Spitzenkoch Yossi Elad über sein Pop-Up-Restaurant

Vom 17. Oktober an wird die ohnehin schon beneidenswert üppige Restaurantkultur Frankfurts durch ein Pop-Up-Restaurant bereichert: Yossi Elad, ein Star der Israelischen Cuisine übernimmt den Club Michel. Das Telefonat mit dem beinahe Siebzigjährigen kommt nach einigen Wirrungen zustande. Immerhin läuft auf seinen diversen Telefonanschlüssen eine aufmunternde Pausenmusik. Plötzlich aber knallt es, dann schabt der Wind über die Muschel und der Meister ist dran.

Joachim Bessing: Was machen Sie gerade?

Yossi Elad: Ah, das will ich Ihnen lieber gar nicht sagen – ich sitze an meinem Pool. Mit den Beinen im Wasser. Ich genieße die Sonne.

J B: Aha? Ich dachte, Köche stehen früh auf, gehen auf den Großmarkt und arbeiten dann noch 18 Stunden am Herd!

Y E: Naja, gut. Aber ich bin jetzt nicht direkt in Rente, aber ich arbeite auch nicht mehr so viel im Restaurant. Ich kann machen, was ich will.

J B: Sie Glücklicher! Und jetzt kommen Sie für ein paar Wochen ins schöne Frankfurt, wie ich höre.

Y E: Marc Grünbaum von der jüdischen Gemeinde hatte von mir gehört, er schlug mir ein Pop-Up Restaurant im Bahnhofsviertel vor. Ich sagte sofort zu!

J B: Haben Sie denn schon häufiger in anderen Ländern gekocht?

Y E: Aber sicher! Ich habe ja auch ein Restaurant in London, das Palomar. Ich werde demnächst auch einen Imbißstand auf dem Camden Market eröffnen. Und gekocht habe ich schon bei Gastauftritten in Portugal, in Spanien, in New York, in Bogota, in Washington – beinahe überall auf der Welt.

J B: Was macht ihre Kochkunst einzigartig?

Y E: Nun, Israel ist ein junges Land mit einer jungen Kultur. Wir versuchen hier eine Fusion aus der Küche des Mittleren Ostens mit den Spezialitäten aus Italien und Frankreich.

J B: Was kommt dabei heraus?

Y E: Ich erzähle Ihnen eine Geschichte: einmal war ich in Frankreich und da wurde ich aufgefordert, ein Ratatouille zuzubereiten. Das ist ja ein, wie man weiß, extrem traditionelles Gericht. Ich habe es auf eine andere Weise gekocht. Der Chefkoch kam zu mir und sagte: Seit vierhundert Jahren steht die Rezeptur des Ratatouille fest. Warum haben Sie sich nicht daran gehalten? Na ja. Was sollte ich da sagen? Ein ander Mal ging es um mein Hummus. Kennen Sie Hummus?

J B: Ja, ist mir bekannt.

Y E: Okay, dann passen Sie mal auf: Ich hatte damals das Hummus aus Macadamianüssen püriert. Mit ein bißchen Kokosnußöl, ein bißchen Mandelöl auch. Das ergibt ein delikates Hummus!

J B: Mannoman! Verwenden Sie Orangenschale in Ihrem Ratatouille?

Y E: Ja, das mache ich tatsächlich.

J B: In Nizza sagen die Leute, wer Orangenschale ins Ratatouille rührt, kommt aus dem Mittleren Osten. Ins französische kommt Zitronenschale. Wie werden Sie die Hessische Küche verfeinern? Haben Sie Pläne für die Grüne Sauce?

Y E: Grüne Sauce steht auf meinem Plan. Sie heißt: Grüne Sauce My Way. In Frankfurt werde ich jeden Tag ab zehn Uhr morgens in der Küche stehen. Wissen Sie, es war ja von Kindheit an mein Traumberuf, Kochen zu können. Anfangen mußte ich leider als Hotelmanager. Das habe ich nicht lange ausgehalten, also habe ich gekündigt und einen Cateringservice aufgemacht. Dann ein kleines Restaurant, dann noch eines. Immer so weiter ging es für mich bergauf.

Interview: Joachim Bessing

Jüdische Kulturwochen x IMA x Machneyuda x Club Michel

Pop-Up mit Yossi „Papi“ Elad

17.10. – 28.10.17 ab 18 Uhr (freitags spezielles Shabbat-Dinner, sonntags geschlossen)

von Joachim Bessing

16.10.2017 | Kategorien Food, Interviews | Tags ,