RAVE REVIEW

Das Modelabel Rave Review, das erst letztes Jahr auf der Pariser Fashion Week vorgestellt wurde, gilt bereits jetzt als bahnbrechend. Josephine Bergqvist und Livia Schück haben bewiesen, dass „Upcycling“ einen Platz in der High-Fashion-Arena verdient hat und dass Mode unsere Gesellschaft verändern kann – und muss. Wir sprachen mit dem schwedischen Designer-Duo über ihre ungewöhnliche Herangehensweise an Mode und Nachhaltigkeit.

Josephine Bergqvist und Livia Schück, Foto: Alf Arén

von: Cara Lerchl

Was ist Rave Review und warum habt ihr die Marke gegründet?

Wir beide haben uns während unseres Modestudiums in Stockholm am Beckmans College of Design kennengelernt. Wir wurden beste Freunde und teilten wir das gleiche leidenschaftliche Interesse für Nachhaltigkeit und die Vision, dass Mode die Gesellschaft verändern kann. Nachdem wir einige Zeit in der Modeindustrie gearbeitet haben, stellten wir fest, dass es auf dem Markt eine Lücke zwischen High-End-Mode und Upcycling gibt.

Das Konzept von Rave Review ist es, Mode aus bereits bestehenden Textilien und Kleidungsstücken herzustellen und ihnen einen High-End-Finish zu verleihen. Wenn wir unsere Designs entwickeln, verwerten wir am liebsten Heimtextilien für unsere Kollektionen, es macht Spaß, sie in ungewöhnlichen Kontexten zu verwenden.

War die Gründung von Rave Review die Antwort auf eure „Frustration“ über die Modeindustrie?

Es war definitiv auch Frustration, die dazu geführt hat. Aber in erster Linie war es unsere Begeisterung dafür, eine Nische gefunden zu haben und zu einem besseren Konsum von Mode beitragen zu können. Wir wollten beide unser eigenes Label gründen, doch wir konnten diesen Wunsch schwer rechtfertigen, weil der Markt bereits übersättigt und umweltpolitisch gesehen bedenklich ist. Mit der Gründung von Rave Review fühlte es sich plötzlich sinnvoll an, unsere Energie, Zeit und Liebe in ein Modelabel zu stecken. Unser Ziel ist es, die Modebranche zu verändern.

Rave Review AW18, Foto: Märta Thisner
“Unser Ziel ist es, die Modebranche zu verändern.”
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Wie läuft der Beschaffungsprozess eurer Materialien?

Die Beschaffung ist einer der größten Etappen unseres Designprozesses. Bis jetzt haben wir Stoffe und Kleidung bei Second-Hand-Läden, Märkten und Antiquitätenhändlern gesammelt. Da aber das Interesse und die Nachfrage an unserer Marke gewachsen ist, mussten wir neue Wege der Beschaffung finden. Momentan arbeiten wir mit einer größeren Sortierfirma in Litauen zusammen, für die nächste Saison werden wir mit Händlern kollaborieren, die übriggebliebene Stoffe vertreiben. Während alle Teile aus den letzten Kollektionen Einzelteile waren, besteht für uns jetzt die Herausforderung darin, höhere Stückzahlen zu produzieren.

Ist Nachhaltigkeit heute der einzige Weg, modern zu sein?

Nachhaltigkeit ist ein Aspekt, den jede Bekleidungsmarke heute in irgendeiner Form in Betracht ziehen muss. Wir glauben aber, dass eine Marke mehr als nur nachhaltig sein muss, um modern zu sein. Es wichtig, mit seinen Designs eine Geschichte zu erzählen und transparent zu sein. Es geht darum, eine neue Generation von Kunden mit unterschiedlichen Bedürfnissen und neuem Konsumverhalten zu treffen. Am Ende wird es auch immer wichtiger, als Marke an seiner Identität festzuhalten, um als vertrauenswürdig wahrgenommen zu werden.

