IM INTERVIEW:
Fotograf Rankin

Der Fotograf Rankin kommt in die Hauptstadt, um den Stil der Berliner zu finden. Auch Sie können sich von dem Starfotografen ablichten lassen. Wir baten Ihn zum Interview und fragten nach, was es mit dem Projekt #PortraitOfBerlin genau auf sich hat.

© Rankin

Das Atrium des Traditionskaufhauses KaDeWe wird sich in den nächsten Wochen in ein Fotostudio verwandeln, denn der Fotograf und Magazin-Mitbegründer Rankin sucht für ein neues Projekt mit Hilfe der Instagram-Kampagne #portrtaitofberlin die interessantesten Charaktere Berlins. Diese wird der Starfotograf am 30.4. beim Rankin Live Event (jeweils etwa 15 Minuten lang) fotografieren und anschließend gemeinsam mit dem KaDeWe auf einer extra dafür vorgesehenen Galerie zu einem großen Gesamtkunstwerk verbinden.

Das Fotoprojekt führte Rankin bereits in meherere Metropolen – unter anderem nach Los Angeles, Mailand oder London. Hier können Sie mitmachen und das Projekt verfolgen. INTERVIEW sprach mit dem Fotografen über seine Auswahlkriterien, die Stadt Berlin und stilistische Vorbilder

INTERVIEW: Lassen Sie uns über das Projekt Portrait of Berlin sprechen, das Sie im April gemeinsam mit dem KaDeWe in Berlin gestartet haben. Was ist die Idee dahinter?

RANKIN: Mit Portrait of Berlin wollten wir versuchen den Charakter der Stadt und seiner Bewohner einzufangen. Berlin hat eine starke und pulsierende Identität, in der auch ein Department Store wie das KeDeWe eine wichtige Rolle spielt. Ein Kaufhaus dieser Art reflektiert die Stadt, in der es sich befindet in gewisser Weise. Die momentanen Renovierungsarbeiten bieten uns daher eine ideale Leinwand, vor der wir Berliner Menschen dokumentieren können.

INTERVIEW: Wie viele Leute planen Sie denn zu fotografieren?

RANKIN: Natürlich so viele wie möglich! Aber seien wir realistisch: Es werden wahrscheinlich so um die 50 Personen sein. Ich fotografiere dann alle 15 Minuten jemand Neuen. Aber weniger sollten es auch nicht sein. Es wird alles sehr schnell gehen und manchmal bestimmt auch stressig werden, aber es ist eben auch ein lustiges Experiment. Zusätzlich wird es auch noch Selfie-Boxen geben, sodass im Prinzip auf diesem Weg jeder teilnehmen kann.

INTERVIEW: Nach welchen Kriterien wählen Sie ihre Models aus?

RANKIN: Wie immer, wenn wir casten, schauen wir in erster Linie nach Persönlichkeit und sind auf der Suche nach einer gewissen Haltung. Das ist zentral für uns. Wenn ich eine Person fotografiere, dann bedeutet das für mich auch immer, dass ich mit ihr zusammenarbeite. Ich tausche mich mit den Models aus und versuche das Feuer in ihnen zu entfachen – das kann ganz ernsthaft oder auch echt lustig ablaufen. Am Ende des Tages wollen wir möglichst das „echte“ Berlin repräsentieren und sind daher sehr offen.

INTERVIEW: Was ist ihrer Meinung nach „typisch Berlin“?

RANKIN: Ich weiß nicht, ob ich qualifiziert dafür bin, diese Frage zu beantworten. Aber für mich sticht in Berlin vor allem eine wahnsinnig große und kreative Community heraus. Das kommt wahrscheinlich immer auf die Definition an, aber vielleicht bedeutet das, dass es gar nichts gibt, was „typisch Berlin“ ist. Ich war schon eine ganze Weile nicht mehr da, aber ich habe Freunde, die in Berlin leben. Und ich kenne einige britische Künstler, die sich schnurstracks auf Richtung Berlin gemacht haben, um dort künstlerisch zu arbeiten. Das ist hochinteressant!

Rankin: “Ich versuche das Feuer in meinen Models zu entfachen”
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INTERVIEW: Sie kennen vermutlich den deutschen Fotografen August Sander, der in den 1920er und 1930er Jahren mit seinem Werk  Menschen des 20.Jahrhunderts ein Gesamtporträt bzw. einen Querschnitt der Gesellschaft anfertigen wollte. Haben seine Arbeiten Sie inspiriert?

RANKIN: Ja, natürlich kenne ich seine seine Arbeiten! August Sander lebte zu einer sehr ereignisreichen und interessanten Zeit. Seine Arbeiten sind sehr einfühlsam und absolut geistreich. Seine lebenslange Obsession, Menschen aller Gesellschaftsschichten zu dokumentieren, imponiert mir sehr. Ich fühle mich seinem Ansatz wirklich ein wenig verbunden.

INTERVIEW: Welche Fotografen haben Sie noch beeinflusst?

RANKIN: Avedon, Bailey, McCullin, Newton, Beaton. Da gibt es so viele – wie Sie wissen, liebe ich die Fotografie!

INTERVIEW: Sie haben eigentlich schon fast alle Stars vor der Linse gehabt. Ikonen wie Kate Moss, David Bowie und so weiter. Haben Sie ein Lieblingsmodell?

RANKIN: Ganz klar, das ist meine Frau Tuuli. Ich liebe es mit ihr zu arbeiten. Sie fühlt sich sehr ungezwungen mit mir, glaubt an meine Ideen und Instinkte. Für mich ist sie wirklich das perfekte Model.

INTERVIEW: Mit welcher Kamera arbeiten Sie eigentlich, wenn Sie Porträts schießen?

RANKIN: Die Kamera meiner Wahl ist eine Leica S-System. Sie ist einfach zu bedienen und hat die besten Objektive. Sie ermöglicht es mir schnell zu arbeiten, sodass ich mich voll und ganz auf meine Modelle konzentrieren kann.

INTERVIEW: Können Sie sich daran erinnern mal etwas im KaDeWe gekauft zu haben? Wenn ja – was war es?

RANKIN: Ich reise so viel, dass ich am Ende dann doch immer am Flughafen shoppen gehe. Aber ich liebe diese großen Department Stores, sie sind die Kronjuwelen der Städte. In London gehe ich gerne ins Selfridges. Ich bin sehr gespannt darauf im Rahmen dieses Projektes nun einige Zeit im KaDeWe zu verbringen. Also fragen Sie mich in einem Monat noch mal!