MISS PORTMAN
im Interview

Sie war die kindliche Killer-Praktikantin in Léon – der Profi, eine schizophrene Ballerina in Black Swan und die Freundin eines Hammer schwingenden Königsohns in Thor. Aber nebenbei ist Natalie Portman auch schon seit Jahren das Gesicht von Christian Dior Parfums. Wir haben Sie zum Kampagnen-Launch von „Miss Dior Absolutely Blooming“ in Paris getroffen.

Interview: Sie bewerben diverse Beauty-­Linien von Dior, wie etwa Rouge Dior, Miss Dior oder Diorskin. Welche Kampagne ist Ihre liebste?

Natalie Portman: Das dürfte die sein, die wir gerade für eine neue Mascara produziert haben, aber darüber darf ich noch nicht reden, glaube ich.

Interview: Wieso?

Portman: Weil sie noch geheim ist?

Interview: Ach so!

Portman: (dreht sich zu der Abordnung von Dior-Leuten und fragt) Darf ich über die neue Mascara reden?

Dior-Leute: Du darfst sagen, dass es ein Projekt ist …

Portman: Okay, die Mascara ist also ein Projekt, das ein spezielles Element be­inhaltet, das Spaß macht. Es geht darum, wie man sie aufträgt. Sie werden sehen.

Interview: Dann reden wir über das Konzept oder die Idee von Miss Dior, die Sie in der Kampagne verkörpern. Über die Jahre hat sie sich kontinuierlich verändert. Was denken Sie darüber?

Portman: Ich finde es toll. Miss Dior ist mit der Zeit unabhängiger geworden, selbstbewusster, sinnlicher, verführerischer. Es hat Spaß gemacht, sie in verschiedenen Situationen zu verkörpern. Zum Beispiel in einem Helikopter fliegend oder wenn sie vor ihrer eigenen Hochzeit flüchtet – all das sind verschiedene Aspekte, die ihre Unabhängigkeit zeigen.

Interview: Wie war Miss Dior denn, bevor sie unabhängig wurde und von ihrer Hochzeit wegrannte?

Portman: Sie hatte schon immer diese Weiblichkeit und Eleganz, aber früher war sie ein wenig sittsamer. Heute ist sie sehr viel lebhafter.

Interview: Das neue Parfum „Miss Dior Absolutely Blooming“ soll nach Liebe riechen …

Portman: Ja!

Interview: … und tut es das?

Portman: Ja, es hat eine sehr blumige, feminine Kraft, die sehr verführerisch ist.

Interview: Nun tragen die meisten Leute ihr Parfum jeden Tag, aber sie sind nicht jeden Tag verliebt oder in der Stimmung, zu verführen oder verführt zu werden. Wäre es da nicht angebracht, wenn Düfte eher nach Rache oder Langeweile oder Gleichgültigkeit riechen würden?

Portman (lacht): Eine gute Idee, auch wenn ich keine Ahnung habe, wie Gleichgültigkeit riecht. Davon abgesehen sollte man natürlich versuchen, jeden Tag verliebt zu sein oder dazu bereit. Das ist es, worum es bei „Miss Dior Absolutely Blooming“ geht.

Interview: Können Sie den Duft bitte einmal näher beschreiben?

Portman: Er hat Noten von Beeren, ist fruchtig, blumig und alles in allem frühlingshaft.

Interview: Tragen Sie ihn?

Portman: Ja.

Interview: Nur zur Arbeit?

Portman: Nein, auch sonst. Tagsüber sehr dezent, und wenn ich ausgehe, lege ich ein wenig mehr auf.

Natalie Portman: “Ich probiere gern Dinge aus, von denen ich denke, dass ich die nicht kann. Dinge, vor denen ich Angst habe.”
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Interview: Wie wäre es eigentlich, wenn Ihnen der Duft nicht gefiele? Zum Beispiel, weil er Granatapfel beinhaltet und Sie vielleicht allergisch auf Granatapfel reagieren und alle Dinge, die mit Granatäpfeln zu tun haben, nicht leiden können?

Portman: Ich würde mit dem Parfümeur François Demachy sprechen und ihm meine Bedenken über den Duft mitteilen.

Interview: Dazu haben Sie also die Macht?

Portman: Nein!

Interview: Viele Leute gehen ja davon aus, dass Schönheit von innen kommt, weshalb es sich empfiehlt, bestimmte Dinge zu essen.

Portman: Das sehe ich ganz genauso.

