Ausstellung:
ALEX PRAGER
in Paris

Inszenierte Massenszenen in Filmästhetik: Alex Prager arbeitet in der Tradition von Künstlern wie Cindy Sherman oder William Eggelston. Jetzt ist sie mit ihrer ersten Soloausstellung in Paris zu sehen. Wir sprachen mit ihr über die aktuelle Schau, die Motivation hinter ihren Bildern und ihre private Kunstsammlung.

ALEX PRAGER Lenscrafters, Ace American Insurance, 2015. Courtesy the artist and Lehmann Maupin, New York and Hong Kong

Alex Prager, Cindy Sherman oder William Eggelston – in Sachen Fotografieästhetik lesen sich diese Namen fließend hintereinander weg. Denn wie auch bei Eggleston und Sherman, widmet sich Alex Prager, 36, in ihrer Fotografie dem Filmgenre. Ihre Inspirationsquelle: die Streifen von Alfred Hitchcock oder Luis Bunuel.

Aufgewachsen ist Prager an der amerikanischen Westküste, genauer gesagt in Los Angeles, mit dem Filmbusiness seit Kindheitstagen vor der Haustür. Und so erklärt sich auch die grundlegende Ästhetik in ihren Fotografien: Prager spickt eindeutige Reminiszenzen an das goldene Hollywood-Zeitalter mit aktuellen Ausschnitten und Elementen des individuellen und sozialen Lebens und verhandelt Themen wie Sehnsucht, Isolation und Kummer.

Die Bildsprache ist hierbei unverkennbar: Bekannte Filmzitate treffen auf eigene Elemente, die Farben kräftig, die Lichtinszenierung dramatisch. So verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, ohne die den Bildern inhärente Wahrheit und Aktualität aufzugeben.

Prager ist international bekannt, von Melbourne über Washington und Amsterdam bis nach New York wurden ihre Arbeiten bereits gezeigt. Nun haben sie es auch in die Stadt an der Seine geschafft und werden in der Galerie des Galeries in Paris präsentiert. Wie passend, dass dort auch ihr aktuelles Filmprojekt La Grande Sortie zu sehen ist, welches in Zusammenarbeit mit der Opera National de Paris entstanden. Wir baten zum Gespräch:

 

INTERVIEW: Wovon handeln die Bilder in ihrer aktuellen Ausstellung?

ALEX PRAGER: Die Fotografien in der Ausstellung handeln von Menschenmengen, fokussieren aber auch das einzelne Individuum innerhalb einer Gruppe. In La Grande Sortie untersuche ich aber auch die Spannung, die zwischen einem Publikum und einem Künstler entsteht sowie den manchmal schmalen Grad zwischen Fantasie und Realität.

INTERVIEW: In vielen ihrer Arbeiten sieht man ja auch einen starken cineastischen Einfluss. Welches ist ihr absoluter Lieblingsfilm?

PRAGER: Der Film The Red Shoes von Powell und Pressburger’s war  eine lebenslange Inspirationsquelle für mich – und wird es wahrscheinlich auch immer bleiben. Außerdem liebe ich alle Filme von Quentin Tarantino und noch so viele mehr.

INTERVIEW: Mit welchem Objektiv fotografieren Sie am liebsten? Und warum?

PRAGER: Für meine Stills fotografiere ich immer mit einem 80mm Objektiv, weil es dem Sehen des Auges meiner Meinung nach am nächsten kommt.

INTERVIEW: Und wie wichtig ist Photoshop für ihre Arbeit?

PRAGER: Meine Bilder erfordern zwar einiges an Vorproduktion, aber sobald ich am Set bin, möchte ich sofort auch die natürliche Energie, die von meinen Protagonisten ausgeht, in einem gewissen Maß einfangen. Jedes Modell bringt seine eigenen Emotionen mit ans Set und oftmals ist es genau das, was die Bilder anschließend so fesselnd macht. Für mich besteht die Herausforderung also darin, eine Welt zu erschaffen, in der die Menschen atmen können. Allerdings will ich eine Welt kreieren, die nicht nur in der Realität verankert ist. Ich mag es, Dinge, die ich wahrnehme, anschließend etwas übertrieben darzustellen. Ich fotografiere also zunächst alles mit der Kamera, aber ich benutze danach sehr häufig Photoshop, weil ich so die gewünschte Surrealität in meinen finalen Bildern besser erzeugen kann.

INTERVIEW: Sammeln Sie eigentlich Kunst?

PRAGER: In letzter Zeit habe ich einiges an Kunst gekauft, ja. Ich fange gerade an mir eine kleine Sammlung aufzubauen. Meine ersten Werke stammen von engen Freunden, mit denen ich gemeinsame Ausstellungen realisiert habe. Ich besitze zum Beispiel Arbeiten von Dallas Clayton oder auch meiner Schwester Vanessa Prager – ganz besonders freue ich mich auch über den Besitz eines David Shrigley. Eines Tages hätte ich gern mal etwas von Pipilotti Rist und von Erwin Wurm. Man darf ja träumen, oder?

INTERVIEW: Erzählen Sie von ihrer ersten Ausstellung in Paris. Wie ist sie zu Stande gekommen?

PRAGER: Vor einiger Zeit habe ich Benjamin Millepied kennengelernt. Als das 3e Scene Projekt an der Opera National de Paris ins Leben gerufen wurde, fragte er mich, ob ich Teil davon werden möchte.  Etwa zeitgleich habe ich bereits mit der Galerie des Galeries über die mögliche Realisierung meiner ersten Ausstellung in Paris gesprochen. Wie es der Zufall wollte, befindet sich die Galerie Lafayette (in der sich wiederum die Galerie des Galeries befindet) direkt gegenüber der Opera Paris. Dieses Gebäude hat eine reiche Geschichte, die wiederum auch eine Rolle in meinem letzten Film spielt. Man kann ihn auch in der Ausstellung sehen.

INTERVIEW: Was sind Ihre nächsten Projekte?

PRAGER: Gerade bin ich ziemlich froh einfach mal eine Zeit lang zuhause in Los Angeles zu sein. Demnächst habe ich dann eine Schau in New York.

Alex Prager

Galerie des Galeries

20. Oktober 2015 bis 23. Januar 2016