Scott Eastwood
im Interview!

Sie kennen dieses Gesicht, diesen Namen, und wahrscheinlich wissen Sie auch, was dieser junge Mann hier macht: Scott Eastwood war in Kein Ort ohne dich in seiner ersten Hauptrolle zu sehen, in ein paar Monaten spielt er für Oliver Stone in Snowden einen NSA-Agenten. Welcher Beruf für den 29-Jährigen sonst noch infrage gekommen wäre? Feuerwehrmann!

Surfen, tauchen, fischen, Jiu-Jitsu, Golf, Hubschrauber fliegen: die Hobbys von Scott Eastwood. Foto: Sunset Box/Allpix/laif
Scott Eastwood: “Hey, ich kann doch nicht einen Rodeoreiter spielen, ohne es dann selbst ausprobiert zu haben, oder?”
Tweet this

Von: Annette Walter

 

INTERVIEW: Sie gelten als einer der begehrtesten Junggesellen der USA.

SCOTT EASTWOOD: Tja, wenn das so gesagt wird (lacht verlegen). Vielen Dank. Da fühle ich mich natürlich geschmeichelt.

INTERVIEW: Schon mal gehört, Sie würden zu gut für eine Rolle aussehen?

EASTWOOD: Ja sicher, schon passiert. Es gab da jetzt einen Film, den ich gern gemacht hätte. Ich sage aber nicht, welchen. Ich denke, sie wollten mich genau deshalb nicht.

INTERVIEW: Sie haben gemodelt. Da geht es ja auch nur ums Aussehen.

EASTWOOD: Ich habe mich aber nie als Model gesehen. Ich war eher ein Markenbotschafter für diese Firmen (Hugo Boss, Davidoff), weil es gute Labels sind. Model sein ist nicht unbedingt das, worin ich meine Stärke sehe.

INTERVIEW: Worin dann? Sind Sie so, wie Sie Luke in Ihrem neuen Film Kein Ort ohne dich spielen, ein Gentleman und harter Arbeiter?

EASTWOOD: Das trifft es schon eher (lacht).

INTERVIEW: Wie sind Sie mit Ihrer Rolle als Cowboy klargekommen?

EASTWOOD: Es war großartig. Ich konnte vor der Kamera Dinge tun, die mir Spaß machen. Ich war vorher schon bei vielen Rodeos und reite, seit ich klein bin.

INTERVIEW: Sind Sie selbst auf dem Bullen geritten?

EASTWOOD: Ich bin während des Drehs nur ein paar Mal vom Bullen rauf- und runtergestiegen, mehr nicht. Fox, das Studio, hatte mir verboten, dass ich den Bullen selbst reite. Als die Dreharbeiten vorbei waren, hab ich das einfach privat nachgeholt. Auf einem 1 800-Pfund-Tier.

INTERVIEW: Aber das war doch bestimmt total gefährlich?

EASTWOOD: Ja, absolut. Meine Buddys und ich brachten ein paar Flaschen Bier mit, und dann sind wir auf dem Bullen geritten. Fox wusste natürlich nichts davon. Hey, ich kann doch nicht einen Rodeoreiter spielen, ohne es dann selbst ausprobiert zu haben, oder?

INTERVIEW: Sie sind ja generell ein Outdoor-Typ. Was machen Sie am liebsten?

EASTWOOD: Alles. Ich bin schon fürs Surfen um die ganze Welt gereist, Indonesien, Bali, Java, Mexiko, Panama. Dann tauchen, fischen, Jiu-Jitsu, Golf, Hubschrauber fliegen. Ich mochte es nie, nur eine Sache zu machen. Ich langweile mich leicht.

INTERVIEW: Sie wohnen in San Diego – und haben dort Ihr Haus selbst renoviert.

EASTWOOD: Ja, das meiste. Ich habe viel mit meinen Buddys umgebaut. Macht Spaß.

INTERVIEW: Wo haben Sie das gelernt?

EASTWOOD: Ich habe schon mit meinen Onkeln auf dem Bau gearbeitet. Ich musste schon früh Geld verdienen. Mein Dad war da ziemlich old school.

INTERVIEW: Wann ging das los?

EASTWOOD: So mit 15, 16. Mein Dad sagte: „Such dir einen Job.“ Und dann musste ich selbst klarkommen. Old school eben.

INTERVIEW: Sie waren also kein reiches Hollywood-Kid?

EASTWOOD: Nein, ganz bestimmt nicht.

INTERVIEW: Was hat Ihnen diese Erfahrung persönlich gebracht?

EASTWOOD: Ich habe gelernt, was es bedeutet, hart zu arbeiten. Und ich habe den Wert des Dollar schätzen gelernt. Und wie wichtig ist es ist, Menschen korrekt zu behandeln.

INTERVIEW: Sie haben Ihre Kindheit auf Hawaii und in Kalifornien verbracht, richtig?

