Lana

Als Lana Del Rey ansetzte, zur größten Youtube-Sensation seit Lady Gaga zu werden, ging das Geraune los: Stammt die junge Amerikanerin aus einem Trailer-Park oder ist sie die wohlbehütete Tochter eines Millionärs? (Beides) Sind die aufgespritzten Lippen falsch oder einfach nur echt zu groß? (Je nachdem) Fest steht: Alle lieben ihren Hit „Video Games“ und Lana Del Rey ist die neue Nummer eins des Pop. Ein Interview zum Mitsummen.

Da liegt sie. Hingestreckt auf ein raumgreifendes Sofa in ihrer Suite im Berliner Soho House: weißes Kleid mit Spitze, rote Chucks, spitze rote Fingernägel. Sie kuschelt sich ins Polster. Am Vorabend hat Lana Del Rey noch auf der Bühne gestanden, einige Lieder ihres neuen Albums Born To Die dargeboten und dabei so einwandfrei linkisch gewirkt, als gebe es nichts Unerfreulicheres, als vor Publikum zu singen. Dabei macht die 25-jährige Amerikanerin schon seit Jahren nichts anderes, erst unter ihrem bürgerlichen Namen Lizzy Grant, dann als Lana Del Rey. 2009 erschien ihr erstes Album Lana Del Ray a.k.a. Lizzy Grant, das aber schon nach wenigen Wochen ohne weitere Erklärung wieder vom Markt genommen wurde. Im Spätsommer 2011 dann tauchte bei Youtube der Clip zu ihrer sensationellen Single Video Games auf. Sie machte Lana Del Rey binnen kürzester Zeit zum Mädchen der Saison. Bis Jahresende hatte das Video über zwölf Millionen Klicks. Doch der schnelle Ruhm spornte auch die Kleinkrämer an, nach Unschärfen in Reys Vergangenheit zu suchen.

INTERVIEW: Wissen Sie noch, was Sie vergangenes Jahr um diese Zeit gemacht haben?

LANA DEL REY: Lassen Sie mich überlegen. Im Oktober hab ich Video Games geschrieben, das weiß ich noch. Es war irgendwie eine komische Zeit, weil ich noch nicht die Songs gefunden hatte, die das verkörperten, was mir vorschwebte. Als Songschreiber schreibt man ja nicht nur seine Songs; der Prozess des Schreibens ist auch eine endlose Suche, man streckt sich nach ihnen. Aber als Video Games fertig war, hatte ich das Gefühl, etwas gefunden zu haben. Also lag ich vor einem Jahr wahrscheinlich bei meinen Freunden auf der Couch herum und war glücklich.

INTERVIEW: Ahnten Sie, dass Video Games der Song sein würde, der Ihr Leben verändert?

DEL REY: Ich glaube schon. Aber von heute aus betrachtet, kommt es mir so vor, als wäre seither eine Ewigkeit vergangen. Als ich mit dem Song fertig war, bin ich zu meinen Freunden gegangen und sagte: „Ich habe gerade meinen besten Song geschrieben, er ist toll.“ Und die sagten: „Ach, das ist aber schön.“

INTERVIEW: Und wie lautete das Urteil Ihrer Freunde?

DEL REY: Die haben sich den Song da gar nicht angehört. Erst als er im Radio lief.

INTERVIEW: Wie ist es, die eigene Stimme im Radio zu hören?

DEL REY: Anders, als ich mir das vorgestellt habe. Es fühlt sich überhaupt nicht seltsam an. Komisch, oder?

INTERVIEW: Ja, irgendwie komisch.

DEL REY: Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich im Moment so viel zu tun habe. Ich bin ein wenig besorgt, dass ich die Dinge, die ich machen muss, nicht richtig mache. Das Album und so. Manchmal weiß ich gar nicht, wo ich mit meinen Gedanken bin.

INTERVIEW: An Songs dürfte es Ihnen nicht mangeln. Youtube ist praktisch voll davon. Und alle Songs haben ähnliche Videos. Es heißt, Sie hätten sie alle selbst gemacht.

DEL REY: Habe ich auch. Obwohl es eigentlich nur drei Videos gibt, die wirklich von mir sind. Der Rest stammt von anderen Leuten, die ich gar nicht kenne, die sind nicht offiziell. Ich produziere diese Art von Videos, seit ich 17 bin: Collagen von bewegten Bildern, die ich auf klassische Musik geschnitten habe. Irgendwann habe ich dann meine eigenen Songs unter die Videos gelegt und dann Bilder von mir da- zwischengeschnitten. Ich hab eigentlich nur so rum-experimentiert. Das war jedenfalls nichts, was ich mit Millionen von Menschen teilen wollte. Aber damit bin ich jetzt durch.

