"Fotografie ist eine schöne Mischung aus Kunst und Kommerz!"

2001 gründete Kozva Rigaud ihre Künstleragentur Shotview. Heute vertritt sie die größten Fotografen und Stylisten im deutschsprachigen Raum.

Im Interview spricht die gebürtige Peruanerin über ihre Karriere, die Kreativszene und die Trends, denen die Fotografie unterlegen ist. 

INTERVIEW: New York, Wien, Berlin – wo fühlen Sie sich heute Zuhause?

RIGAUD: Ich bin Kosmopolit. Ich habe in vielen Ländern gelebt, ich habe ein Handy und einen Laptop und ich reise furchtbar gerne. Die Welt ist mein Zuhause.

INTERVIEW: Wie sind Sie auf die Idee gekommen Ihre Agentur Shotview zu gründen, bei der die besten Fotografen und Stylisten Deutschlands vertreten sind?

RIGAUD: Ich war früher Tänzerin, habe sehr lange in New York gelebt und mich immer schon für Fotografie interessiert. Dann habe ich angefangen parallel Ausstellungen zu organisieren, bei denen große Künstler mitgewirkt haben. Das Visuelle hat mich einfach schon immer interessiert. Irgendwann bin ich dann in den Vermarktungsbereich reingerutscht und habe das Tanzen aufgegeben. New York war eine sehr harte Schule.

Für mich ist die Fotografie einfach eine schöne Mischung aus Kunst und Kommerz. Das motivierte mich, meine eigene Agentur zu gründen. Glücklicherweise kannte ich schon viele Fotografen und durch meine Zeit als Kuratorin habe ich mich mehr und mehr mit der Fotografie auseinandergesetzt. Ich wusste also, dass die Geschichte der Fotografie an anderen Orten, wie in den USA oder in Paris, schon sehr lange existierte. Diese Form der Fotografie im deutschsprachigen Raum noch stärker hervor zu bringen und zu gewichten, hat mich unglaublich gereizt. Aber es war sehr schwierig am Anfang.

 

Kozva Rigaud: “New York war eine sehr harte Schule. ”
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INTERVIEW: Die Deutschen sind anfangs auch immer eher skeptisch.

RIGAUD: Absolut. Deshalb war der Sitz meiner Agentur anfangs in Wien, es gab ja im deutschsprachigen Raum keine Plattform für mich und meine kommerzielle Fotografie. Die Pariser und Londoner hatten bereits viel Akzeptanz für die Mischung aus Kunst und Kommerz und Gott sei Dank hat sich irgendwann auch der deutsche Markt etwas etabliert. Es sind viele Kampagnen entstanden und immer mehr Magazine erschienen. Auf einmal rief uns die Süddeutsche Zeitung und Die Zeit an, und ja, so fing das alles an.

INTERVIEW: Gibt es eine Produktion am Anfang Ihrer Karriere, die Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben ist?

RIGAUD: Ich erinnere mich an die Alexander McQueen Eye-Wear Kampagne, der ein Layout von Jean Paul Gaultier vorlag, vor dem ich großen Respekt habe. Es war für mich eine einzigartige Situation, weil ich noch nie mit einem solchen Designer und einer Frau wie Grace Jones zusammenarbeiten durfte. Die Kampagne wurde später auf Festivals prämiert. Für mich war die Verbindung mit Jean Paul Gaultier und das Aufgabengebiet sehr interessant. Vielleicht nicht die aufregendste, aber eine der schönsten Kampagnen.

INTERVIEW: Sie haben in den dreizehn Jahren mit Shotview einiges erreicht. Wo soll es in Zukunft hingehen?

RIGAUD: Ich würde gerne die visuellen Medien noch stärker etablieren. Ich könnte mit der Agentur noch viel mehr Sparten bedienen – das mache ich momentan nicht, weil ich mich nicht verzetteln möchte. Ich bin jemand, der ganz konsequent an einer Sache arbeitet. Fotografie sollte in einer ganz anderen Art erlebt werden, nicht nur übers Internet, Instagram und Facebook, sondern mit einer wirklichen Bedeutung. Ich finde es toll, wenn Bilder und allgemein das Visuelle eine Geschichte erzählen. Das ist ein Traum von mir, ein Projekt in diese Richtung zu starten.

INTERVIEW: Glauben Sie, dass in den Zeiten von Internet und Instagram, wodurch oft auch das Copyright verloren geht, die Fotografie an Wert verloren hat?

RIGAUD: Ich glaube, wo ein Trend ist, ist auch ein Gegentrend. Im Moment gibt es eine Überflutung an Fotomaterial, dadurch entsteht zum Beispiel auch das Copyright-Problem. Jeder kann sich beliebig viel und oft an den ganzen Fotos bedienen und sie weiter verwenden. Aber ich sehe es wie in der Mode: Gute Designer werden immer mehr geschätzt, als flüchtige Trends. Die Leute, die auf gutes Fotomaterial angewiesen sind, sprich Werbeagenturen, greifen definitiv auf das „Wertvolle“ zurück.

INTERVIEW: Gibt es gerade ein Trend in der Fotografie, den Sie beobachten?

RIGAUD: Ich glaube die heutige Fotografie hat die Rolle des Fotografen verändert. Zum einen tritt er als Experte auf, zum anderen als Generalist, was seine Ideen und Gedanken betrifft. Ihm wird sehr viel mehr abverlangt als noch vor zwei Jahrzehnten und er muss sich stets behaupten. Ich habe die Vermutung, dass es konzeptioneller werden und der Fotograf definitiv noch mehr als Art Director fungieren wird.

Kozva Rigaud: “Die heutige Fotografie hat die Rolle des Fotografen verändert. ”
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INTERVIEW: Wie wählen Sie die Fotografen aus, mit denen Sie zusammen arbeiten?

RIGAUD: Die Arbeit muss mich faszinieren und ich möchte das Potenzial sehen. Aber vor allem ist mir der Mensch, der hinter der Kamera steht, wichtig. Es hat viel mit menschlichen Komponenten zutun und ob man auf derselben Wellenlänge ist, schließlich geht man eine Art Beziehung ein und man muss sich aufeinander einlassen und abstimmen. Der Mensch selbst ist der entscheidende Faktor.

INTERVIEW: Welchen Tipp würden Sie Jungfotografen geben?

RIGAUD: Ich denke, der eigene Stil ist sehr wichtig und das Reisen, es bringt einem die diversen Kulturen nahe. Aber vor allem ist es wichtig, seine eigene Identität zu finden. Fotografen werden immer wieder kopiert und sie wollen natürlich immer besser sein, als die Konkurrenz. Das kann sehr anstrengend sein, daher muss man für den Job Durchhaltevermögen und Disziplin beweisen und lieben, was man macht. Man sollte seinen Job als Hobby sehen, man muss sich immer wieder neu erfinden und darf nicht müde werden –  wie bei einem Marathonlauf.

 

Mehr Informationen zu Kozva Rigaud findet man online.

Von: Cloudy Zakrocki

 

04.11.2014 | Kategorie Interviews | Tags , , , ,