SUCUK UND BRATWURST

Im nichtexistenten Wettbewerb um den dämlichsten Firmennamen liegen diese vier jungen Herren ganz vorn. Und mit ihren graphischen Ideen noch sehr viel weiter. Protokoll eines Gesprächs mit den vier Designern von Sucuk und Bratwurst, die übrigens auch das Logo der diesjährigen Bread & Butter gestaltet haben.

Alessandro Belliero, David Gönner, Denis Olgac und Lukas Olgac von Sucuk und Bratwurst

„Dadurch, dass wir uns schon seit dem Kindergarten kennen, funktioniert die Verständigung bei uns auch ganz gut, ohne dass wir viel reden müssten.“

„Deswegen reden wir eigentlich nie.“

„Im Kindergarten haben wir uns bei Küsspolizei kennen­ gelernt. Wir waren in der Marienkäfergruppe.“

„Wir haben immer als Crew abgehangen, auch weil wir irgendwann mit Graffiti angefangen haben.“

„Wir haben immer alle das Gleiche gemacht. Wir haben gleichzeitig mit Graffiti angefangen. Und so ging es weiter. Graffiti kann man nur machen mit Leuten, denen man vertraut. Jeder hat seine Auf­gabe: Einer passt auf und checkt, ob da einer kommt. Das funktioniert nur im Team. Da wir uns so lange kennen, ver­trauen wir einander. Das haben wir ins Berufsleben ein­fach mitgenommen. Ich weiß genau, was David, Lukas und Denis denken. Wenn wir ein Projekt erarbeiten, kommen wir sehr schnell, sehr oft auf eine gemeinsame Idee. Wenn nicht, dann können wir uns zumindest schnell einigen. Gestritten wird grundsätzlich nicht.“

“Wir sind wie vier Köpfe eines Körpers.”
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„Ursprünglich waren wir zu fünft. Ursprünglich haben wir als Blog angefangen und haben darauf nur gezeigt, worauf wir Bock hatten. Ohne viel nachzudenken. Das erste Geld haben wir mit einem Flyer verdient. Da war ein Satellit drauf. Für den Entwurf gab es 150 Euro: ‚Jetzt läuft’s, lass’ durch vier teilen.‘ So haben wir angefangen. Wir lagen auf dem Boden mit den Laptops, haben Yoga gemacht und für fast kein Geld gearbeitet. Für gar kein Geld auch. Irgendwann lohnt sich das. Auf jeden Fall war das eine wichtige Zeit für uns. Mittlerweile lehnen wir auch oft Aufträge ab. Wenn ein Kunde kommt, für den wir gerne arbeiten würden, sind wir alle gleichermaßen euphorisch gestimmt. Wenn uns etwas seltsam vorkommt, entscheiden wir nach Geld. Mit Freunden zu arbeiten ist ein Privileg. Natürlich macht man manchmal auch Jobs, auf die man nicht so Lust hat. Aber die muss man ja auch nicht zeigen. Im Endeffekt müssen wir auch Miete zahlen. Aber es kann nur noch besser werden. Wenn es größer werden sollte, müssen wir anfangen, Arbeit abzugeben. Dann müssen wir Leute suchen, mit denen wir gerne zusammenarbeiten. Wir bekommen jetzt schon Bewerbungen, aber momentan wollen wir das noch nicht. Wir haben bei null angefangen und uns alles selbst erkämpft. Von daher wäre es cool, wenn wir Praktika anbieten würden. Aber da wir uns schon so lange kennen, bleibt es schwer, sich vorzustellen, wie sich die Stimmung verändern könnte, wenn dann ein Fremder dazukommt. Das könnte Veränderungen bringen. Wir sind wie vier Köpfe eines Körpers. Frischer Wind wäre nicht schlecht. Aber man müsste vorher mit der Person länger abhängen, sonst klappt das nicht. Um herauszufinden, ob die uns versteht. Den Humor. Der ist das Wichtigste.“

@sucukundbratwurst bei Instagram

„Der Ort ist für unsere Arbeit nicht wichtig. Mainz hat sich ergeben. Eigentlich hält uns dort nichts. Es hat aber Vorteile, in Mainz zu arbeiten. Es gibt wenig Ablenkung. Das schafft auch Nachteile: Man bekommt wenig Inspiration. Um durch Mainz zu laufen braucht man eine halbe Stunde. Der Eindruck, den man von den Mainzern dort bekommt, ist, dass sie alle krass auf den Kopf gefallen sind. Man hat das Gefühl, die Mainzer sind verschlossen. Wir gehen eh nicht feiern, aber der letzte Club von Mainz wurde soeben geschlossen. Um ein Uhr gibt es nichts mehr zu essen.“

„Wir waren viel im Internet unterwegs.“

„Der hochglänzende Render-Look setzte sich gerade durch. Den wollten wir auch hinbekommen. Wir haben uns die Freeware Blender geladen, die Ergebnisse waren okay, aber noch nicht ganz so wie auf den Bildern, die wir kannten. Dadurch haben wir uns intensiv mit dem Programm beschäftigt; generell mit 3D-Grafiken. Damit fing alles an. Wir würden unsere Grafiken auch gerne als Skulpturen herstellen lassen, aber das ist sehr teuer. Selbst für Objekte, die nicht sonderlich kompliziert sind, gehen zwei bis drei Tausender weg. Die muss man erst einmal reinbekommen. Denis zum Beispiel will Schilder produzieren lassen, die fünf Meter breit sind. Die würden uns 3000 Euro pro Stück kosten. Dafür suchen wir noch Sponsoren. Auf den Schildern soll stehen ‚I am on my way.‘ Ich weiß, das bringt uns wahrscheinlich nichts. Aber manchmal muss man etwas einfach machen.“

Das diesjährige Logo der Bread & Butter

Eines der Dinge, die Alessandro, David, Denis und Lukas von Sucuk und Bratwurst gemeinsam entworfen haben, ist das Logo der Bread & Butter 2018, der Modemesse unter der Regie von Zalando, die in diesem Jahr vom 31. August bis zum 1. September in der Arena Berlin stattfindet. „Das Logo sollte einfach mega Berlin sein. Wir haben die Stadt in unserem Style dargestellt.“ Dabei herausgekommen sind die zwei Et-Zeichen der Bread & Butter, gemacht aus den blauen und pinken Wasserrohren, die überall auf Berlins Baustellen zu sehen sind – Graffiti natürlich inklusive.

Das diesjährige Programm der Bread & Butter finden Sie hier, die Website von Sucuk und Bratwurst hier.

Dieses Interview ist zuerst in unserer September-Issue erschienen.