Alice Springs, Helmut Newton
& Mart Engelen in Berlin

Schrille Piercings, erotische Aktfotografie und konzentrierte Porträtstudien: Die Helmut Newton Stiftung widmet aktuell gleich drei großartigen Fotografen eine Ausstellung.

Alice Springs Helmut Newton with models, Monte Carlo, 1997 © Alice Springs

Das Museum für Fotografie in Berlin vereint in der großen Sommerausstellung zur Zeit drei Schauen verschiedener Fotografen unter einem Dach.

Alice Springs: The MEP Show

Die erste Sonderausstellung ist June Newton gewidmet. Sie ist nicht nur die Frau des berühmten Mode- und Aktfotografen Helmut Newton, sondern arbeitet seit den 1970er Jahren unter dem Synonym Alice Springs selbst als Fotografin. Neben vielen Projekten, die sie mit ihrem Mann zusammen umsetzte, porträtierte Sie auf Reisen nicht nur Fotografenkollegen, sondern auch die Prominenz des internationalen Jet Sets – von Richard Avedon über Audrey Hepburn bis hin zu Nicole Kidman.

In Berlin ist nun erstmalig auch Street Photography von Alice Springs zu sehen, aufgenommen auf der berüchtigten Melrose Avenue im Los Angeles der 1980er Jahre. Ihre Bilder porträtieren Protagonisten der kalifornischen Punk- und HipHop-Szene, die sich mit radikalen Frisuren und Piercings gegen die kapitalistische Gesellschaft aufzulehnen versuchten. June Newton, die ein Leben lang an der Seite ihres Mannes war, hat damit bezeichnende Zeitdokumente hinterlassen.

Helmut Newton: Yellow Press

Den meisten ist der verstorbene Helmut Newton als Modefotograf im Gedächtnis geblieben. Seine Arbeiten für internationale Magazine und Designer gingen um die Welt. Doch Newton interessierte sich auch für Themen abseits des Glamours. Zwischen den Jahren 1973 und 2002 entstanden mehrere Bildserien, in denen er sich den Genres Akt, der Paparazzi- oder Polizeifotografie widmete und oftmals Kriminalgeschichten doer Abseitiges aus den Medien in den Mittelpunkt rückten: kurzum Yellow Press.

Dazu gehört die Reihe Self-Appropiation, die Akte zum Thema „Lolita“ umfasst und im Playboy veröffentlicht wurde oder die Reportage Paris Match, die einen aufsehenerregenden Prozess in Manoca begleitet. Daneben werden ein Werbefilm aus den 1908er Jahren für den Reißverschlusshersteller Lanfranchi sowie einige seiner Polaroid-Aufnahmen zu sehen sein, die etwa Sadomaso-Fantasien visualisieren. Die Ausstellung überrascht mit Motiven und Themen, die man nicht primär mit Helmut Newton in Verbindung bringen würde.

Mart Engelen: Portraits

Neben den Newtons werden zudem Porträts des Niederländers Mart Engelen präsentiert. In kühnen und eindringlichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen lichtet Engelen Protagonisten der zeitgenössischen Kulturszene ab und lässt sich dabei vom französischen Film noir inspirieren. Zu seinen Modellen gehören Persönlichkeiten wie Michelle Houellebecq, Künstler wie Gilbert & George und Julian Schnabel, Regisseure wie John Waters und Schauspieler wie Willem Dafoe.

Engelens Karriere begann mit Auftragsarbeiten für renommierte Magazine wie Esquire oder Vanity Fair. Seit 2009 publiziert er das exklusive Fotomagazin #59, in dem er auch seine eigenen Bilder veröffentlicht. Seine Arbeitsweise steht der schnellen und spontanen Arbeitsweise von Springs und Newton sehr nahe, nicht nur deshalb ergänzt er die hier ausgestellten Portfolios ideal.

Alice Springs: The MEP Show | Helmut Newton: Yellow Press | Mart Engelen: Portraits

2. Juni bis 20. November 2016

Helmut Newton Stiftung, Berlin

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