BAUMGEFLÜSTER

Im Kinodebüt der Rodarte-Schwestern lässt sich Kirsten Dunst von uralten Gewächsen verzaubern

Laura und Kate Mulleavy, Foto: Billy & Hells

Von: EVA MUNZ

Eigentlich entwerfen Laura und Kate Mulleavy romantisch-verzwirbelte Mode für ihr Label Rodarte. Mit „Woodshock“ expandieren die Schwestern ins Kino. Der schicke Horrorfilm feierte in Venedig Premiere und lässt Kirsten Dunst zu psychoaktiven Substanzen greifen – und schon bald allein im Wald stehen.

EVA MUNZ:  In „Woodshock“ scheinen neben Kirsten Dunst vor allem Bäume die Hauptrolle zu spielen.

KATE MULLEAVY: Wir sind in Santa Cruz aufgewachsen. Dort waren wir umgeben von den Redwoods, diesen uralten Mammutbäumen. Die waren bei uns schon groß, doch wenn man noch sieben Stunden weiter nach Humboldt County fährt, wo wir gedreht haben, sind sie einfach gigantisch. Es sind die größten Bäume auf dem Planeten. Viele sind höher als die Freiheitsstatue. Das hat bei mir eine Out-of-Body-Erfahrung ausgelöst.

EM: Bei Kirsten Dunst wahrscheinlich auch, die haben Sie baumhoch in die Luft gehievt.

“Kirsten Dunst baumelte
30 Meter hoch in der Luft. Die
Drahtseile quetschten ihr den Körper blau.”
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KM: Dafür haben wir einen riesigen Kran benutzt, Kirsten war eingeschnürt und baumelte in 30 Metern Höhe in der Luft. Das war in einer sehr kalten Nacht, also nicht besonders gemütlich. Die Drahtseile quetschten ihren ganzen Körper blau, und sie musste danach ins Krankenhaus. Kirsten nahm es gelassen. Das Ganze scheint eine Art Katharsis-Erfahrung für sie gewesen zu sein. Sie sagte, sie habe dort oben eine ganze Welt gesehen, von der sie nicht wusste, dass sie existiert.

LAURA MULLEAVY: Einige der Bäume wuchsen schon während des Römischen Reiches. Um 1800 wurden leider viele abgeholzt. Dabei gab es keine Züge, man kann sich kaum vorstellen, wie sie die Bäume damals gefällt haben. Hundert Menschen passten auf einen Baumstumpf. Im Film sieht man Kirsten in einem offenen Feld vor einer Reihe Stümpfe, die wie Grabsteine aussehen. Ein Friedhof, das ist noch ein Begriff aus der Zeit des großen Abholzens. Die Erde soll jedes Mal gebebt haben, wenn so ein gewaltiger Baum abgesägt wurde und auf den Boden krachte. Sie sind zu jeder vollen Stunde aufgeschlagen. Es muss surreal gewesen sein, diese Schwingungen in der Landschaft zu spüren.

EM: Baumfällen als freudsche Kastrationsfantasie?

LM: Oh, interessante Interpretation, aber die war definitiv nicht beabsichtigt. Wir dachten eher an Mutter Natur, die Erde und den Akt der Schöpfung. Wir haben in den Wäldern eine Metapher auf die geistige Landschaft und das weibliche Unterbewusstsein gesehen.

EM: Wie wichtig sind Drogen im Film?

LM: Nicht besonders. Es geht darum, Aspekte des Bewusstseins zu erreichen, auf die man keinen Zugriff hat, und da stellt sich natürlich die Frage, wie man da hinkommt. Das brachte uns auf Gras. Interessanterweise gibt es ja endlos viele Geschichten, in denen Männer Drogen nehmen und ein Erweckungserlebnis haben, einen weltbewegenden Roman schreiben oder so. Über Frauen nicht.

Jack Kilmer und Kirsten Dunst

EM: Am Set von Darren Aronofskys Ballett-Horror „Black Swan“ haben Sie Filmerfahrung gesammelt. Brachte Sie das auf den Geschmack?

LM: Da haben wir die Ballettkostüme entworfen. Es tat sich eine ganz neue Welt auf. Ich kann mich ziemlich genau an den Tag erinnern, als ich ans Set kam und dachte: „Genau das will ich machen.“

Credits: 

Fotos: COURTESY OF A24

16.03.2018 | Kategorien Fashion, Film, Interviews | Tags , , ,