INTERVIEW: Ach.

DEL REY: Ich habe gerade mit dem Regisseur meiner Träume das Video zu Born To Die in Paris gedreht, Yoann Lemoine, er ist Franzose. Eigentlich war es von Anfang an mein Plan, meine Karriere etwas professioneller anzugehen. Nicht mit selbst gemachten Videos. Ich wollte nicht alles allein machen. Ich mag es, wenn mir viele Leute helfen.

INTERVIEW: Aber Ihre alten Videos sind doch perfekt. Jeder mag sie.

DEL REY: Na ja, nicht jeder. Nicht alle Reaktionen sind erfreulich. Aber das ist egal. Jetzt sind sie draußen, und es ist, wie es ist. Ich kann nichts mehr daran ändern.

INTERVIEW: Die Videos verströmen eine gewisse Sehnsucht nach einer Vergangenheit, die aber nicht Ihre ist. Dafür sind sie zu jung

DEL REY: Es ist meine Vergangenheit.


INTERVIEW: Wie das?


DEL REY: Ich habe altes Filmmaterial benutzt, weil mir gefällt, wie es aussieht. Ich mag die Textur und die Farben. Aber die Sehnsucht ist meine, und es ist keine Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit. Es ist nur… Es ist noch nicht einmal Sehnsucht. Es ist nur, dass ich darüber nachdenke, wie die Dinge einmal waren. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich heute unglücklich bin.

INTERVIEW: Was Sie erwähnen und zeigen sind James Dean und Marilyn Monroe.

DEL REY: Das kann nicht sein. Marilyn dürfte in keinem Video drin sein.


INTERVIEW: Na ja, bei Ihrer Bühnenshow gibt es Videos mit Marilyn zu sehen.

DEL REY: Okay, Marilyn ist auf der Bühne zu sehen.

INTERVIEW: Und Elvis auch.

DEL REY: Das liegt daran, dass Elvis mein Idol ist, er ist mein Mann.

INTERVIEW: Einer Ihrer Songs heißt Elvis.


DEL REY: Ich habe keine Ahnung, wo Sie den gehört haben.


INTERVIEW: Den gibt es bei Youtube. Dass ich den kenne, ist also nicht ganz so überraschend.

DEL REY: Den hab ich mit 16 geschrieben.

INTERVIEW: Ich mag den Song.


DEL REY: Ist nicht Ihr Ernst. Ich hab ihn damals in meinem Schlafzimmer aufgenommen, nur mit Gitarre und Gesang. Ich habe keine Ahnung, wo der Song ausgegraben wurde. Zehn Jahre lang hat den keiner gehört. Es ist seltsam. Aber davon abgesehen, muss ich sagen, dass mir das Lied auch sehr gut gefällt.

INTERVIEW: Es sollte auf dem Album drauf sein.

DEL REY: Ist es aber nicht. Weil das Lied ja auch niemand kennt. Nur Sie und ich.


INTERVIEW: Was hat es denn mit Elvis auf sich?

DEL REY: Ich liebe ihn, und zwar aus den richtigen Gründen. Er hat so ein schönes Gesicht und die Stimme eines Engels. Es geht weit über die Ikonografie hinaus, er war so talentiert.


INTERVIEW: Und ich dachte, in den Aufnahmen von James Dean, Marilyn Monroe und Elvis zeige sich Ihre Vorliebe für tragische Stars.

DEL REY: Ich weiß, dass es so aussieht, aber es geht mir nicht um Stars. Irgendwie wirkt es so, als stünden alle Quellen, bei denen ich mich bedient habe, für eine bestimmte Vergangenheit. Das war mir aber damals gar nicht so klar. Nun werde ich ständig danach gefragt. Ich dachte immer, dass meine Kunst von mir erzählt. Und jetzt finde ich heraus, dass sie offensichtlich von etwas ganz anderem handelt – und ich kann nicht einmal sagen, von was.

INTERVIEW: Was ist mit den Skatern in Ihren Videos? Fahren Sie selbst Skateboard?

DEL REY: Oh ja. Aber die Jungs in den Videos können es besser. Eigentlich hab ich für die Videos nur Material zusammengeschnitten, das mir gefiel. Es hat keine tiefere Bedeutung, es macht mir einfach nur Spaß. Und obwohl der Hollywood-Schriftzug, der auch häufig bei mir auftaucht, ein starkes Zeichen für mich ist, ist mir Hollywood an sich eigentlich nicht wichtig, wenn Sie verstehen, was ich meine. Die Filmindustrie ist mir egal.

