"Es war wie auf einem anderen Planeten"

Susanne Krammer im Gespräch mit Amanda Wall, Creative Director von „R+Co“.

Amanda Wall | © R+Co

Susanne Krammer: Wie wurden Sie Creative Director der Haarpflegelinie „R+Co„?

Amanda Wall: Eigentlich durch Zufall.Das war 2013. Ich habe damals in L.A. gelebt und hatte gerade eine Modelagentur gegründet. Eine für einzigartige Mädchen, eher atypisch für den klassischen L.-A.-Look. Ich hatte schon mit Howard McLaren gearbeitet, als ich selbst noch modelte. Er war der Creative Director und einer der Gründer der Marke „Bumble and Bumble“. Er verließ „Bumble and Bumble“, um eine neue sehr luxuriöse Haarpflegemarke zu gründen, und holte mich ins Boot. Eigentlich als Art Director für Casting und Styling bei Fotoshootings, aber als er mir das gesamte Konzept zeigte, wusste ich einfach, dass es total falsch war. Es hat sich einfach alles falsch angefühlt. Und obwohl ich weder als Grafikerin noch als Produktdesignerin Erfahrung hatte, habe ich eine Woche später ein komplettes Konzept vorgelegt. Erst mal nur ein grobes, aber von diesem Augenblick an nahm dann alles seinen Lauf.

S K : Hatten Sie sich zuvor mit Haarpflege beschäftigt?

A W : Überhaupt nicht. Ich mache kaum etwas mit meinen Haaren. Wasche sie einmal pro Woche. Es gibt ein paar R+Co-Produkte, die ich liebe. Mittlerweile frage ich mich sogar, wie ich je ohne die leben konnte.

S K : Welche sind das?

A W : „Vicious“ liebe ich vom Design her. Ich liebe die Fotografie der Siebziger von Guy Bourdin und rote Nägel. Mein absolutes Lieblingsprodukt ist allerdings „High Dive“, das ist perfekt für meine dicken, blondierten Haare.

S K : Haben Sie sich schon immer Namen für Ihre Shampoos ausgedacht?

A W : Das Erfinden von Namen hat mir immer Spaß gemacht. Aber eher so für Haustiere, die ich nie haben werde. Oder hypothetische Marken, die es nie geben wird. Shampoonamen habe ich mir vorher nie ausgedacht. Es fasziniert mich immer wieder, wie viel Power in einem Namen steckt.

S K : Modeln Sie noch?

A W : Beizeiten. Wenn ein Label auf mich zukommt, das mir wirklich gut gefällt, dann mache ich das gern. Ich lasse mich sehr gern fotografieren.

S K : Momentan sind Sie auf einem der 25 Cover der Jubiläumsausgabe des Magazins „Purple“ zu sehen.

A W : Das ist eine gigantische Ehre. Das „Purple“-Magazin war immer meine liebste Zeitschrift. Es ist fast schon surreal, dass ich auf dem Cover gelandet bin, neben all den fantastischen Künstlern, die ebenfalls an dieser Ausgabe mitgewirkt haben. Das ist zwar nicht das erste Mal, dass ich auf einem Magazincover bin, aber es hat mich noch nie so gefreut.

S K : Die meisten Kosmetikmarken setzen auf reduziertes Design. Warum wollen Sie das Gegenteil?

A W : Ich wollte etwas vollkommen anderes machen. Alle Marken haben entweder diese minimalistischen Flaschen, oder es sieht aus, als wäre es direkt aus dem Labor mit Zwischenstopp in einer alten Apotheke in den Badezimmerschrank gewandert. Ich wollte nicht eine weitere Flasche im Bad sein. Ich wollte, dass sich unsere Kunden mit dem Design auseinandersetzen, ich will sie berühren.



#covergirl in @prada for the 25th year of @purplefashionmagazine

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S K : Die Bilder auf den Tuben und Flaschen sind ja fast wie ein persönliches Reisetagebuch.

A W : Die Hände auf der Dose von „Vicious“, dem Haarspray, sind meine eigenen. aber mit abstand das emotionalste ist das Bild auf „Death Valley“. Howard McLaren und ich sind damals zum Zabriskie Point gefahren. Ich war zuvor noch nie dort gewesen und war einfach nur überwältigt. Die Landschaft und die heiße luft, es war wie auf einem anderen Planeten.

 

 

Fotos: © R+Co

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