MIKE SINGER

Er entdeckte früh seine Liebe zur Musik, coverte Songs und lud sie bei Youtube hoch. Seine Alben Karma und Deja Vu landeten direkt auf Platz Eins der deutschen Albumcharts. Mike Singer ist 18, hat ein Studio im Kinderzimmer und zählt mit 1,4 Millionen Instagram-Followern zu den einflussreichsten deutschen Musik-Stars. Wir treffen ihn bei einem Fotoshooting im Berliner Allmost Studio.

Foto: © Robert Wunsch

TAHIR CHAUDHRY: Wie läuft die Schule?

MIKE SINGER: Zurzeit bin ich auf gar keiner Schule, aber sobald ich wieder mehr Zeit habe, mache ich Privatschule und beende mein Abi. Ich bin gerade viel unterwegs und da ist es einfach mega mega schwierig. Ich will erstmal Musik machen und am Ende des Jahres geht’s dann wieder weiter.

TC: Du warst lange Zeit trotz Musik in den Charts noch auf einer öffentlichen Schule.

MS: Ja, aber auf Dauer wurde es mega-schwer, weil ich viel unterwegs war. Irgendwann haben dann auch Fans herausgefunden, auf welche Schule ich ging. Dann durfte ich gar nicht mehr in die Pause gehen und musste die ganze Zeit im Klassenzimmer bleiben.

TC: Und heute musst du vom Privatlehrer besucht werden?

MS: Es gibt sogar die Möglichkeit, dass man per Skype Unterricht hat, also den Lehrer immer dorthin mitnehmen kann, wo man gerade ist. Das Material wird mir dann per E-Mail zugeschickt.

TC: Findest du es nicht schade, dass du mittlerweile alleine lernen musst?

MS: Es ist besser so, glaube ich. Meine Lehrer haben früher immer gesagt, dass ich sehr ablenkbar bin. Immer wenn jemand Witze gemacht hat, war ich direkt dabei (haha).

TC: Kannst du denn gut abschalten und dich nur auf den Stoff konzentrieren, wenn du allein lernst?

MS: Hmm… schwierig! (haha) Aber wenn ich weiß, dass ich etwas abzugeben habe, dann bin ich motiviert genug und kriege das hin.

TC: Wie warst du im Fach Musik?

MS: Sehr, sehr schlecht.

TC: Ach?

MS: Ich habe mal in der fünften Klasse eine Sechs bekommen, weil es irgendwie um Bach oder so ging und ich keine Lust hatte zu lernen. Das haben die Lehrer nicht verstanden. Ich weiß nicht warum, aber ich konnte für mich allein immer besser Musik machen, als vor der ganzen Klasse. Was die Lehrer wahrscheinlich auch gestört hat, war, dass ich bei Klavierstunden zum Beispiel sehr schnell mit den Lektionen fertig war und dann meine eigenen Sachen probiert habe. Aber natürlich habe ich mich trotzdem mit allen Lehrern gut verstanden.

TC: Ich finde, dass einem in der Schule zu wenig Kreativität aber auch kritisches Denken gelehrt wird. Wie siehst du das?

MS: Was ich an der Schule ganz schlimm finde, ist, dass man dafür so früh aufstehen muss (haha). Da verstehst du doch in den ersten zwei Stunden eh nichts. Aber man muss es als Schüler so nehmen wie es ist. Die Schule ist wichtig. Das sage ich auch zu meinem Bruder, der elf Jahre alt ist.

Mike Singer: “Es gab einige, die in der siebten oder achten Klasse versucht haben, sich über meine Karriere lustig zu machen. Und jetzt kommen die auf einmal wieder und wollen dir plötzlich props geben.”
Tweet this

TC: Dir ist es wichtig, ein gutes Vorbild für deinen kleinen Bruder zu sein. Kannst du für ihn überhaupt genug da sein?

MS: So gut es geht will ich das versuchen. Vor zwei Jahren, als ich immer mehr unterwegs war, haben wir meinem kleinen Bruder einen Hund geholt. Er heißt Bello und ist sehr süß. Weil ich so oft weg bin, wollte ich, dass jemand für meinen Bruder da ist. Natürlich telefonieren oder schreibe ich fast jeden Tag mit ihm, aber es ist anders als wenn man zusammen ist.

TC: Gibt es etwas, was dir in Bezug auf die Generation deines Bruders Sorgen bereitet?

MS: Ich finde eine Sache richtig richtig krass. Das war auch schon bei mir früher so. Ich habe ja auch viel Playstation und so gezockt, aber bei meinem Bruder in der Klasse zocken alle, sogar die Mädchen zocken Ballerspiele! Aber ich vertraue meinem Bruder. Er weiß schon, was er tut. Wichtig ist, dass er immer respektvoll bleibt.

TC: In Interviews betonst du immer wieder: “Ich will einfach nur Musik machen”, “ich bin auch nur ein Junge wie jeder andere” und “meine Familie ist mir am wichtigsten”. Lässt man dich auch wirklich so sein?

MS: Auf jeden Fall. Ich hätte überhaupt keinen Bock, jemandem irgendetwas vorzuspielen. Ich bin so wie ich bin. Es gibt niemanden, der mir Dinge vorschreibt.

TC: Was war das für ein Gefühl, als das erste große Geld auf deinem Konto eingegangen ist?

MS: Ich habe mich unfassbar gefreut und mir direkt ein eigenes Studio gekauft. Mein Kinderzimmer wurde komplett umgebaut. Wenn du da reinkommen würdest, würdest du denken, es ist ein Studio. Die eine Hälfte ist voller Kleidung und da steht ein Bett, die andere Hälfte ist ein Studio. Ich schlafe, stehe auf und kann direkt Musik machen. Davon hatte ich schon immer geträumt.