INTERVIEW: Ist es nicht seltsam, dass immer nach einer Botschaft, einem tieferen Sinn gesucht wird?

DEL REY: Das ist mein Fehler, ich hatte mein Unterbewusstsein nicht im Griff.

INTERVIEW: Ist es nicht verständlich, dass Leute versuchen, sich von Ihnen ein Bild zu machen, zumal Sie zurzeit im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen?

DEL REY: Aber das Ergebnis hängt von den Entscheidungen ab, die man macht. Man darf nicht zu einer Karikatur seiner selbst werden.

Lana Del Rey: “Wenn Leute Schlechtes über mich sagen, macht es das nicht wahrer. Worüber soll ich mich also aufregen, es ist nicht real”
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INTERVIEW: In dem Song China Doll singen Sie „I think that I found God …“

DEL REY: (beginnt zu singen) „I think that I found God, in the flashbulbs of your pretty cameras …“

INTERVIEW: Exakt. Wenn es Ihnen also nicht um Ruhm und Hollywood geht, dann dürfte das eine dieser Songzeilen sein, die die Leute wahrscheinlich falsch verstehen.

DEL REY: Den Text hab ich geschrieben, um das Gefühl zu beschreiben, das man hat, wenn man Gott findet. Allerdings ist es nicht so, dass ich Gott in der Aufmerksamkeit anderer Leute gefunden hätte, sondern woanders … Ja, wahrscheinlich ist das missverständlich.

INTERVIEW: Aber?

DEL REY: Der Song beginnt mit der Zeile „Everything I want I have, money, notoriety and rivieras“. Denn ich hatte ja alles, was ich wollte. Und dann kam immer mehr dazu: ein paar materielle Dinge und ein wenig Erfolg. Aber ich habe das Glück und meine Idee von Gott bereits vor langer Zeit gefunden. Wenn ich so darüber nachdenke, hat der Text nicht sonderlich viel zu bedeuten. Ich habe einfach zwei Zeilen geschrieben, in denen sich das Wort „cameras“ auf das Wort „rivieras“ reimt. Mehr nicht. Auweia!

INTERVIEW: Wie finden Sie das – dass plötzlich alles, was Sie tun, mit Bedeutung aufgeladen wird?

DEL REY: Was soll ich sagen? So ist das eben.

INTERVIEW: Was Ihren Erfolg angeht, scheint die Öffentlichkeit gespalten zu sein. Es gibt grenzenlose Bewunderung und vehemente Ablehnung. Sie werden von Leuten gehasst, die Sie gar nicht kennen.

DEL REY: Ich kann wenig dagegen tun. Aber ich weiß, wer ich bin. Und ich weiß, dass ich in meinem Leben nichts getan habe, was andere dazu bringen könnte, mich nicht zu mögen. Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen. Ja, diese Ablehnung zu spüren ist seltsam, mehr aber auch nicht. Wenn Leute Schlechtes über mich sagen, macht es das nicht wahrer. Worüber soll ich mich also aufregen, es ist nicht real.

INTERVIEW: Es ist aber real, dass ein Image von Ihnen existiert, dass Sie kaum kontrollieren können. Ein Image, das nicht notwendigerweise viel mit Ihnen als Person zu tun haben muss. Das kann Ihnen doch nicht gleichgültig sein, zumal es noch so neu ist.

DEL REY: Es ist definitiv neu. Zwar gibt es schon seit vielen Jahren eine Gruppe von Leuten, mit denen ich eng zusammenarbeite, aber ich musste mir nie Gedanken darüber machen, wie ich auf andere Leute wirke. Ich war ja nur eine Songschreiberin und Sängerin in Brooklyn.

INTERVIEW: Sie sind in kleinen Clubs aufgetreten.

DEL REY: Ja, für meine Freunde und wer sonst noch so da war. Ich habe nie viel davon erwartet.

INTERVIEW: Und jetzt fragen sich zum Beispiel alle, ob es stimmt, dass Sie mit Hip-Hop aufgewachsen sind, wie Sie in Blue Jeans singen.

DEL REY: Ich bin mit Hip-Hop aufgewachsen. Meine Freunde und ich haben Eminem gehört, aber auch viele andere Sachen. Und der Typ, mit dem ich damals zusammen war und von dem ich in dem Song singe, der kam aus Kalifornien und hörte Surf- und Punkrock. Ein Gegensatz, der aber nur einen kleinen Teil unserer Beziehung ausmachte

INTERVIEW: Im Video sieht man den Rapper Tupac. Dabei meine ich, irgendwo gelesen zu haben, dass Sie Fan von Tupacs Erzrivalem Biggie Smalls sind.

