"Ich liebe
Superheldenfilme!"

Die Erwartungen an HBO’s neueste Serie „Westworld“ sind hoch, die Show wird unter anderem als Nachfolger der Über-Serie „Game of Thrones“ gehandelt. Daher sind nun alle Augen auf Hauptdarstellerin Evan Rachel Wood gerichtet. Wir trafen die 29-Jährige zum Interview.

Foto: Rachel Chandler | Styling: Avena Gallagher | Cape: Rick Owens - Top: Hanes

Sie denken vielleicht, dass Sie Evan Rachel Wood nicht kennen. Nun, wir denken, dass Sie sich da irren. Sie war Larry Davids jugendliche Gattin in Woody Allens Whatever Works, die Freundin von Ryan Gosling in George Clooneys The Ides of March, die herausragend durchgedrehte Vampirkönigin Sophie-Anne Leclerq in True Blood und die Tochter von Mickey Rourke in The Wrestler – um nur einen Bruchteil möglicher Beispiele zu nennen. Dämmert es?

Foto: Rachel Chandler | Styling: Avena Gallagher | Mantel: Eckhaus Latta - Hose: Vaquera

Seit die 29-jährige US-Amerikanerin im Alter von fünf ihre Schauspielkarriere begann, hat sie es geschafft, ausnahmslos bei guten Projekten mitzuwirken. Ihre neue fantastische Serie Westworld ist da keine Ausnahme. In Anlehnung an Michael Crichtons gleichnamigen Science-Fiction-Klassiker aus dem Jahr 1973 spielt sie darin die robotisierte Farmerstochter Dolores, die in einer Westernwelt die Besucher eines Freizeitparks mit ihrem sonnigen Gemüt unterhält, bis es nicht nur auf ihrer Festplatte zu gewissen Ungereimtheiten kommt. Wir haben uns mit Evan Rachel Wood über das Leben menschlicher Maschinen und die Maschinenhaftigkeit von Menschen unterhalten.

Interview Für Schauspieler ist es ja oft ein ganz seltsamer Moment, wenn sie sich die Projekte, für die sie Wochen und Monate vor der Kamera standen, zum ersten Mal selbst ansehen. Hatten Sie denn schon Gelegenheit, sich Ihre neue Serie Westworld anzuschauen?

Evan Rachel Wood Ja, das hatte ich.

Interview Und?

Wood Großartig! Bis jetzt habe ich nur die ersten drei Episoden gesehen und bin gespannt, wie es weitergeht. Ich meine, ich weiß ja, was passiert, weil ich mitgespielt habe, aber ich weiß noch nicht, wie das Ganze aussieht.

Interview Verglichen mit dem Vorbild – Michael Crichtons Film von 1973 mit Yul Brynner – hat die Serie deutlich mehr Ebenen. Ein klassisches Remake ist die Serie jedenfalls nicht.

Wood Absolut. Das Original ist ein großartiger Ausgangspunkt, der Film hat sozusagen die Grundlage geschaffen. Aber die Serie ist viel weiter gefasst und düsterer und intellektueller und existenzieller und furchterregender.

Interview Westworld erzählt von einem Vergnügungspark in Westernweltoptik, in dem man Umgang mit menschenähnlichen Robotern hat. Man kann sie erschießen, Sex mit ihnen haben, praktisch jede Fantasie an ihnen ausleben, die einem in den Sinn kommt. Denken Sie, dass so ein Park im wirklichen Leben Erfolg hätte?

Wood Unerfreulicherweise ja. Das ist ja auch eines der Themen der Serie, der Blick auf die Menschlichkeit beziehungsweise die Abwesenheit davon. Westworld stellt die Frage, wer du sein würdest, wenn du an einem Ort wärst, an dem es keine Regeln gibt und dein Handeln keine Konsequenzen hat. Die Frage ist, warum sich Menschen von so einem Ort angezogen fühlen. Was finden wir daran unterhaltsam? Und warum sind manche angetrieben von Lust und andere von Gewalt? Der Umstand, dass man sich der Sache nicht wirklich entziehen kann, macht sie so beunruhigend. Zumal man sich vorstellen kann, dass wir technisch nicht allzu weit davon entfernt sind.

Interview Der Park wirkt ein wenig wie das Paradies für wohl-habende Vergewaltiger und Killer.

