IM INTERVIEW:
MATTHIAS SCHWEIGHÖFER
kann "Fliegen"!

Foto © Sebastian Mader für INTERVIEW Germany

Schauspieler, Regisseur und jetzt auch Sänger: Multitalent Matthias Schweighöfer spricht im Interview über seinen neuen Song Fliegen, seinen Film Der Nanny, seinen ersten Job als Radio-Jingle-Sprecher, wann er laut wird und wieso er wie Brad Pitt und Angelina Jolie ist.

INTERVIEW: Du schauspielerst, du führst Regie – und jetzt singst du auch. Braucht die Welt einen weiteren Schauspieler, der singt?

MATTHIAS SCHWEIGHÖFER: Nein, braucht sie nicht.

 

INTERVIEW: Wie kam es dann dazu?

SCHWEIGHÖFER: Für den Film Der Nanny habe ich einen Score Track entwickelt, den ich an meinen Freund Stickle, einen Musikproduzenten, geschickt habe. Er sollte mal schauen, wie man den Song verändern kann, um ihn moderner zu machen. Drei Wochen später rief er mich an, sein Gitarist sei gerade da, ich solle im Studio vorbei kommen. Und das habe ich dann auch gemacht.

 

INTERVIEW: Und schon war die Songidee geboren?

SCHWEIGHÖFER: Genau, wir haben uns dann noch weitere Male getroffen und auf einmal war er da, der erste Song. Anfangs wollte ich den Song aber gar nicht veröffentlichen, Stickle hat mich dazu überredet und so haben wir ihn in den Abspann gepackt – ohne Namen, ohne nichts – und ihn getestet. Keiner wusste also, dass der Song von uns kam.

 

INTERVIEW: Irgendwer muss es ja letztlich dann doch herausgefunden haben, dass ihr dahinter steckt.

SCHWEIGHÖFER: Das kam über die Promotiontour zum Film, bei der uns sehr viele Leute auf den Song angesprochen haben. Viele fanden ihn sehr ehrlich und gerade die Kombination mit dem Film passend. Erst dann haben wir uns dazu entschieden, den Song wirklich zu veröffentlichen.

 

INTERVIEW: Geht deine Karriere als Musiker jetzt weiter?

SCHWEIGHÖFER: Naja, eigentlich habe ich bereits einmal Gold und einmal Platin für Philipp Poisels „Eiserner Steg“ überreicht bekommen, das gerät nur irgendwie immer in Vergessenheit.

 

INTERVIEW: Wo stehen die Trophäen?

SCHWEIGHÖFER: Auf dem Boden, an die Wand gelehnt.

 

INTERVIEW: Das ist natürlich schon eine große Ehre!

SCHWEIGHÖFER: Es ist wirklich sehr schön, weil ich eine Gruppe von Freunden habe, mit denen ich schon seit Ewigkeiten musiziere. Schon seit 10 Jahren wollen wir eine Platte zusammen machen. Und gerade saß ich vor Kurzem im Auto und habe den Song eines Freundes und dessen Band Team Amateur gehört, der im Radio lief und für den ich am Text mitgeschrieben habe. Da war ich schon mächtig stolz.

 

INTERVIEW: Also steckst du bereits voll drin im Musikbusiness.

SCHWEIGHÖFER: Ja, das ist manchmal so absurd, wenn man sich mal kurz zurücklehnt und sieht, was man eigentlich so den ganzen Tag macht.

 

Die Single "Fliegen" ist ab dem 22.05. im Handel erhältlich.

INTERVIEW: Du kennst auch meinen Freund, der mir erzählte, dass ihr früher mal mit ein paar Jungs zusammen immer Rapper werden wolltet.

SCHWEIGHÖFER: Oh ja, das waren Zeiten! Aber jetzt muss ich zum Glück nicht mehr rappen, sondern habe Stickle. Vielleicht machen wir im September wirklich ein Album zusammen – oder besser gesagt erstmal einen zweiten Song. Aber wenn man den zweiten hat, folgen die nächsten Songs ja vielleicht auch und man hat ein Album zusammen, in welchem Zeitraum auch immer. Ohne Druck, es muss gute Musik sein.

 

INTERVIEW: Das ist sowieso das A und O.

SCHWEIGHÖFER: Eben. Es braucht keinen Schauspieler, der Musik macht. Aber solange die Musik gut ist und gerne gehört wird, ist doch alles okay!

 

INTERVIEW: Ich muss gestehen: Ich bin auch positiv überrascht gewesen. Als Redakteur bekommt man ja immer öfter neue Songs von auch internationalen Schauspielern zu hören, die aber meist nicht sonderlich gut sind.

SCHWEIGHÖFER: Ich muss wiederum gestehen: Das denke ich auch oft. Ich kenne einige wahnsinnig talentierte Musiker, die leider einfach nicht gut verkaufen. Ich könne mich nie mit gutem Gewissen vor sie stellen und sagen: „Hey ich bin Schauspieler, mein Name verkauft auf einmal Musik.“

 

INTERVIEW: Welche Musik hörst du privat? Früher wohl eher mehr Rap, dann sicherlich auch Eminem!

SCHWEIGHÖFER: Tatsächlich mochte ich Eminem gerne, allerdings weniger wegen der Musik sondern der Bühnenshows. Die waren immer großartig! Heute höre ich andere Sachen. Mein absoluter Lieblingsmusiker auf der Welt ist Chris Martin. Über den geht wirklich nichts.

 

INTERVIEW: Finden viele ja ziemlich schwierig.

SCHWEIGHÖFER: Ich finde ihn großartig. Bon Iver ist auch ganz große Klasse, aber auch Casper. Den XO Song höre ich ständig. Mein Lieblingsrapper ist aber immer noch Gerard.