Rave Review AW18, Foto: Märta Thisner

Glaubt ihr, die eher negative Konnotation von Nachhaltigkeit in der Mode verändern zu können?

Es gibt noch immer einen Mangel an Modelabels, die auf ästhetisch ansprechende Weise Upcycling betreiben. Es ist zwar eine große Herausforderung, aber unser Ziel ist es zu beweisen, dass es möglich ist, High Fashion und Upcycling zu kombinieren.

An wen richtet sich eure Mode?

Wir designen in erster Linie für uns selbst und die Menschen in unserer Umgebung. Unsere Designs richten sich an Frauen (und Männer), die für coole Kleidung und Nachhaltigkeit stehen wollen und keine Angst davor haben, ein Statement zu machen. Wir sind unsere eigene Zielgruppe und deshalb ist es wichtig für uns, dass wir die Teile als begehrenswert betrachten. 

 

Rave Review AW18, Foto: Märta Thisner

Wie steht ihr zu „Fast Fashion“?

Wir mögen es, wie sich die Modeszene ständig verändert und bewundern Marken, die sich mit jeder Saison weiterentwickeln. Aber was die großen Fast Fashion-Produzenten anbelangt, muss sich ihre Art zu produzieren und zu beschaffen in den kommenden Jahren stark verändern. Vor allem hoffen wir, dass sie bessere Lösungen finden, ihre Abfälle zu verwerten und ihre Kleidung zu recyceln. Wir sind bereit mit solchen Unternehmen zusammenzuarbeiten, aus alten Stoffen oder Prototypen neue Designs zu machen – eine win win Situation!

Möchtet ihr euren Designprozess mit uns teilen?

Es beginnt immer mit den Materialien. Wir sammeln Stoffe und Kleidung, die wir mögen. Manchmal gehen wir sogar auf inspirierende Reisen, was Spaß macht, da Heimtextilien, je nachdem aus welchem ​​Land sie kommen, sehr unterschiedlich sind. Nach der ersten Sammelrunde halten wir Workshops im Studio, experimentieren mit Drapieren, Dekonstruieren und Skizzieren. Sobald wir entschieden haben, welche Materialien wir in den Kollektionen verwenden, beginnen wir mit der Beschaffung in größerem Umfang.

Rave Review AW18, Foto: Märta Thisner
“Nachhaltigkeit ist ein Aspekt, den jede Bekleidungsmarke heute in irgendeiner Form in Betracht ziehen muss.”
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Warum seid ihr bemüht, eure Marke klein und exklusiv zu halten?

Wir glauben an die Fähigkeit der Mode, die Identität zu verkörpern und wollen deshalb einzigartige Kleidung in kleinerem Maßstab kreieren. Das ist auch der Grund, warum alle Teile unserer Kollektionen nummeriert sind. Für uns ist es wichtig, bei der Arbeit mit bereits vorhandenen Materialien ein exklusives, luxuriöses Gefühl zu bewahren, um unsere Mode von Second-Hand-Kleidung abzugrenzen.

Was könnt ihr uns über eure AW18 Kollektion erzählen?

Zu Silvester unternahmen wir beide eine Reise nach Kiew, dort fanden wir eine Menge cooler Heimtextilien: karierte Tischdecken, Wolldecken und schwere Baumwollschnürsenkel. Die Materialien glichen der stereotypen Kleidung von Hexen, die sich als interessantes Thema für eine Kollektion herausstellten. Für uns steht die Hexe für Feminismus – kraftvoll und geheimnisvoll, sexuell und provokativ. Eigenschaften, von denen wir glauben, dass sie für Rave Review charakteristisch sind.

Rave Review AW18, Foto: Märta Thisner

Homepage: Rave Review

Instagram: @ravereviewclothes

 

Photography: Märta Thisner 
Styling: Nicole Walker 
Make up: Josefina Zarmén
Hair: Joanna Rask
Models: Elsa Sylvan, Nina Kihlberg, Amie & Izabell and Jonna & Yeti