Wood Stimmt. Wobei auch die Möglichkeit besteht, dass ein Besucher als Held nach Westworld gehen kann, um das schutzbedürftige Mädchen zu retten und hinterher wie ein Ritter in strahlender Rüstung dazustehen. Das ist vor allem für Leute, die im wirklichen Leben vielleicht eher als Loser betrachtet werden, eine attraktive Option.

Evan Rachel Wood: “Haben die Roboter ein Bewusstsein oder nicht? Leben sie oder sind sie nur belebt? ...”
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Interview Aber moralisch wirklich beunruhigend ist ja vor allem die dunkle Seite. Einerseits könnte man sagen, dass es sich bei den Opfern ja nur um Roboter handelt, andererseits sind die Roboter eigentlich kaum von den Menschen zu unterscheiden.

Wood Genau. Die Frage ist: Haben die Roboter ein Bewusstsein oder nicht? Leben sie oder sind sie nur belebt? Wir wissen auch nichts über ihre Gefühle. Haben sie welche? Es sieht zumindest danach aus. Andererseits kann es eigentlich gar nicht sein. Gefühle wurden ihnen nicht programmiert. Man weiß es also nicht. Aber das ist genau der Reiz des Parks.

Interview In der ersten Episode stellt jemand die Frage, warum man nicht wieder die Roboter der ersten Generation einsetzt. Die hätten zwar menschlich ausgesehen, wären aber noch klar als Maschinen zu erkennen gewesen.

Wood Ja, aber das Problem mit künstlicher Intelligenz ist, dass die Menschen denken, sie hätten alles im Griff, obwohl sie Geräte geschaffen haben, deren Rechenleistung sie nur schwer überschauen können. Künstliche Intelligenz ist meist schneller, schlauer und macht weniger Fehler. Der Fehler des Menschen ist, dass er zwar weiß, dass er fehlerhaft ist, aber im Moment des Fehlermachens fest davon überzeugt ist, er mache alles richtig. Hinzu kommt, dass künstliche Intelligenz uns in Sachen Problemlösung weit überlegen ist, und wenn wir denken, dass eine Sache absolut wasserdicht ist, der Rechner schon längst einen Weg gefunden hat, die Hürde zu umgehen. Deswegen wäre ein Park wie Westworld von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Aber bis zu seinem Untergang würde er wahnsinnig erfolgreich laufen.

Interview Wie spielt man eigentlich einen Roboter, der nicht weiß, dass er ein Roboter ist?

Wood Nun, ich habe viel über künstliche Intelligenz gelesen, mir Vorträge angehört, versucht, die Technik dahinter zu verstehen. Das mag zwar sehr theoretisch klingen, aber es hat mir sehr dabei geholfen zu verstehen, was im Kopf von Dolores vorgeht. In den späteren Folgen merkt man dann auch, dass Dolores mehr ist, als sie zunächst zu sein scheint. Sie ist schon seit langer Zeit in Westworld und hat als Roboter viel erlebt. Davon hat sie Spuren auf ihrer Festplatte – Erinnerungen, die eigentlich gelöscht sein sollten. Mitunter kam es mir vor, als würde ich vier, fünf Rollen zur gleichen Zeit spielen – es gibt bei Dolores den Charakter-Modus, den Analyse-Modus und den Computer-Modus sowie eine Mischung aus den letzten beiden Modi. Wenn Dolores sich im Modus zwischen Charakter und Computer befand, dann kamen besondere Bewegungsabläufe hinzu, wobei das Nicht-Bewegen wahrscheinlich der schwierigste war. Andererseits wollten wir es damit auch nicht übertreiben, weil es sonst vielleicht zu klischeehaft gewirkt hätte. Zumal die Serie für die Zuschauer erst richtig schön verstörend wird, wenn der Unterschied zwischen Mensch und Maschine fast verschwindet, wenn er nur durch eine kleine, fast unmerkliche Bewegung erkennbar wird. Daran zu arbeiten war ziemlich cool.

Interview Die Rolle war also eine Herausforderung.

Wood Ja, Dolores war die größte Herausforderung, die ich bislang als Schauspielerin hatte, und zwar physisch wie emotional. Ich meine, wir haben acht Monate lang in der Wüste unter abenteuerlichen Bedingungen gedreht. Ich habe Dinge getan, von denen ich nie gedacht habe, dass ich sie tun würde, was ich jetzt aber nicht verraten darf.