Interview: Okay! Also was soll ich essen?

Portman: Zunächst einmal ist es wichtig, dass Sie immer viel Wasser trinken. Und bei mir ist es so, dass ich vegan lebe. Ich glaube, dass vegane Ernährung gut für die Seele und den Körper ist.

Interview: Seit wann leben Sie vegan?

Portman: Seit fünf Jahren. Und davor habe ich 20 Jahre lang kein Fleisch gegessen.

Interview: Fiel Ihnen die Umstellung schwer?

Portman: Nicht wirklich. Allerdings ist es nicht immer leicht, Desserts zu finden. Und auf Käse, das fällt mir vielleicht am schwersten, muss ich auch verzichten. Aber dafür fühlt man sich ansonsten so gut, dass es das wert ist. Wenn man zum Beispiel aus Versehen ein tierisches Produkt isst, von dem man nicht wusste, dass es verarbeitet wurde, dann merkt man sofort den Unterschied im Körper.

Interview: Sie fühlen sich jetzt also besser?

Portman: Unbedingt. Meine Haut ist besser geworden, und auch andere Probleme sind verschwunden.

Interview: Tragen Sie eigentlich jeden Tag Make-Up?

Portman: Ja, ein bisschen Concealer und Mascara.

Interview: Sie gehen also nie ganz ohne ­Make-Up aus dem Haus?

Portman: Höchstens für fünf Minuten, wenn ich als Mutter unterwegs bin.

Interview: Es gibt diesen Make-Up-Trend von Make-Up, das nicht nach Make-Up aussieht.

Portman: Ja.

Interview: Was soll das?

Portman: Es ist der Versuch, natürlich auszusehen. Man zeigt keine veränderte Form von sich, sondern nur eine leicht verbesserte.

Interview: Haben Sie eine Ahnung, warum Beauty-Produkte immer diese irrsinnig langen Namen haben wie etwa „Diamond Ice-Lift Transepidermal DNA Cryo-Mask“ oder „Lait Demaquillant Velours Anti-Pollution“?

Portman (lacht): Das klingt sehr wissenschaftlich.

Interview: Wie kauft man so was ein?

Portman: Wahrscheinlich muss man sich einen Zettel machen.

Interview Sind Sie eine Red-Carpet-Person?

Portman: Früher fühlte ich mich auf dem roten Teppich immer unwohl, aber jetzt, da ich Mutter bin, ist es eine schöne Gelegenheit, mich glamourös und zurechtgemacht zu fühlen. Heute schätze ich es.

Interview: Was hat Ihnen früher nicht da­ran gefallen?

Portman: Dass es vor allem um Äußerlichkeiten geht und die Posen, die man machen muss. Man versucht ja eigentlich immer, sich natürlich zu geben, aber der rote Teppich ist so ungefähr der unnatürlichste Ort, den man sich vorstellen kann. Aber heute gefällt mir das Cinderella-Gefühl daran.

Interview: Mögen Sie eher die eleganten oder die extremen Kleider?

Portman: Für mich mag ich lieber die eleganten Kleider, an anderen Leuten schätze ich die extremen. Das ist halt alles ein Spaß.

Interview: Und sind die Kleider angenehm zu tragen?

Portman: Das Hauptproblem sind eigentlich die Schuhe, aber solange man sitzt, ist das kein Problem. Schwierig wird es, wenn man sich bewegen muss. Also, die Oscars sind auf jeden Fall angenehmer als eine Hochzeitsfeier.

Interview: Würden Sie sich als ehrgeizig beschreiben?

Portman: Ja.

Interview: In welcher Hinsicht?

Portman: In der Hinsicht, dass ich Dinge ausprobiere, von denen ich denke, dass ich sie nicht kann. Dinge, vor denen ich Angst habe.

Interview: Zum Beispiel Jackie Kennedy zu spielen, wie Sie es in Ihrem neuen Film tun werden?

Portman: Ganz genau!

Interview: Was genau ist beängstigend da­ran, Jackie Kennedy zu spielen?

Portman: Nun, sie war eine echte Person. Die Leute haben ganz genaue Vorstellungen davon, wie sie war, wie sie sich bewegte, wie sie sprach. Und natürlich wissen die Leute auch, wie sie aussah.

Interview: Wäre Jackie Kennedy eine Miss Dior?

Portman: Sie war auf jeden Fall eine starke Frau.

Von: Harald Peters

24.08.2016 | Kategorien Beauty, Interviews, Stil | Tags , ,