Biennale in Venedig:
Pavillons sympathischer Ministaaten

Klar kann man sich auf der 57. Biennale die üblichen verdächtigen Pavillons anschauen. Oder man sucht die versteckten Orte der sympathischen Ministaaten.

Foto via Getty Images

Luxemburg

Der niedliche Mike Bourscheid bespielt den vom Kanalwasser angenagten Palazzo des Großherzogtums am Canal Grande. Reist man nicht mit eigenem Vaporetto an, findet man die Ca’ del Duca nur mit Geheimwissen. Gibt man Corte del Duca Sforza ins Navigationsgerät ein und folgt diesem bis in den kleinen Hof, erwartet einen Bourscheids queerverspieltes Gesamtkunstwerk aus Performances, Kostüm, Skulpturen, Film, Musik und Gebäck.

Artiger Junge: "Thank you so much for the flowers" heißt Mike Bourscheids Ausstellung

Seychellen

Beim Inselstaatchen im Indischen Ozean, es ist nur unwesentlich größer als die Stadt Venedig, gehen gleich 16 Künstler an den Start, bekannt als Group Sez. Sie setzen sich mit dem Maskottchen ihrer Heimat auseinander, der Riesenschildkröte. Was die aus der hart nach Schulprojekt klingenden Aufgabenstellung gemacht haben, kann man 400 Meter links vom Eingang der Giardini im Giardino della Marinaressa besichtigen.

Tuvalu

wird aller Voraussicht nach das erste Land sein, das der steigende Meeresspiegel des Pazifiks verschluckt, und darum geht es in der sozialen Skulptur des chinesischen Künstlers und Aktivisten Vincent J.F. Huang. Enjoy it while it lasts! Der Pavillon befindet sich im Arsenale, die anschließende Weltuntergangslaune kuriert der weltbeste Negroni in Harry’s Bar, wo das Bedienpersonal übrigens erwartet, dass man einen der hübschen Aschenbecher klaut.

Kiribati

Auch dieser sich auf 32 Atolle erstreckende Kleinstaat versinkt demnächst im Pazifik. Damit beschäftigen sich im Palazzo Mora in der Strada Nuova zwei Dutzend kiribatische Künstler, das Obergeschoss lockt mit einem fantastischen Blick über Venedig.

In Kiribati schaut man ins Blaue

Antigua und Barbuda

Der Outsider-Artist Frank Walter war Zeit seines Lebens der Überzeugung, als Nachfahre weißer Sklavenhalter mit diversen europäischen Aristokraten verwandt zu sein. Bei seinem Tod im Jahr 2009 hinterließ er ein enormes Œuvre, das seiner breiten Entdeckung harrt. Der Pavillon des karibischen Landes, das nebenbei bemerkt die schönste Flagge der Welt ihr Eigen nennt, be ndet sich in der Zattere Dorsoduro 909/A unweit der Accademia. Im Haus 922 serviert die Gelateria Nico Eisbecher, als wäre es 1977 – Stichwort Eierlikör!

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