 

Interview Der Film von 73 handelt ja im Grunde von der Angst der Menschen, dass die Maschinen irgendwann Amok laufen.

Wood Genau.

Interview Ich glaube, dass es eine Angst ist, die es heute so nicht mehr gibt. Heute hat man keine Angst vor Robotern mehr, heute hat man Angst vor Algorithmen! Die Bedrohung ist virtueller.

Wood Ja, ich glaube sogar, dass die Bedrohung heute konkreter ist. In den Siebzigern war es Science-Fiction, heute ist es Science. Künstliches Bewusstsein wird bald keine Fantasie mehr sein, und was das für die Menschheit bedeutet, wird man sehen.

Interview Ja, ich frage mich nur, ob künstliche Intelligenz und künstliches Bewusstsein in einer menschlichen Verpackung daherkommen werden.

Wood Ich habe keine Ahnung. Ich denke, wir können uns das heute noch gar nicht vorstellen. Die spannende Frage wird sein, ob wir uns den neuen Gegebenheiten anpassen oder ob sich die Gegebenheiten uns anpassen. So als wenn man sein Smartphone in der Hand hält, um sich den Touchscreen anzuschauen, und der Touchscreen dann zu einem Teil der Hand wird. Die Dinge verschmelzen miteinander. Derzeit versucht man, sämtliche Erinnerungen, die man hat, auf einem Chip zu sichern, damit sie nicht verschwinden, wenn man stirbt.

Interview Auf Ihrem Chip wäre dann auch eine Schauspielkarriere gespeichert, mit der Sie schon früh angefangen haben.

Wood Ja, ich war fünf.

Interview Oh!

Wood Ja, das war wirklich sehr früh, aber da ich in einer Künstlerfamilie aufgewachsen bin, war das für mich eine ganz natürliche Sache. Meine Eltern sind Schauspieler, unsere Verwandten und Freunde waren alle Musiker und Schriftsteller und Künstler. Mein Vater hatte in Raleigh, North Carolina, ein Theater, wo ich als Kind mehr Zeit verbracht habe als in der Schule oder zu Hause. Ich bin als Kind fest davon ausgegangen, dass alle Leute Künstler oder Schauspieler sind.

Interview Das hat sich inzwischen aber geändert, oder?

Wood Ja, irgendwann habe ich mitbekommen, dass es nicht so ist. Als ich dann mit fünf einen Screentest für Interview mit einem Vampir hatte, und zwar für die Rolle, die an Kirsten Dunst ging, dachte meine Mutter: „Okay, wenn meine Kleine aus Raleigh sich mit fünf Jahren bis nach L. A. vorgespielt hat und gerade Probeaufnahmen mit Tom Cruise hatte, sollte ich mich vielleicht mal mehr um die Sache kümmern.“ So fing es an, und eins ergab das andere. Mit neun bin ich dann nach L. A. gezogen.

Interview Aber doch hoffentlich nicht allein?

Wood Haha, nein, meine Mutter kam mit. Ich habe dann zunächst viele Fernsehsachen gemacht, zum Beispiel die Serie American Gothic, und war ab elf für drei Jahre bei Once And Again dabei. Die Serie hat für mich alles verändert. Ich habe mich bei der Arbeit in die Schauspielerei verliebt. Ich habe das Konzept von Teamarbeit verstanden und auch zum ersten Mal erlebt, wie man vor der Kamera in einer Szene eine Verbindung zu seinen Kollegen aufbaut, sodass es sich plötzlich wahr anfühlt.

Interview Und mit 13 haben Sie den Film Dreizehn gedreht und hatten mit 14 Ihre erste Golden-Globe-Nominierung.

Wood Ja, genau. Das war alles in der Zeit, bevor ich den Führerschein hatte! Das war ziemlich wild.

Interview Wieso wild?

Wood Na ja, ich war noch nicht einmal auf der Highschool und hatte schon eine Golden-Globe-Nominierung.

Interview Haben Sie sich je als Kinderstar gesehen?

Wood Nein, nicht wirklich. Die Bezeichnung Star kam mir sowieso seltsam vor, zumal ich damals wahnsinnig schüchtern war. Vor der Kamera hatte ich damit nie Probleme, da konnte ich aus mir rausgehen, alle Gefühle zeigen und so weiter, aber im wirklichen Leben war ich ganz anders.

Interview Interessant!

