucht hat, eine Person darzustellen, die er nicht war.

STEWART: Und wie hat Scooter dich kontaktiert?

BIEBER: Eigentlich hat er mich gestalkt, wenn man es genau nimmt. Er hat Kontakt zu einer Reihe von Leuten in Stratford aufgenommen, weil er nicht wusste, wie er an mich rankommen sollte. Der Nachname meiner Mutter ist Mallette, und mein Nachname ist ja Bieber, weswegen er zuerst mit meiner Großtante gesprochen hat, die ich aber gar nicht kannte. Dann hat er es über die Schulbehörde versucht, und meine Mutter hat jede Menge Nachrichten bekommen, dass ein Typ namens Scooter mit ihr sprechen wolle. Nach einer Weile fand sie die Sache natürlich seltsam, weswegen sie ihn dann angerufen hat, um ihm zu sagen, dass er damit aufhören soll. Sie haben dann zwei Stunden miteinander gesprochen. Sie blieben in Kontakt, und schließlich haben wir ihn in Atlanta besucht, um ihn uns anzuschauen und herauszufinden, was es mit den Verbindungen, von denen er sprach, auf sich hat.

STEWART: Er hat dich dann dazu ermuntert, dein erstes Album aufzunehmen. Hattest du vorher je darüber nachgedacht, oder war das etwas ganz Neues und Aufregendes für dich?

BIEBER: Nein, ich hatte von all dem ja gar keine Ahnung. Aber als Scooter zu uns Kontakt aufnahm, dämmerte es mir langsam: „Vielleicht könnte das mein Leben sein, mein Beruf: Musik machen und um die Welt reisen.“ Meine Begeisterung stieg. Und als ich nach Atlanta zog, traf ich Usher …

STEWART: Hast du die Schule abgebrochen?

BIEBER: Nein, ich habe die Highschool mit Bestnote abgeschlossen, mit 4.0 GPA.

STEWART: Hast du, okay. Und 2010 kam My World 2.0 raus und Baby ging auf Platin. Das muss ziemlich aufregend gewesen sein. Du hattest plötzlich dein Leben verändert.

BIEBER: Ja, hab ich. Ich bin von Stratford nach Atlanta gezogen und habe auch gleich Usher kennengelernt. Die Beziehung war für mich die Plattform, um, nun ja, im Grunde alles tun zu können. Er nahm mich unter Vertrag, er rief mit mir bei all den Radiosendern an und überzeugte sie davon, an mich zu glauben. Von Anfang an arbeiteten wir mit großartigen Leuten zusammen. Baby haben wir als erste Single veröffentlicht, und wie du sagst, gab es Platin dafür.

STEWART: Wo hängt die Platin-Single?

BIEBER: Ich glaube bei meiner Oma in Stratford.

STEWART: Sie muss sehr stolz sein.

BIEBER: Ja, ihr ganzer Keller ist voll mit Urkunden und Zeugs. Das sammelte sie schon, bevor ich berühmt wurde. Wenn ich zum Beispiel in der Schule beim Sport was gewonnen habe oder so.

STEWART: Was ist dein bevorzugtes Verkehrsmittel?

BIEBER: Wahrscheinlich der Privatjet. Damit geht es am schnellsten und komfortabelsten.

STEWART: Besitzt du einen Privatjet?

BIEBER: Nein, aber in meiner Freizeit leihe ich mir gern einen.

STEWART: Weißt du, wie man fliegt?

BIEBER: Ja. Als ich in Coachella war, bin ich selbst geflogen.

STEWART: Das macht Spaß, oder?

BIEBER: Ja, ist aber auch ziemlich beängstigend.

STEWART: Wie sieht es mit Autos aus? Du bist ein Autotyp, oder?

BIEBER: Ich liebe Autos. Ich habe einen Ferrari.

STEWART: Welche Farbe?

BIEBER: Rot. Und dann habe ich einen Audi R8, der mattschwarz ist. Und einen Range Rover und einen Maybach.

Justin Bieber: “Man geht ja immer durch eine Phase, wo es nicht so richtig läuft, und dann, auf einmal – bäm, bäm, bäm! – hast du alles auf Linie ”
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STEWART: Du hast einen Maybach? Mein Traumauto. Sitzt du darin vorn oder auf dem Rücksitz?

BIEBER: Auf dem Rücksitz.

STEWART: Ist das nicht fantastisch?

BIEBER: Es ist super. Man gleitet darin praktisch über die Straße.

STEWART: Und wo stehen die Autos?

BIEBER: Mir gehören Anteile von West Coast Customs. Das ist eine Werkstatt hier in L. A., die sich um besondere Autos kümmert. Wenn ich meine Wagen gerade nicht benutze, stehen die bei denen in der Ausstellung rum. Das ist auch gut fürs Geschäft. Außerdem lasse ich immer gern an meinen Autos rumschrauben. Sie einfach dorthin bringen zu können, den Leuten zu sagen, wo man hier und da noch etwas verbessern könnte, und hinterher nicht dafür zahlen zu müssen, weil einem der Laden gehört, ist ziemlich cool.

STEWART: Das ist sehr cool. Hast du noch andere Investitionen?

BIEBER: Viel Silicon-Valley-Kram.

STEWART: So wie Facebook.

BIEBER: Viele verschiedene Sachen, über die ich aber nicht sprechen kann, weil wir wollen, dass sie privat bleiben.

STEWART: Was interessiert dich daran?

