Tilda Swinton
exklusiv für Interview Magazine Germany

Ein Tag mit Tilda: Aus den schottischen Highlands kam Tilda Swinton, Oscarpreisträgerin und Chamäleon der Mode, nach Paris. Dort haben wir sie getroffen. Und in den Straßen des 9. Arrondissements exklusiv fotografiert.

Tilda Swinton für Interview Magazine Germany

Tilda Swinton, blass, elegant und bestens aufgelegt, ist ein seltenes Wesen. In den letzten 20 Jahren hat sie eine fast unüberschaubare Anzahl von Filmen gedreht und ist leisen Schrittes von der Arthouse-Legende zum Hollywoodstar avanciert (auch wenn sie sich selbst nie als solchen bezeichnen würde). In der Mode verehrt man sie nicht weniger, denn Swinton, 56, liebt es ausgefallen. Ihr extraterrestrisches Aussehen und ihre modelhafte Gestalt haben sie zur Muse der Modeschöpfer werden lassen. Auf Swinton können sich von Chanel bis Lanvin alle einigen.

In Paris, an einem Tag im April, lässt sich Tilda Swinton exklusiv für die deutsche Interview fotografieren. Swinton, sehr freundlich, sehr einnehmend, trägt die ehemals roten Haare weiß blondiert zur tatsächlich sehr hellen Haut. Altersmäßig, sagt sie, würde sie sich irgendwo zwischen elf und 99 verorten. In ihrem neuen Film „Okja“, der dieser Tage in Cannes Premiere feiert und anschließend auf Netflix laufen wird, spielt Swinton Lucy Mirando, die neurotische Chefin eines globalen Riesenkonzerns. Wie so oft ließ sich Swinton dafür radikal auf den Kopf stellen: wasserstoffblonde Bob-Perücke, falsche Zähne, pastellfarbene Kostüme. Als sie und ihr Kollege Jake Gyllenhaal den Film vergangenes Jahr in den USA drehten, fand in Cleveland gerade der Parteitag der Republikaner statt, auf dem sich Donald Trump zum Präsidentschaftskandidaten küren ließ. „Ich stand in meiner Mittagspause vor dem Fernseher, mit Lucys glänzend blondem Haar auf dem Kopf. Ich trug ihre kostspielig makellosen Zähne und ein blütenweißes Kleid – halb Spa-Manager, halb Barbiepuppe. Auf dem Bildschirm wurde Donald Trumps Tochter in fast identischer Verkleidung von der Menge bejubelt.“

Man könnte vermuten, dass eine Frau, die von weitem so geheimnisvoll wirkt wie Tilda Swinton, ein exzentrisches Leben führt. Das Gegenteil ist der Fall. Mit ihrer Familie lebt Swinton in den schottischen Highlands, wo ihr Alltag aus Aktivitäten zu bestehen scheint, die im weitesten Sinne mit Hunden, Hühnern und Kindern zu tun haben. Für uns hat sie sie akribisch aufgelistet:

 

  • Hühner aus dem Stall lassen
  • Tee trinken
  • mit den Hunden am Strand laufen
  • zur Schule fahren
  • Essen kaufen
  • den Kopf über das Chaos im Zimmer des Sohnes schütteln
  • Schulkonferenzen
  • stundenlang am Telefon Reiseverkehr verhandeln
  • stundenlang am Telefon Geldverkehr verhandeln
  • Unterhaltungen mit Freunden und Kollegen, entweder am Küchentisch, über eine Mauer oder per Skype
  • E-Mails schreiben
  • andere Dinge als E-Mails schreiben
  • längere Zeiträume planen, um ohne Ablenkung zu schreiben (werden praktisch nie realisiert)
  • Regale und Schubladen ausmisten
  • Eier einsammeln
  • Kinder einsammeln
  • Hennen, Hunde, Kinder,  Schildkröte füttern
  • auf der Treppe/im Garten/im Studio/anderswo mit dem Liebsten reden
  • mit den Hunden den Hügel hinauflaufen
  • Dinge in den Garten pflanzen
  • Dinge aus dem Garten reißen
  • manche davon kochen
  • mit den Kindern herumliegen
  • Hühner ins Bett bringen
  • Hunde ins Bett bringen
  • Filme schauen
  • Licht ausschalten

Das vollständige Feature und die gesamte Fotostrecke mit Tilda Swinton erscheint in der Sommerausgabe der Interview, die hier erhältlich ist.

Fotos ANDREA SPOTORNO

Styling JERRY STAFFORD

Haare LAURENT PHILIPPON/CALLISTE AGENCY

Make-up: SAM BRYANT/BRYANT ARTISTS

Produktion BIRD PRODUCTION

Digital Operator FLORENT BRUNEL

Foto-Assistenz PETE HAWK

Styling-Assistenz FIONA HICKS

Text FRAUKE FENTLOH

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