Albert Oehlen und Wolfgang Voigt
realisieren gemeinsame
Installation

Wenn Techno und Kunst sich vereinen: In einer gemeinsamen Ausstellung präsentieren der Maler Albert Oehlen und Techno-Pionier Wolfgang Voigt (Kompakt) jetzt die Installation BAUM 3 – für die sie eine futuristisch anmutende, im Beat pulsierende Figur erschaffen haben. Wir sprachen zuvor mit dem Musiker über das Überschreiten von Genregrenzen, sein Idol Andy Warhol und die aktuelle Zusammenarbeit mit Oehlen.

INTERVIEW: Herr Voigt, Sie gelten als einer der wichtigsten und einflussreichsten Technoproduzenten hierzulande. In den vergangenen Jahren haben Sie immer wieder Bezüge zu anderen Genres und Kontexten hergestellt. Was ist so spannend daran immer wieder über den Tellerrand zu schauen?

WOLFGANG VOIGT: Das Überschreiten von Genregrenzen und das Brechen von Regeln als künstlerisches Stilmittel. Die Ablehnung von Festlegung. Experimentelle Provokation und Neugierde.

INTERVIEW: Haben Sie sich schon immer für Kunst interessiert?

VOIGT: Ich befasse mich ebenso lange und aktiv mit Kunst wie mit Musik. Mein künstlerisches Interesse gilt von je her der Grenzüberschreitung im Sinne meines eigenen interdisplinzinären Schaffens, und weniger dem Kunstbetrieb.

INTERVIEW: Welche Art von Kunst begeistert Sie denn am meisten?

VOIGT: Meine Eigene (lacht). Spass beiseite. Ich begeistere mich immer mal wieder für einige wenige Künstler. Albert Oehlen ist einer davon. Ich ziehe es aber vor mich im Interesse der Freiheit meiner eigenen Arbeit, möglichst wenig zu kontextualisieren.

INTERVIEW: Ich habe gelesen, dass Andy Warhol ein Idol für Sie ist. Warum das?

VOIGT: Andy Warhol war eine meiner großen Inspirationen im Alter von 19, 20. Das Prinzip der Wiederholung (Loop, Marilyns und so weiter) ist etwas, was auch mich von je her begeistert. Außerdem kann ich mich sehr gut mit der Factory-Idee indentifizieren.

Wolfgang Voigt: “Ein Flashlight und eine Technobassdrum bearbeiten einen projizierten Baum im sakralen Raum.”
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INTERVIEW: Wie haben Sie Albert Oehlen denn kennengelernt?

VOIGT: Seine Arbeiten habe ich von Anfang an (seit den frühen 80ern) bewundert. Persönlich kennengelernt habe ich ihn Ende der 90er, weil er regelmäßig in unseren Kölner Plattenladen kam, um Platten zu kaufen.

 INTERVIEW: Sie haben beide eine besondere Beziehung zur Stadt Köln.

VOIGT: Es ist meine Heimat. Ich kenne mich hier aus. Man muss das aber nicht überbewerten.

INTERVIEW: Was schätzen Sie besonders an ihm?

VOIGT: Er ist ein brillanter Maler, der mich immer wieder extrem beeindruckt. Fast alle Sachen, die ich von ihm seit über drei Jahrzehnte kenne, sprechen mich sehr an. Er hat eine Bildsprache, die sehr viel mit meiner künstlerischen Denke gemein hat. Darüber hinaus ist er jemand, der sehr offen an Projekte und Kooperationen ran geht.

INTERVIEW: Sind sie schon mal zusammen „raven“ gegangen?

VOIGT: Nein. Das Interessante ist, dass Albert Oehlen trotz sehr dezidiertem Wissen zum Thema Techno noch nie im Klub war. Er bezieht sein Wissen aus einigen wenigen ausgesuchten Quellen. Er hat einen sehr ausgeprägten Sinn für bestimmte Spielarten von Techno und moderner elektronischer Musik.

INTERVIEW: Mag er ihre Musik?

VOIGT: Zu meiner Freude, ja. Er verfolgt mein musikalisches Schaffen schon seit Anfang der Neunziger und hat sich unlängst als kenntnisreicher Fan geoutet. Das spannendste für mich aber ist, wie detailiert Albert die verschiedenen Spielarten meiner Musik und deren Unterschied zu anderer ähnlicher Musik erfasst – und aus meiner Sicht richtig verstanden hat. Das hat mich sehr beeindruckt.

Wolfgang Voigt: “Albert Oehlen war trotz sehr dezidiertem Wissen zum Thema Techno noch nie im Klub”
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INTERVIEW: Sie sind beide Multimediakünstler. Wo liegen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren Arbeitsweisen? Ergänzen Sie sich gut?

VOIGT: Ich denke es gibt Ähnlichkeiten in Bezug auf einige künstlerische Grundansätze, zum Beispiel im Umgang mit den Grenzen zwischen Abstraktem und Konkretem oder dem Arbeiten mit und Einfliessenlassen von externem Klang und Bildbezügen (Zitate und Samples). Wir haben vor ein paar Jahren eine spannende Diskussion begonnen, über Parallelen und Unterschiede bei bestimmten künstlerischen Ausdrucks- und Denkweisen im Bildnerischen wie Musikalischen. In der Folge sind ein paar interessante musikalische Kooperationen entstanden.

INTERVIEW: Ihr neues gemeinsames Projekt – eine in-situ-Installation – trägt den Namen BAUM 3. Und warum haben Sie das Sujet Baum gewählt?

VOIGT: Der Titel und das Sujet stammen von Albert Oehlen und beziehen sich auf eine Projektreihe, die er schon seit längerem betreibt und nun neue Facetten variiert.

INTERVIEW: Wie haben Sie die Arbeit zusammen entwickelt?

VOIGT: Im engeren Sinne garnicht. Es handelt sich um eine Kooperation, bei der beide Künstler einen essentiellen Part ihrer jeweiligen Arbeit – Albert Oehlens grossformatige Bildprojektion und Wolfgang Voigts Technobassdrum – projektspezifisch in Form einer Installation zusammenbringen bzw. miteinander konfrontieren.

INTERVIEW: Wieso haben Sie die Böhm Chapel als Ausstellungsort gewählt?

VOIGT: Der Galerist Rafael Jablonka hat Albert Oehlen dazu eingeladen und dieser wiederum mich.

INTERVIEW:  Erklären Sie in wenigen Worten, was der Besucher von der Installation erwarten kann?

VOIGT: Maximalen Minimalismus. Ein Flashlight und eine Technobassdrum bearbeiten einen projizierten Baum im sakralen Raum.

INTERVIEW: Und was werden wir in nächster Zeit von Ihnen hören?

VOIGT: Musik mit und ohne Bassdrum. Tanzbar und Untanzbar.

BAUM 3

in-situ Installation von Albert Oehlen und Wolfgang Voigt

19. Oktober 2015 – 22. April 2016

Böhm Chapel, Hürth-Kalscheuren

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