 

INTERVIEW: Spielst du selbst ein Instrument?

SCHWEIGHÖFER: Ich spiele sehr schlecht Gitarre. Aber es reicht aus, um Songfragmente zu gestalten. Und ich spiele autodidaktischerweise Klavier.

 

INTERVIEW: Spiele ich auch, ein nicht einfaches Instrument.

SCHWEIGHÖFER: In der Tat recht schwierig, aber ich greife dabei alles nur nach Gehör. Frag mich nicht, von wem ich das hab.

 

INTERVIEW: Dann hast du sicherlich auch ein schönes Klavier zuhause stehen.

SCHWEIGHÖFER: Zwei sogar! Darüber freue ich mich auch sehr.

 

INTERVIEW: Jeder Musiker hat ja seine eigene Vorgehensweise, ob zuerst der Text oder zuerst die Melodie kommt. Wie ist das bei dir?

SCHWEIGHÖFER: Bei mir kommt immer erst die Grundmelodie. Dann diskutiert man zusammen aus, was eher die Bridge und der Refrain ist, das erarbeiten wir uns zusammen. Für melodiösere Songs spinnen wir von Anfang an zusammen etwas aus.

 

INTERVIEW: Was sagt deine Family zur neuen Richtung?

SCHWEIGHÖFER: Meine Tochter ist da sehr entspannt. Hauptsache sie muss mir nicht beim Singen zusehen, ansonsten mag sie die Musik glaube ich ganz gerne.

 

INTERVIEW: Also alles ganz locker. Waren die Dreharbeiten zu Der Nanny auch so? In der Presse kommt es immer so rüber, als wäre alles, was du machst, mit sehr viel Spaß verbunden.

SCHWEIGHÖFER: Ich kann auch ganz schön ernst werden wenn ich will. Und auch mal laut. Aber für mich wäre es das Schlimmste, wenn die 100 Leute, die am Set sind, jeden Morgen mit Angst und Schrecken zur Arbeit kommen. Die Arbeit soll ja auch Spaß machen und ich glaube, dass man so als Team auch ein besseres Ergebnis erzielt. So habe ich selbst auch gerne gearbeitet, bevor ich selbst angefangen habe zu produzieren, und deshalb versuche ich das auch bei meinen eigenen Produktionen so fortzuführen.

 

INTERVIEW: Was bringt dich so richtig auf die Palme?

SCHWEIGHÖFER: Wenn man über meinen Kopf hinweg Entscheidungen trifft, die eine Konsequenz haben, die ich dann nicht mehr beeinflussen kann. Da kriege ich einen richtigen Hals.

 

INTERVIEW: Kriegst du dann einen hochroten Kopf, oder wie muss man sich das vorstellen?

SCHWEIGHÖFER: Das nicht, aber ich kann dann schon recht ungemütlich werden. Ich werde dann ganz ruhig, aber bestimmt. Eine Ansage reicht dann meist schon aus und die Leute um mich herum wissen, was los ist.

 

Matthias Schweighöfer: “Ich kann manchmal recht ungemütlich werden. Es bringt mich auf die Palme, wenn man über meinen Kopf hinweg Entscheidungen trifft. ”
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INTERVIEW: Wurdest du selbst mal bei einem Job gefeuert?

SCHWEIGHÖFER: Glücklicherweise nicht!

 

INTERVIEW: Was war eigentlich dein erster Job?

SCHWEIGHÖFER: Radio-Jingle-Sprecher. Ich habe da tatsächlich die ganze Zeit Jingles eingesprochen. Dafür habe ich damals 50 Mark bekommen.

 

INTERVIEW: Wenn du nicht Schauspieler, Regisseur und jetzt auch Musiker geworden wärest, was dann?

SCHWEIGHÖFER: Schlagzeuger, zumindest im Herzen! Ich wollte immer Schlagzeuger werden, meine Mutter hat sich allerdings geweigert.

 

INTERVIEW: Für ihre Ohren und die Nachbarn sicherlich eine weise Entscheidung.

SCHWEIGHÖFER: Naja, nicht wirklich. Statt eines Schlagzeugs habe ich eine Violine bekommen. Ob das für ihre Ohren so viel besser war?

 

INTERVIEW: Mit wem würdest du gerne mal dinnieren?

SCHWEIGHÖFER: Beyoncé! Wahnsinn, was die alles geschafft hat. Und Jennifer Lawrence!

 

INTERVIEW: Du selbst bist ja auch der Traum-Dinner-Partner für viele Frauen da draußen.

SCHWEIGHÖFER: Ich glaube eher, dass das gerade Elyas M’Barek ist, der ist nochmal eine Generation jünger als ich. Bei mir weiß ja mittlerweile jeder, dass ich Kinder und eine Frau habe.

 

INTERVIEW: Du bist also raus?

SCHWEIGHÖFER: Ich bin quasi Brad Pitt und Angelina Jolie. Ich bin raus.

 

Von: CLOUDY ZAKROCKI

Matthias Schweighöfer: “Es ist manchmal so absurd, wenn man sich mal kurz zurücklehnt und sieht, was man eigentlich so den ganzen Tag macht.”
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Foto © Sebastian Mader für INTERVIEW Germany

Credits: 

Foto SEBASTIAN MADER

Styling KLAUS STOCKHAUSEN

Grooming CHARLOTTE CHANG

Foto-Assistenz VIKTOR EBELL,PHILLIP ZWANZIG

Styling-Assistenz CAROLINE LEMBLÉ

Produktion FRANK SEIDLITZ, DOROTHEA FIEDLER

Dank an DELIGHT STUDIOS BERLIN

22.05.2015 | Kategorien Film, Interviews, Musik | Tags , ,