Darf eine Künstlerin so aussehen?

Jeanette Hayes hat blondes Haar; so blond, dass es blendet. Sie sieht gar nicht aus, wie man sich eine Malerin vorstellt. Oder wie es ein Redakteur des „Playboy“ formulierte: „Your Rapper’s Favorite Painter“

Jeanette Hayes | Courtesy of Jeanette Hayes

Wir trafen uns an einem Sonntagnachmittag im Elizabeth Street Garden in SoHo, New York. Paare turtelten im goldenen Licht, irgendwo auf dem Rasen wurde Gitarre gespielt.

KATJA HORVAT: Frau Hayes, was finden Sie schön an den blonden, glupschäugigen Schulmädchen mit ihren langen Beinen?

JEANETTE HAYES: Es fing damit an, dass ich mich mit Willem de Kooning beschäftigt habe. Dabei fielen mir Ähnlichkeiten auf zu den Frauendarstellungen in den „Sailor Moon“-Comics von Naoko Takeuchi – rein optisch. Ich fand heraus, dass de Kooning einen längeren Studienaufenthalt in Japan verbracht hatte. Die Ähnlichkeiten, nahm ich an, konnten also kaum auf einem Zufall basieren. In ersten Zeichnungen habe ich versucht, die Stile von Willem de Kooning und Naoko Takeuchi miteinander zu kombinieren. Daraus ist dann diese Serie von Gemälden mit dem Übertitel „DeMooning“ entstanden, in der ich jede Figur aus der Frauenserie von Willem de Kooning mit einer Figur aus „Sailor Moon“ zusammenbringe.

Bild: Courtesy of Jeanette Hayes

K H: Welche Rolle spielt Sexualität in Ihrem Werk?

J H: Auf Anhieb – null.

K H: Ich finde Ihre Bilder aufgeladen mit Sexuellem; mit dieser neuen Art von Softpornsex, der sich so gut mit Instagram verträgt.

J H: Komisch, dass Sie das jetzt sagen. Genau so habe ich das neulich schon einmal gehört. Das war in Los Angeles, es ging um die „Sailor Moon“-Girls. Mir kommen die überhaupt nicht sexuell vor. Und in L.A. sagte dieser 60-jährige Mann zu mir: „Warum malen Sie bloß die flotten Käfer?“ Mir fehlten die Worte.

K H: Vermutlich ist es bei mir ähnlich. Ich bin damit nicht aufgewachsen. Ich habe Zeichentrickpornos erst spät für mich entdeckt.

J H: Wie – Porno? Nein, nein: Für mich sind das selbstbewusste Frauen, die sich nichts gefallen lassen. Stark und weiblich wirken sie auf mich. Ich glaube überdies, dass es eher ältere Männer sind, die in meine Bilder etwas hineinprojizieren. In unserem Mainstream gibt es real existierende Stars, wie beispielsweise Nicki Minaj oder Blac Chyna. Popkultur ist sexy Kultur. Wenn ich das thematisiere, sehen die Bilder halt auch so aus. In einer meiner Zeichnungen explodiert eine Frau sogar, weil sie derart heiß ausschaut.

K H: Wie kommt es, dass Ihre Zeichnungen erotisierend auf mich wirken, Ihre Gemälde eher nicht?

J H: Bei den Zeichnungen beschäftige ich mich intensiv mit den Details. Hinzu kommt, dass der Pinsel eher streichelnde Berührungen ausführt, der Stift hingegen hat eine präzise Spitze. Also geht meine intensive Beschäftigung dann auch punktgenau in die Gestalt dieser körperlichen Details ein, und das wiederum teilt sich dem Betrachter mit – als ob ich mich ihnen als Liebhaber gewidmet hätte mit meinem Stift.

© Jeanette Hayes

von Katja Horvat

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