Evan Rachel Wood: “Für die Leute wird man durch die Bekanntheit zu einem Image, einem Namen, einer Figur, die beinahe irreal ist, obwohl man sich selbst nur als Mensch wahrnimmt”
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Wood Ich habe mich als Kind natürlich auch nie herausgeputzt, Kleider getragen, mich für Mode interessiert oder mich für Magazine fotogra eren lassen. Es gab also eine Diskrepanz zwischen meiner Arbeit als junger Schauspielerin und dem, was die Öffentlichkeit dachte, das damit einhergehen würde. Für die Leute wird man durch die Bekanntheit zu einem Image, einem Namen, einer Figur, die beinahe irreal ist, obwohl man sich ja selbst einfach nur als Mensch wahrnimmt. Man wird behandelt, als wäre man selbst eine Filmfigur. Damals kam mir das sehr merkwürdig vor. Auch wenn man plötzlich anders behandelt wird und man keinen Schimmer hat, woran das nun wieder liegt. Und all das auch noch als Teenager, wenn man sich sowieso schon so seltsam fühlt.

Interview Würden Sie sich heute als Filmstar bezeichnen?

Wood Nein. Ich sehe mich eher als Künstlerin. Viele Schauspieler scheinen mit der Bezeichnung Künstler ein Problem zu haben, aber ich kann nicht erkennen, was das Problem sein soll. Wenn ich nicht spiele, singe ich oder schreibe oder mache etwas anderes, das in die Kategorie Künstler fällt.

Interview Schaut man sich Ihre Filmografie an, könnte man den Eindruck gewinnen, dass Sie die großen Blockbuster bislang konsequent vermieden haben.

Wood Ich würde nicht sagen, dass ich sie bewusst vermeide, aber Independentfilme und Serien sind mir eben näher. Weil die Geschichten oft besser sind und die Rollen meist besser geschrieben. Ich habe oft eine engere Bindung zu den Figuren.

Interview Falls Sie also jemand anrufen und bitten würde, in einem Superheldenfilm mitzuspielen, dann würden Sie ..

Wood … unter Umständen zusagen. Ich liebe Superheldenfilme!

Interview Wirklich?

Wood Auf jeden Fall! Ich meine, ich würde es natürlich vom Regisseur und vom Drehbuch abhängig machen und mich erkundigen, wer sonst noch mit dabei ist, aber grundsätzlich hätte ich nichts dagegen. Es könnte ein großer Spaß werden.

 

Foto: Rachel Chandler | Styling: Avena Gallagher | Mantel: Calvin Klein Collection - Schuhe: Simone Rocha

Interview Aber gibt es nicht bereits viel zu viele Superhelden? Man hat das Gefühl, als würde jede Woche ein neuer auftauchen. Das ist doch langweilig, oder?

Wood Ja, ein bisschen haben Sie recht. In Hollywood geht es gerade vor allem um Fortsetzungen, Remakes und Superhelden. Und verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe da- mit kein Problem, es hat ja alles seine Berechtigung. Doch ab und an wäre ein wenig Abwechslung natürlich nicht schlecht. Aber um in Hollywood einen Film finanziert zu bekommen, setzt man eben gern auf bekannte Zutaten, weil man davon ausgeht, dass sich das Publikum nur für die Dinge interessiert, die es bereits kennt.

Interview Ein Punkt, den man auch bei Westworld anbringen könnte.

Wood Haha! Aber Westworld ist halt kein reines Remake und darüber hinaus auch gar kein Film, sondern eine Serie. Und ich bin mir auch gar nicht sicher, wie viele Leute sich noch an den Film erinnern können. Aber ansonsten, klar, stimmt das natürlich.

Interview Was gefällt Ihnen eigentlich so besonders an Serien? Lange Zeit galt TV ja unter Schauspielern als die zweite Wahl.

Wood Ganz konkret sind beim Fernsehen die Frauenfiguren viel interessanter. Außerdem nimmt man sich die Zeit, Geschichten in einem Tempo zu erzählen, das sie verdienen. Man ist nicht gezwungen, alles in 90 oder 120 Minuten unterzubringen. Als ich als Teenager bei Once And Again drei Jahre lang die gleiche Figur gespielt habe, war ich so vertraut mit ihr, dass sie mir zu einer zweiten Natur wurde. Das gilt auch für die Kollegen, mit denen man arbeitet, man wechselt mit ihnen in eine andere Welt. Das ist ein wunderbares Gefühl.