DEL REY: Klar, ich bin New Yorkerin, und Biggie ist Eastcoast. Aber ich habe Tupac in meinem Video, weil Tupac die Energie der Beziehung, die ich mit meinem damaligen Freund hatte, besser wiedergibt. Die Beziehung war hart, der Typ war hart. Tupac hat diese Art von Härte ziemlich gut verkörpert. Was Hip-Hop angeht, bin ich eher auf der Seite von Biggie. Er hat den Flow.

INTERVIEW: Er hatte eine andere Haltung.

DEL REY: Biggie war natürlich auch ein Gangsta-Typ, doch er hatte auch eine sanfte Seite.

INTERVIEW: Dafür war Tupac niedlicher.

DEL REY: Schreiben Sie nicht, dass ich gesagt habe, dass Tupac niedlich ist. Das haben Sie gesagt.

INTERVIEW: Wollen wir kurz noch die anderen Stichworte abhandeln, mit denen man Sie gern in Verbindung bringt?


DEL REY: Gern.

INTERVIEW: David Lynch.

DEL REY: Ach ja, das bekomme ich ständig zu hören. Die Leute erkennen in meiner Musik irgendetwas, das sie an Twin Peaks erinnert. Das liegt wahrscheinlich daran, dass weder meine Songtexte noch seine Serie einer geradlinigen Erzählung folgen. Allerdings muss ich sagen, dass ich Twin Peaks gar nicht gesehen habe.

INTERVIEW: Ach?

DEL REY: Aber ich werde es nachholen, ich habe mir die Twin Peaks-Box besorgen lassen. Aber wenn ich von den Filmen ausgehe, die ich von Lynch kenne, muss ich sagen, dass seine Sachen ganz bewusst einen düsteren Unterton haben, während das Düstere bei mir eher aus der Sache heraus entsteht. Es ist organischer. Dabei versuche ich gar nicht, düster und schwermütig zu sein. Weil ich es viel lieber mag, wenn die Dinge gut ausgehen. Ich hoffe, dass meine Musik das vermittelt. Ich bin ja ein glücklicher Mensch, ein echter Sonnenschein. Und Lynch hat in seinen Filmen immer einen Haufen verkorksten Mist am Laufen… Nein, warten Sie, das ist jetzt kein besonders gutes Zitat. Ich weiß nicht: Lynch ist eigenartig.

INTERVIEW: Davon abgesehen würde ich Ihre Musik eher als traurig bezeichnen. Liegt es vielleicht daran, dass Trauer einen besseren Klang hat?

DEL REY: Nein.

INTERVIEW: Sie finden nicht, dass traurige Songs verführerischer und irgendwie einnehmender sind?

DEL REY: Nein. Ich hab ja schon gesagt, dass Elvis mein Lieblingssänger ist, und Elvis hatte nicht so viele traurige Lieder. Und Nirvana auch nicht.

INTERVIEW: Ach, kommen Sie …

DEL REY: Nirvana sind nicht traurig.

INTERVIEW: Doch, die sind auf jeden Fall traurig.

DEL REY: Okay, Sie haben recht. Ein bisschen traurig sind Nirvana schon. Aber wenn meine Songs traurig sind, dann liegt es daran, dass es einfach so passiert. Einfach so.

INTERVIEW: Nächstes Stichwort: Nancy Sinatra.

DEL REY: Das liegt an dem Begriff „Gangsta Nancy Sinatra“, der bleibt im Gedächtnis, daran kann man sich abarbeiten.

INTERVIEW: Sind Sie ein Gangsta-Typ?


LANA DEL REY: Ob ich gangsta bin? Na ja, es ist so, dass der Begriff von meiner Youtube-Seite stammt. Auf der hab ich in den letzten fünf Jahren alles Mögliche gepostet. Sachen wie „Gangsta Nancy Sinatra“, „Dope“, „Fuck You“, so Quatsch eben. In Interviews hab ich mich nie so bezeichnet. Doch als Video Games im Radio gespielt wurde, haben die Leute auf meiner Youtube-Seite nach Infos gesucht, den Begriff dort gefunden, und so kam er in die Welt. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch überhaupt nie mit jemandem von der Presse gesprochen.

INTERVIEW: Aber warum Nancy Sinatra?

DEL REY: Keine Ahnung. Ich glaube, dass ich überhaupt nur zwei Songs von ihr gehört habe. Die Musik von Frank kenne ich gut, über Nancy hingegen weiß ich eigentlich kaum was. Sie ist jedenfalls niemand, den ich als Vorbild bezeichnen würde.