TC: In dem Song Singer sagst du: “Wollte nie Business-Briefings / Business-Meetings, no way / Wollte doch nur dieses Lied singen / Wie Billie Jean klingen, okay / Wollte nie den Blitz und Glamour / Und, dass sich was ändert, no way”.

MS: Eine lange Zeit gab es einige Menschen um mich herum, die gesagt haben: “Ey Mike, mach mal etwas ‘Normales’ und keine Musik”. Es gab sogar einige, die in der siebten oder achten Klasse versucht haben, sich über meine Musikkarriere lustig zu machen. Und jetzt kommen die auf einmal wieder. Sie wollen mit dir befreundet sein und dir plötzlich props geben. Für mich persönlich, hat sich nicht viel verändert, außer dass ich sehr viel unterwegs bin. Ich mache immer noch wie früher meine Musik und hänge mit denselben Leuten wie früher ab. Schade ist nur, dass es auch diejenigen gibt, die früher geglaubt haben, dass das alles nichts wird und jetzt bei mir sein wollen.

TC: Du bekommst tagtäglich hunderte bis tausende Liebesbriefe und Kommentare unter deine Instagram-Posts. Was geht dir durch den Kopf, wenn du das liest?

MS: Ich finde es immer krass zu sehen, wie viele Menschen auf einmal online sein können. Dass sie direkt liken und tausende Kommentare schreiben, ist wirklich unfassbar. Was sie schreiben, ist auch mega schön. Sie freuen sich über neue Musik oder ein neues Ereignis aus meinem Leben.

TC: Aber es hat ja nichts mit deiner Musik zu tun, wenn dir ein vierzehnjähriges Mädchen schreibt: “Ich liebe dich! Ich kann ohne dich nicht leben!! Bitte komm dm!!!”.

MS: (haha) Ich nehme das sehr ernst und versuche auch manchmal darauf zu antworten. Ich schreibe dann zum Beispiel: “Danke, dass du mir das schreibst und ich finde es sehr süß von dir”. Ich denke, dass es dazugehört, wenn man alles mit anderen Menschen teilt, dass sie irgendwann Gefühle aufbauen.

TC: Die Kommentare reichen aber teilweise von Sympathie über Zuneigung bis hin zur krankhaften Verehrung.

MS: Klar, es gehen einige Nachrichten zu weit, aber die meisten von ihnen sind süß. Ich finde es unglaublich schön, dass ich sie bekomme. Wenn mir jemand genau das Gegenteil davon schreiben würde, wäre das doch blöd.

TC: Welches Kompliment hörst du gerne?

MS: Wenn man meine Musik lobt oder ein Kompliment zu meiner wirklichen Person macht.

TC: Wie kannst du ein Kompliment zu deiner Person ernst nehmen, wenn die Menschen dich eigentlich gar nicht kennen?

MS: Es ist natürlich schwierig mich komplett zu beurteilen. Denn obwohl ich viel mit meinen Fans teile, habe ich noch ein Privatleben und auch einiges, worüber ich öffentlich nicht spreche. Ich gebe aber auch genügend Preis und glaube, dass sie mich dadurch schon bis zu einem gewissen Grad einschätzen können.

TC: Was willst du musikalisch noch erreichen?

MS: Ich probiere gerade sehr viel aus: Beats machen und Songtexte schreiben. Ich bin immer stärker in den Studiosessions involviert. Mein Wunsch ist es, irgendwann mal einen Song komplett allein zu produzieren.

TC: Du bist einer von 13 Millionen deutschen Jugendlichen unter 18, die sich auch wünschen würden, was du hast.

MS: Zu denen sage ich: Wenn du etwas erreichen willst, dann probiere es einfach aus. Es muss ja nicht genau das sein, was ich mache. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen. Wenn du der Allerallerbeste sein willst, dann glaub daran und mach es. Wenn du es wirklich willst, bekommst du es. Da glaube ich wirklich dran.

TC: Freust du dich manchmal insgeheim, wenn du daran denkst, dass viele in deinem Alter jetzt gerade in der Schule leiden müssen?

MS: Nein, gar nicht. Ich muss aber auch sagen, dass ich wieder Bock hätte, zur Schule zu gehen, mit meinen Freunden zu chillen und zu lernen. Auch, wenn ich jeden Tag so viel lerne, wenn ich unterwegs bin. Ich wünsche mir es schon mich einfach mal hinzusetzen, jemandem zuzuhören und zu lernen. Es gibt viele, die von der Schule runter sind und zur Arbeit gehen und wieder in die Schule wollen. Das kann ich gut verstehen.

Ossama el Bourno [Manager]: Weißt du, woran das liegt? Das liegt am befreiten Leben, das man während der Schulzeit führt. Natürlich wollen wir alle wieder in die Schule zurück, weil die Arbeitswelt da draußen hard knock life bedeutet (haha).

TC: Du bist noch jung, aber: Wie möchtest du, dass Menschen sich an dich erinnern, wenn du nicht mehr da bist?

MS: Die Menschen sollen sich an einen höflichen und respektvollen Jungen erinnern, der sehr gute Musik gemacht hat.

MS: Das waren sehr gute Fragen.

TC: Auf welche Frage hättest du gar keine Lust gehabt?

MS: Die meisten Fragen sind immer sehr ähnlich, aber das war sehr spannend. Häufig werde ich so etwas gefragt wie “Hast du eine Freundin?”. Das hast du nicht gemacht.

TC: Nein, das interessiert mich nicht.

Mike Singer ist vom 1.-28. Oktober 2018 auf Deja Vu-Tour – Hier gibt’s mehr Infos zu den 23 Events.