Lily Allen:
Warum werden Sie eigentlich ständig missverstanden?

Lily Allen, 29, braucht endlich eine Band, damit sie nicht immer allein Interviews geben muss.

Lily Allen: “Ich mache nie pläne. Fragen Sie mein team. Ich kann Ihnen vielleicht sagen, was ich morgen mache, aber danach? KeInen Schimmer!”
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Interview: Ich hätte Ihnen gern unsere Ausgabe mit Cara Delevingne auf dem Cover mitgebracht. Leider hatte ich sie nicht zur Hand …

Lily Allen: Witzig!

Interview: In Ihrem Song Insincerely Yours beschweren Sie sich, dass Magazine immer über die gleichen langweiligen Leute berichten, die nichts zu erzählen hätten.

Allen: Ja, das ist das Showgeschäft.

Interview: Wie geht man damit um?

Allen: Ach, keine Ahnung. Ich meine, ich liebe meinen Job und habe wirklich Glück, etwas zu tun, was mich kreativ zufriedenstellt. Nebenbei verdiene ich damit auch noch Geld – das ist doch super! Selbst wenn man mich nicht dafür bezahlte, würde ich dasselbe machen. Ich bräuchte dann bloß einen zweiten Job. Aber wenn man bei einer Plattenfirma unterschrieben hat, bleibt es nicht bei der Musik. Man geht Verpflichtungen ein, und dann muss man all diese Dinge machen.

Interview: Sie haben fünf Jahre kein neues Album veröffentlicht. War es gut, eine Pause einzulegen?

Allen: Oh ja. Keine Ahnung, ob es in geschäftlicher Hinsicht gut war. Ich habe geheiratet und zwei Kinder bekommen, und das war mir ehrlich gesagt wichtiger als meine Karriere.

Interview: Und dann dachten Sie, dass es an der Zeit sei, sich wieder um Ihre Geschäfte zu kümmern.

Allen: Meine ältere Tochter war ziemlich krank, als sie zur Welt kam. Sie verlor Gewicht und musste sieben Monate lang künstlich ernährt werden. Das war natürlich schrecklich, und ich habe kaum Schlaf bekommen. Ich weiß, die meisten Eltern von Babys bekommen nur wenig Schlaf, aber bei mir war es noch extremer, weil ich mir auch die ganze Zeit Sorgen gemacht habe. Als es ihr besser ging, sie anfing, selbst zu essen, und endlich zunahm, meinte mein Mann, dass ich einfach mal wieder vor die Tür gehen müsse, und sei es nur für ein paar Stunden. Ich musste einfach wieder zu mir selbst finden. Ich war damals eine neurotische, ängstliche Mutter. Es war also nicht so, dass ich dachte: „Yeah, da bin ich wieder!“ Für mich war einfach nur wichtig, dass ich wieder schreibe.

Interview: Die fünf Jahre Pause waren also nicht geplant.

Allen: Oh nein, ich mache nie Pläne. Fragen Sie mein Team. Ich kann Ihnen vielleicht sagen, was ich morgen mache, aber danach? Keinen Schimmer.

Interview: Wie schön, dass Sie einem Job nachgehen, in dem man Assistenten hat.

Allen: Nicht wahr?

Interview: Haben Sie eine Ahnung, warum Sie ständig missverstanden werden? Die Songs sind ja in ihrer Bedeutung ziemlich klar.

Allen: Sehe ich auch so. Und doch muss ich ständig alles erklären. Dabei rede ich nicht besonders gern über meine Musik. Und über mein Privatleben rede ich auch nicht so gern. Deswegen fällt es mir schwer, über irgendwas zu reden (lacht). Dazu kommt, dass ich in England Futter der Regenbogenpresse bin. Alles, was ich sage, wird automatisch zu einer großen Geschichte aufgeblasen, und das ist … Ich meine, selbst meine Erklärung, warum ich nicht gern über mich oder meine Arbeit rede, klingt irgendwie, als würde ich mich selbst rasend wichtig nehmen, und wie sollte es auch anders sein, wenn man mich den ganzen Tag nach meiner Sicht der Dinge fragt? Dabei ist meine Sicht der Dinge eigentlich komplett unerheblich. Aber wie soll man damit umgehen, wenn man gefragt wird? Soll man nicht antworten? Ich brauche eine Band.

Interview: Ja! Lassen Sie den Schlagzeuger reden! Stammt das Wort „Sheezus“ eigentlich von Ihnen?

Allen: Ja, ich glaube, ich habe es erfunden.

Interview: Wobei ich nicht weiß, wieso es nicht schon vor Jahrzehnten erfunden wurde …

Allen: Es geht auf Kanyes „Yeezus“ zurück.

Interview: Naheliegender ist doch „Jesus“?

Allen: Ja. Zumal das „Sheezus“ nach der langen Pause meine Wiederauferstehung ist. Und das Album kam ja zu Ostern raus, haha.

 

Lily Allens SHEEZUS (Warner) ist bereits erschienen

 

Von Harald Peters 

 

 

22.07.2014 | Kategorien Interviews, Musik | Tags , , , , ,

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