INTERVIEW: Offenbar ist es so, dass Popstars nicht nur Songs brauchen, sondern auch eine Geschichte.

DEL REY: Vielleicht.

INTERVIEW: Können Sie damit leben, dass die Leute sich ihre eigene Geschichte von Ihnen schreiben?

DEL REY: Das weiß ich noch nicht.


INTERVIEW: Aber Sie unternehmen auch nichts dagegen.

DEL REY: Na ja, ich gebe Interviews. Das ist überhaupt der einzige Grund, warum ich Interviews akzeptiere. Sehen Sie, ich versuche zu tun, was ich tun kann, um mein Image zu kontrollieren. Aber wir leben im Zeitalter des Internets, meine Möglichkeiten sind begrenzt, das Bild zu beeinflussen, das sich die Menschen von mir machen. Ich weiß nicht einmal, wer für meine Wikipedia-Seite verantwortlich ist.

INTERVIEW: Schauen Sie da öfter drauf?

DEL REY: Man hat mir heute daraus vorgelesen. Jeder hat Zugriff aufs Netz. Und was dort geschrieben wird, steht geschrieben.


INTERVIEW: Es wird vor allem geschrieben, dass Sie ein Fake seien, nicht real. Aber ist Echtheit im Pop überhaupt eine gültige Kategorie?

DEL REY: Nun, ich schreibe meine Songs selbst, ich drehe meine Videos selbst, ich treffe meine Entscheidungen und erlaube nicht, dass etwas ohne meine Erlaubnis geschieht – echter dürfte es im Pop kaum gehen. Da ist nichts, was nicht echt wäre.

INTERVIEW: Aber Sie haben sich einen glamourös klingenden Künstlernamen zugelegt.

DEL REY: Ja und? Viel wichtiger ist, dass ich im Grunde gar nicht Pop bin. Bevor ich im Radio gespielt wurde, hatte ich mit Pop nichts zu tun. Ich bin eine Songschreiberin, acht Jahre lang habe ich nur für mich selbst Musik gemacht. Da gab es kein Publikum, es ging nur um die Songs. Ich habe auch nicht die fünf Minuten und zweiundzwanzig Sekunden lange Liebesballade Video Games geschrieben, damit sie im Radio gespielt wird. Das ist einfach passiert. Aber das schließt nicht aus, dass ich mein Haar auf eine bestimmte Weise trage, mein Make-up so und nicht anders mag, mir diese und jene Kleider gefallen und ich mich auf der Bühne so bewege, wie ich mich eben bewege.

INTERVIEW: Können Sie sich im Nachhinein erklären, warum es so lange gedauert hat, bis einer Plattenfirma aufgefallen ist, dass es sich bei dem Song Video Games um etwas ganz Besonderes handelt?

DEL REY: Plattenfirmen erkennen, dass etwas besonders ist, wenn die Öffentlichkeit entscheidet, dass etwas besonders ist.

INTERVIEW: Wie ernüchternd.

DEL REY: Aber so ist es. Plattenfirmen haben kein Geld mehr. Sie verfügen nicht über die Möglichkeiten, einen Künstler aufzubauen und zu erfinden. Es wird nur in Leute investiert, die schon mit ihren eigenen Mitteln einen gewissen Erfolg haben – von 13-jährigen Nachwuchstalenten einmal abgesehen.

INTERVIEW: Wie gut, dass Sie das Internet hatten.

DEL REY: Ja, es war gut für mich. Aber das Internet ist ja nicht nur dazu da, um Musik zu verbreiten.

INTERVIEW: Aber ohne Youtube säßen wir jetzt hier nicht zusammen.

DEL REY: Klar, aber hey: Das ist mir scheißegal.

 

So klingt Lanas brandneues Album „Lust for Life“:

von Harald Peters | Fotos: Sean + Seng | Styling: Jodie Barnes

 


 

Hair ANNA COFONE
 Make-up PAMELA COCHRANE
 Manicurist ANATOLE RAINEY
 Lana’s Image Consultant JOHNNY BLUE EYES Set/Props ROBBIE DOIG @ DRAGONFLY SCENERY Production ROSCO BRADY & GIORDANO CIONI @ ROSCO PRODUCTION 
Photo Assistants CHRISTIAN BRAGG
AND DOUG IRVINE
 Digital Operator TANYA HOUGHTON @
ART MEDIA PARTNERS
 Stylist Assistant JOE PORRITT
 Hair Assistant MARCIA LEE
 Make-up Assistant ANNIE TAGGEA

Shot at PARK VILLAGE STUDIO LONDON ; Thank you to ANDREW SCOTT

21.07.2017 | Kategorien Interviews, Musik | Tags ,