Lady Dior As Seen By

Für die Wanderausstellung Lady Dior As Seen By haben Fotografen und Künstler die Lady Dior auf ihre Weise neu inszeniert. INTERVIEW hat die Künstler nach ihren Inspirationen gefragt.

Sie galt als die Lieblingstasche der britischen Prinzessin Lady Di und bekam deshalb prombt selbst einen Adelstitel verpasst – die Lady Dior. Für die Ausstellung Lady Dior As Seen By wurden nun renommierte Fotografen und Künstler wie Olympia Scarry, Katharina Sieverding oder Jan Albers gebeten, die berühmte Tasche neu zu gestalten. Während der Ausstellungseröffnung am 6. April in der Langen Foundation bei Neuss sprachen wir mit ihnen über ihre Kunstobjekte.

KATHARINA SIEVERDING, LADY DIOR LOOKING AT THE SUN AT MIDNIGHT BLUE, 2016

Katharina Sieverding (Düsseldorf/Berlin):

„Das Bild ist ein Filmstill aus meinem mehr als dreistündigen Film „Die Sonne um Mitternacht schauen“. Ab 2010 gab es hochauflösende Daten von der NASA und da habe ich die blaue Sonne entdeckt. Das ist eben nicht die Erde, wie viele erstmal denken. Am 06. Juni 2012 konnte man die Venus im Transit sehen. Und als ich eine Übersicht mit allen Lady-Dior-Taschen zugeschickt bekam, gefiel mir ein Modell aus lichtblauer Eidechsenhaut besonders gut und ich dachte, dass sie farblich schon mal passt. Dann  habe ich darüber nachgedacht, wie so ein Produkt der Ready-to-Wear mit den Fragen, die mich in meiner künstlerischen Arbeit im Moment besonders stark beschäftigen, passt: wie verhält sich der Mensch, sei es in globalen Politiken oder in Ökonomien in Bezug auf Erde und Sonne, also diese ganzen Energiehaushalte. Das ist ein Thema, das mich in meinen Arbeiten schon immer interessiert hat. Und plötzlich dachte ich, setze ich doch diese kleine Tasche in die Umlaufbahn der Venus. Und es ist natürlich auch humorvoll gemeint. Das verdient die Lady-Dior doch, nicht wahr?“

JAN ALBERS, DIORFUROR, 2016 © ANNE SCHWALBE

Jan Albers (Düsseldorf):

„Ich habe eine Freestyle-Version der Tasche aus Keramik gemacht. Wollte nicht so etwas Verfeinertes machen, was ja schon alles in der Tasche steckt. Es ging mir darum, etwas zu schaffen, das irgendwie versteinert ist. Oder dass es etwas ist, dass man bei einer archäologischen Ausgrabung entdeckt haben könnte. Einen Urtypen dieser Handtasche. Denn für Dior ist das ja eigentlich der Klassiker. Dabei gibt es die Tasche erst seit 20 Jahren, was für einen Klassiker ja relativ jung ist. Also hatte ich die Idee, dass man da noch ein paar Mal mehr am Rad der Zeit dreht und so tut als wenn meine Arbeit in der weiten Vergangenheit ausgebuddelt worden wäre. Ich wollte trotzdem, dass das Objekt etwas Wertvolles hat. Darum glänzt sie jetzt ungemein. Aber ehrlich gesagt, ist der Arbeitsprozess wenig glamourös. Das ist eine ziemliche Matscharbeit. Ich bin da recht grob vorgegangen. Die Nähte etwa, die so charakteristisch sind für die Tasche, habe ich mit Moniereisen in den Ton geschlagen. Das sind diese dicken Eisendrähte, die den Beton zusammenhalten. