Smalltalk mit
Alban Adam

Alban Adam ist PR-Chef von Diesel und hat ein fein ausgebildetes Gespür: er kennt die richtigen Leute, Medien und weiß, was als Nächstes zu tun ist.

Porträt: PIERRE-ANGE CARLOTTI

KATJA HORVAT: Reden wir über Kommunikation. Halten Sie es für wichtig, dass Labels und Designer gut mit Sprache umgehen können?

ALBAN ADAM: Kommunikation ist eine Verlängerung des Designs, liefert Kontext und verändert seine Bedeutung. Sehen Sie es wie eine Bildunterschrift auf Instagram: Ein paar Worte können den Kontext eines Bildes komplett verändern.

KH: Wohin bewegt sich die Mode?

AA: Ich wünschte, ich wüsste es. Es gibt die große Geldmaschine Fast Fashion, und dann gibt es den kleinen oder mittleren Markt des Kontemporären – der ist immer noch etwas schwammig. Kontemporär meint marken wie Supreme oder Wang, das mittlere Marktsegment bestehend aus Labels, die vermutlich nicht lange überleben werden, weil man sich in der Mode meistens zwischen Hochwertigem und Discounter entscheiden muss. Aber vielleicht gipfelt das auch in einer weiteren Fragmentierung des Marktes und mehr Platz für Labels, die mehr mit Lifestyle und weniger mit Trends zu tun haben. Kein Label kann lange wirklich on trend bleiben – den Trend in konsistente Relevanz umzuwandeln ist schwer. Ich meine, Supreme gibt es seit Jahren, aber es war sehr viel länger tot als so gefragt, wie es derzeit ist.

KH: Ist es in der mode überhaupt noch möglich, etwas zu erfinden?

AA: Ist das überhaupt noch irgendwo möglich? Walter Benjamin sagte über das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, dass die Kopie der Kopie der Kopie zum neuen Original wird. Das trifft heutzutage oft zu, für viele besteht der Weg im Bootleg. aber etwas tatsächlich neues? Ich weiß gar nicht, ob das überhaupt interessant sein könnte.

KH: Was ist das derzeit größte Problem der Modeindustrie?

Alban Adam: “Wenn man nur von obskuren Dingen redet und mit diesen arbeitet, um zu zeigen, wie cool man ist, macht man es den Leuten schwer, sich mit einem zu identifizieren. Bevor man komplette Freiheit erreicht, muss man Britney Spears spielen”
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AA: Persistenz! Leute vergessen leicht, dass nichts über nacht geschieht. Sehen Sie sich McQueen an: Er hat zehn Jahre gebraucht, um Geld zu verdienen statt zu verlieren. Man muss geduldig sein, das zahlt sich aus.

KH: Das ist nicht nur Geduld, sondern auch Geld. Man muss es sich erst mal leisten können, Geld zu verlieren.

AA: Geld bestimmt alles, ja, und es ist viel leichter zu arbeiten, wenn man es hat. Aber wenn du dich an dem abarbeitest, was du hast, zahlt es sich früher oder später aus. Oder auch nicht, wenn deine Arbeit nicht gut oder relevant genug ist.

KH: Welchen Rat würden Sie jungen Modedesignern geben?

AA: Wenn man nur von obskuren Dingen redet und mit diesen arbeitet, um zu zeigen, wie cool man ist, macht man es den Leuten schwer, sich mit einem zu identifizieren. Bevor man komplette Freiheit erreicht, muss man Britney Spears spielen. Das bedeutet, man muss zuerst die Hits und Klassiker bringen, weil sie funktionieren und einem Vertrauen einbringen. Dann kannst du experimentieren. Man muss die Leute für sich gewinnen, bevor man obskure, ultracoole Karten spielen kann.

KH: Vetements sind für mich die Britney Spears der Mode. Sie spielen alle Klassiker, aber genau das erscheint den Konsumenten obskur. Wie schaffen die das?

AA: Ich bin mit den Designern befreundet. Objektiv betrachtet haben sie das obskure von einst in einen Kontext versetzt, den jeder dank Mainstreamlogos und Alltagsreferenzen nachvollziehen kann. Das macht Vetements vertraut, aber doch etwas sonderbar und obskur, hier allenfalls vergleichbar mit dem Begriff des Unheimlichen bei Sigmund Freud.

KH: Kaufen Sie selbst viel Kleidung?

AA: Ich finde Kleidung zu kaufen derzeit schwierig. Ich versuche meine Freunde zu unterstützen und ihre Sachen zu kaufen, aber meistens lande ich bei Klassikern wie Diesel, kleinen Skatemarken oder, wenn ich mich fein mache, Dries van Noten. Ich mag Dries, besonders seine Hosen, weil man ihnen sofort ansieht, dass es Designerstücke sind, und sie trotzdem unkommerziell sind in dem Sinne, dass nicht jeder sofort weiß, was man trägt.

KH: Was für Schuhe tragen Sie?

AA: Ich habe viele jahre lang klassische Lederschuhe getragen, bis mir jemand ein Paar Nikes geschenkt hat. Ich dachte mir: „muss das sein?“ aber sobald ich sie anzog, oh mann, die sind so bequem!

KH: Sie haben Ihre Seele verkauft!

AA: War leider geil.



Interview: Katja Horvat

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