Wie lief’s im Copyshop, ROMANO?

Musiker und Rapper ROMANO über den Alltag im Copyshop, Würzfleisch und Respekt vor dem anderen.

ROMANO | ©Bella Schwarz

LAURA EWERT: Wir sitzen im Kaffee Liebig in Köpenick. Können Sie hier was empfehlen?

ROMANO: Das Würzfleisch natürlich, schön mit Worcestersauce. Das können wir mit einem Sektchen abrunden. Und dann Schwedeneisbecher – Vanilleeis, Eierlikör.

LE: Sehr gut. Ihr neues Album heißt „Copyshop“. Haben Sie eigentlich wirklich in einem Copyshop gearbeitet?

ROMANO : Ja, bis 2013 habe ich in den verschiedensten Copyshops gearbeitet: Kiezding an der Ecke, zweitägig mit SB-Bereich, alles. Digitaldruck, Nuten, Stanzen, Lochen. Bin vom Leim high geworden. Aber ich bin eher der Kundentyp. Mich hat immer interessiert, wer kopiert da was und warum?

LE: Und was haben die Leute kopiert?

ROMANO: Einer hat über drei Jahre ein Drehbuch zusammenkopiert. Dustin Hofman sollte die Hauptrolle spielen, einen Schneekönig. Einer kam immer mit Atlas und Toilettenpapier, hatte Schnupfen. Zum Ferienbeginn kamen Kids, um ihre Zeugnisse zu fälschen. Auch Geld sollte kopiert werden. Jeder versucht da sein Ding zu machen, kopieren, was das Zeug hält. Die Nachfrage ist immens.

LE: Menschen sind Ihr Ding. Sie gehen nach den Shows oft runter zum Merchandising-Stand. Warum?

ROMANO: Ich bin interessiert. Man kann mir ruhig erzählen, ob man Papa geworden ist oder so.

LE: Und wie hat das in Hongkong funktioniert, wo Sie gerade ein Video gedreht haben?

ROMANO: Ich habe mit denen einfach Deutsch gequatscht. Es geht darum, Respekt vor einer anderen Sprache und Kultur zu haben, aber sich zu trauen, auf Konventionen zu pfeifen. Ich bin mit den Menschen da so umgegangen wie hier in Köpenick: lockere Lässigkeit, verschmitztes Frechdachslächeln statt Angst vor Andersartigkeit. Damit kannst du nicht verlieren.

 

von Laura Ewert

10.10.2017 | Kategorien Interviews, Musik | Tags , , ,