BIEBER: Im Grunde nur der Umstand, dass die Gewinne so groß sind. Wir haben jemanden, der in dem Bereich ziemlich clever ist und uns hilft herauszufinden, was demnächst durch die Decke geht … Keine Ahnung, ich mag diesen Technikkram einfach.

STEWART: Nutzt du selbst Social Media?

BIEBER: Ja, mache ich, klar.

STEWART: Was nutzt du am liebsten?

BIEBER: Ich habe gerade den Start einer App unterstützt, die Shots heißt. Das ist eine Selfie-App. Man kann Bilder posten, aber es gibt keine Kommentarfunktion und keinen Dislike-Button. Ein Haufen Promis nutzen sie, es ist eine ziemlich sichere Plattform. Shots ist derzeit eine der am schnellsten wachsenden Apps. Und Twitter nutze ich schon von Anfang an, Instagram auch. Und kürzlich habe ich mit Snapchat angefangen, im Moment bin ich danach süchtig.

STEWART: Snapchat funktioniert super.

BIEBER: Ich wünschte, ich hätte es früher für mich entdeckt.

STEWART: Erzähl uns, woran du gerade arbeitest!

BIEBER: Das neue Album wird super. Ich arbeite viel mit Skrillex und Diplo und diesem Typen namens Poo Bear. Wir haben gerade unseren Groove gefunden. Man geht ja immer durch eine Phase, wo es noch nicht so richtig läuft und die Ideen nicht kommen und dann, auf einmal – bäm, bäm, bäm! – hast du alles auf Linie. Ich bin im Moment jedenfalls richtig froh, meine Musik bald mit der Welt zu teilen.

STEWART: Welche Instrumente hört man auf dem Album?

BIEBER: Nun, eigentlich alle Instrumente. Wir haben Bass, wir haben Schlagzeug und Gitarre und Keyboard.

STEWART: Singst und spielst du?

BIEBER: Na klar. Ich spiele Schlagzeug und Gitarre. Am besten spiele ich definitiv Schlagzeug, weshalb von mir viel Schlagzeug auf dem Album ist. Es klingt ziemlich futuristisch. Skrillex surft gerade auf einer neuen Welle und hat einen Weg gefunden, meinen Gesang zu nehmen und ihn zu mixen und mit ihm zu spielen. Ihn höher zu pitchen und ihn mit diesen Effekten zu kombinieren, die sich total futuristisch anhören. Wir haben eine gute Chemie.

STEWART: Nachdem ich alte Aufnahmen von dir auf Youtube gesehen habe, kam mir die Idee, meinem Enkel zu seinem dritten Geburtstag ein Kinderschlagzeug von Ludwig zu schenken.

BIEBER: Toll!

STEWART: Das ist so süß! Was war dein erstes Instrument? War das auch ein Schlagzeug?

BIEBER: Ja, weil es so einfach ist. Kinder können ja auf allem herumschlagen. Wenn man ihnen eine Gitarre gibt, verwirrt es sie nur. So viele Saiten und man muss sie auf bestimmte Weise greifen. Das Schlagzeug ist das perfekte erste Instrument.

STEWART: Ist dein neues Album romantisch?

BIEBER: Es ist vor allem sehr persönlich. Die Leute werden in der Lage sein, in mein Herz zu schauen. Es geht um meine Reise durchs Leben – die Dinge, die ich erlebt habe. Vielleicht können die Leute dadurch etwas lernen.

STEWART: Hört sich gut an. Hört sich an, als ginge es dir wirklich gut. Was isst du gern?

BIEBER: Ich liebe gegrillten Lachs und Stampfkartoffeln.

STEWART: Einfaches Essen also.

BIEBER: In letzter Zeit habe ich mich sehr gesund ernährt, gegrillten Lachs, viel Steak und Hühnchenbrust und solche Sachen.

STEWART: Was trinkst du?

BIEBER: 1942 Tequila.

STEWART: Aha, du bist ein Tequila-Junge. Das ist gut. Hast du schon mal diese edlen Schlürf-Tequilas probiert?

BIEBER: Nein, noch nicht. Die hat man mir noch nicht gezeigt.

STEWART: Kochst du selbst?

BIEBER: Ich mache Frühstück, aber das war es auch schon.

STEWART: Für dich selbst oder für deine Freundin?

BIEBER: Für mich selbst oder wenn ich eine Freundin habe. Ich habe neulich Frühstück für meinen kleinen Bruder gemacht, ein paar Eier, Pancakes, Bacon, ganz simpel.

STEWART: Wer ist gerade deine Liebe?

BIEBER: Meine Liebe? Gerade ist mein kleiner Bruder meine Liebe. Er ist die nächste Woche bei mir zu Besuch. Also ist er meine Liebe.

STEWART: Keine Freundin?

BIEBER: Keine Freundin gerade, nein. Ich bin Single.

STEWART: Oh, aber jetzt, nach dem Interview wird dich jedes Mädchen in Amerika wollen. Wahrscheinlich wollen sie dich sowieso schon. Ich glaube, du hast zu große Auswahl.

BIEBER: Das glaube ich auch. Ich bin ein ziemlich glückliches Kerlchen.



Grooming FLORIDO BASALLO FOR DIOR HOMME

Propstyling BELLA SERRELL

Production OLIVER HICKS/NORTH SIX

Production Manager VIRGINIA RIDGERS/NORTH SIX

Digital Technician TADAAKI SHIBUYA

Photography Assistants ALEX LOCKETT, MARK LUCKASAVAGE, JAMES PERRY

Styling Assistants ALEKSANDRA KOJAND, AMANDA MERTEN