EASTWOOD: Genau. Ich bin in Carmel geboren und habe in Kalifornien gelebt, bis ich zehn war. Dann ist meine Mum nach Hawaii gezogen, und ich bin mit ihr dort vier, fünf Jahre geblieben. Dann bin ich wieder zu meinem Dad gezogen und auf die Highschool in Kalifornien gegangen. Ich bin ein California Boy.

Scott Eastwood: “Wenn du als Kind daheim vor dem Fernseher sitzt und eine Clint-Eastwood-Movie-Night auf TNT mit zehn Filmen nacheinander läuft, kapierst du, dass er eine ziemlich große Nummer zu sein scheint”
Tweet this

INTERVIEW: Ihre Eltern lebten nicht zusammen, als Sie ein Kind waren. War das schwierig für Sie?

EASTWOOD: Ich kannte es ja nicht anders. Es gab gute und schlechte Sachen. Genauso wie bei anderen Kindern mit getrennten Eltern eben.

INTERVIEW: War Ihr Vater damit einverstanden, dass Sie Schauspieler werden?

EASTWOOD: Er wollte immer, dass ich das mache, was ich will, aber das gut. Was genau das ist, ob Schauspielerei oder etwas anderes, spielt für ihn keine Rolle.

INTERVIEW: Wann wurde Ihnen klar, dass Ihr Vater ein Star ist?

EASTWOOD: Wenn du als Kind daheim vor dem Fernseher sitzt und eine Clint-Eastwood-Movie-Night auf TNT mit zehn Filmen nacheinander läuft, kapierst du, dass er eine ziemlich große Nummer zu sein scheint (lacht).

INTERVIEW: Ihr Vater hat ja den Ruf, sehr höflich zu sein. Hat er Ihnen das auch beigebracht?

EASTWOOD: Ja, bei ihm hieß es immer: „Sei ein guter Gentleman.“ Es ist egal, wer du bist oder was du machst, ob du Schauspieler bist oder nicht: Versuch immer, so fair wie möglich zu anderen Menschen zu sein.

INTERVIEW: Ihre erste Rolle war ein kleiner Part in Flags of Our Fathers, bei dem Ihr Vater Regie geführt hat. Gab es eine Sonderbehandlung für Sie?

EASTWOOD: Nein, eher das Gegenteil. Mein Vater ist, wie ich ja schon erwähnt habe, old school. Er wollte mich auf keinen Fall begünstigen und war sehr streng zu mir.

INTERVIEW: Ihre zweite Zusammenarbeit war Gran Torino. Sie haben eine kurze Szene, in der Ihr Vater eine Waffe auf Sie richtet. Wie haben Sie sich dabei gefühlt?

EASTWOOD: Oh ja, das war eine Erfahrung fürs Leben. Man sollte sich nicht mit ihm anlegen (lacht).

INTERVIEW: Unforgiven ist immer noch Ihr Lieblingsfilm?

EASTWOOD: Ja, definitiv unter den Top drei.

INTERVIEW: Und die anderen beiden?

EASTWOOD: Forrest Gump und äh, lassen Sie mich überlegen, Braveheart oder The Shawshank Redemption.

INTERVIEW: Beobachten Sie eigentlich andere Schauspieler am Set? Brad Pitt etwa, mit dem Sie in Fury gespielt haben?

EASTWOOD: Mit Brad war es natürlich großartig. Er ist eine Legende. Ich vertraue aber vor allem auf mein eigenes Motto: Geh einfach los, tu es und versuch, nah an der Wahrheit zu bleiben. Ich versuche nie, die Schauspielerei zu intellektualisieren.

INTERVIEW: Sie spielen jetzt einen NSA-Agenten in Oliver Stones Edward-Snowden-Film. Ist Snowden für Sie ein Held oder Verräter?

EASTWOOD: Da ist schon eine Sache, über die ich mir viele Gedanken mache, aber ich mische mich nicht in Politik ein.

INTERVIEW: Sollten sich Schauspieler generell bei Politik zurückhalten?

EASTWOOD: Ich glaube nicht, dass es meine Aufgabe ist, anderen Schauspielern zu sagen, was sie tun oder lassen sollen. Wenn ein Schauspieler Politik machen will, soll er das tun. Sorry, ich muss jetzt mal aufstehen. Ich hab den ganzen Tag gesessen (steht auf). Wollen Sie auch ein Wasser?

INTERVIEW: Gern. Noch eine letzte Frage: Gab es für Sie je eine Alternative zur Schauspielerei?

EASTWOOD: Feuerwehrmann. Man ist aktiv und hilft anderen Menschen.

INTERVIEW: Das wird dann wohl nichts mehr, oder?

EASTWOOD: Wer weiß? Sag niemals nie.

 

30.12.2015 | Kategorien Film, Interviews | Tags , , , ,