"Sie sind also Gott, Mr. DeMarco?"

Der erfreulich seltsame Singer-Songwriter Mac DeMarco begeht seinen Umzug nach L. A. mit einem sonnigen neuen Album namens „This Old Dog“.

Mac DeMarco | Foto: Getty Images

Raha Emami Khansari: Sie haben kürzlich New York verlassen und sich in Los Angeles ein Haus gekauft. Warum?

Mac DeMarco: Keine Ahnung! Manchmal wache ich morgens auf und denke mir: „Warum lebe ich hier eigentlich?“ Es ist zumindest etwas günstiger als New York.

REK: Und wärmer, aber dafür müssen Sie überall mit dem Auto hinfahren. 

MDM: Das wäre der Fall, wenn ich das Haus verlassen würde. Aber das mache ich eigentlich so gut wie nie. Mein Studio habe ich zu Hause, und alles andere kann man sich ja heutzutage per Internet bestellen.

REK: Normalerweise ziehen Leute nach L. A., um berühmt zu werden und nicht, um den ganzen Tag zu Hause zu sitzen.

MDM: Meist hocken die dann aber am Ende doch nur daheim und trauern ihren zerbrochenen Träumen hinterher.

REK: Sie haben ja auch erst kürzlich Ihr Schauspieldebüt gegeben.

MDM: Na ja, schauspielern würde ich das jetzt nicht nennen. Ich hatte keinen Text und war etwa fünf Sekunden im Bild.

REK: Aber immerhin spielen Sie Gott! 

MDM: Das wusste ich vorher überhaupt nicht. Meine Freundin Zia Anger, die Regisseurin, hat mir nur gesagt, dass ich eine Frau mit meinem Van überfahren soll, und das habe ich dann auch gemacht.

Mac DeMarco: “Ich bringe diese ganze Midlife-Crisis-Chose jetzt im Schnelldurchlauf hinter mich”
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REK: Interessante Gott-Interpretation. 

MDM: Ich glaube, sie wusste es vorher auch nicht und hat mir nachträglich diese Gott-Rolle zugeschrieben.

REK: Dann müssen Sie ja in den fünf Sekunden sehr beeindruckt haben. Vielleicht wird es doch noch was mit Hollywood, wenn Sie denn das Haus verließen.

MDM: Bis vor Kurzem lebten auch noch ein paar Mitglieder der Band in L. A., für die hätte ich das Haus auch verlassen. Jetzt sind aber alle weggezogen, und ich bin da. Das ist etwas bescheuert.

REK: Das ist eine Generationskrankheit: Die Leute ziehen einfach zu oft um.

MDM: Ja, und ich kann mich da auch nicht rausnehmen. In der Regel halte ich es nicht länger als drei Jahre an einem Ort aus.

REK: Dabei wirken Sie mit Ihren 26 Jahren schon relativ angekommen.

MDM: Ja, bin ich auch. Aber dann denke ich auch: Und was nun?

REK: Haben Sie eine Quarterlife- Crisis?

MDM: Könnte man sagen. Ich habe mir überlegt, ich bringe diese ganze Midlife-Crisis-Chose jetzt im Schnelldurchlauf hinter mich, indem ich mir eine Harley besorge und mir passend dazu den gesamten Körper tätowieren lasse. Eben all die Dinge tue, die Dads in ihrer Midlife-Crisis anstellen. Und wenn ich dann tatsächlich das Alter erreiche, in dem ich eigentlich meine Midlife-Crisis hätte haben sollen …

REK: … sind Sie total Zen.

MDM: Nein, im Gegenteil: Dann drehe ich vollkommen durch und unterziehe mich irgendwelcher Hauttransplantationen, um wie ein Kobold auszusehen. 

REK: Das verstehe ich nicht. Aus welchem Grund mutieren Sie dann zum Kobold?

MDM: Aus Verwirrung. Weil ich das Motorrad, den Jetski und all die anderen Dinge, die man sich in der Midlife-Crisis anschafft, bereits besitze. 

„This Old Dog“ ist bereits erschienen.

von Raha Emami Kansari

25.04.2017 | Kategorien Interviews, Musik | Tags ,