Interview Sie waren auch drei Staffeln lang bei True Blood.

Wood Ja, ich liebe diese Show. Das hat Spaß gemacht, da konnte ich so richtig schön abspacken, haha.

Interview Ab wann wird denn eine Serienfigur eigentlich lästig? Wann möchte man sie gern hinter sich lassen und als Schauspieler weiterziehen? Ich denke da an Kit Harington, der in Game of Thrones den Jon Snow spielt und bestimmt gern mal eine andere Frisur hätte.

Wood Oh ja, die Frisur ist eine Sache, die wirklich irgendwann zur Last werden kann. Ich trage zum Beispiel gern einen mohawk, aber das ist nun mal ein Schnitt, der nicht wirklich zu einer Farmerstochter im amerikanischen Westen passt, die im 18. Jahrhundert lebt. Also habe ich in Westworld diese blonden Disney-Haare, mit denen ich mich inzwischen arrangiert habe. Abgesehen davon liebe ich die Serie so sehr, dass ich da für immer mitspielen könnte.

Interview Wie war eigentlich Anthony Hopkins?

Wood Der absolute Wahnsinn. Ich hatte ein paar ziemlich intensive Szenen mit Anthony.

Interview Ich frage, weil ich kürzlich eine Talkshow mit Jodie Foster gesehen habe, in der sie erzählte, dass sie, obwohl sie mit Hopkins Das Schweigen der Lämmer gedreht hat, nie jenseits der Kamera ein Wort mit ihm gewechselt hat. Er sei einfach zu beängstigend gewesen.

Wood Ach, das ist lustig. Wahrscheinlich war er einfach in seinem Hannibal-Lecter-Modus. Anthony ist eigentlich ganz liebenswürdig und warmherzig und lustig und großzügig. Aber seine Art zu spielen hat mir einfach die Sprache verschlagen. Vielleicht könnte man sogar Parallelen zwischen Dr. Hannibal Lecter und Dr. Robert Ford, seiner Rolle in Westworld, ziehen. Aber als Erfinder des Parks ist Ford weniger ein brutaler Irrer, sondern eher ein gequältes Genie.

Interview Und wahrscheinlich verspeist Dr. Ford seine Mitmenschen nicht zum Dinner.

Wood Nein, jedenfalls nicht, dass ich wüsste. Aber er spielt die Figur so, dass man sich fragt, ist er gut, ist er böse? Lässt sich das überhaupt beantworten? Gibt es Schwarz oder Weiß? Oder hat man es nur mit Graustufen zu tun? Man weiß nicht, ob Ford Gott oder der Teufel ist, wahrscheinlich ist er beides. Ich musste jedenfalls hinterher immer weinen, wenn ich eine Szene mit Hopkins hatte, weil ich das Glück hatte, mit ihm zu spielen und ihm bei der Arbeit zuzusehen. Das klingt ein wenig übertrieben, oder?

Interview Ja, ein bisschen vielleicht.

Wood Ja, aber Sie müssen sich das so vorstellen, dass man das Gefühl hat, dass er einem in die Seele starren würde. Ich habe jedenfalls nie mit einem besseren Schauspieler gearbeitet. Er hat Zugang zu etwas, zu einer Technik, die ich nicht einmal ansatzweise verstehe. Davor kann ich nur den Hut ziehen.

Interview Vielen Dank für das Interview, das hat Spaß gemacht.

Wood Ja, mir auch. Und ich kann gar nicht abwarten, die Fotos zu sehen, obwohl das Shooting wegen der vielen Mücken nur bedingt eine Freude war.

Interview Mücken? Ich kann Ihnen versichern, dass man auf den Fotos keine Mücken sieht.

Wood Sehr gut, allein darauf kommt es an.

 

Westworld wird ab dem 2. Oktober auf HBO und in Deutschland auf Sky ausgestrahlt.

von Harald Peters 

Credits

Haare: Takashi Yusa | Make-Up: Georgi Sandev/ Streeters (mit Produkten von NARS Cosmetics) | Produktion: Frank Seidlitz | Foto-Assistenz: Alexandre Hertoghe/ Charlotte Deregnieaux

Styling-Assistenz: Tess Herbert/ Ali Kornhauser | Dank an Bex Sheers

 

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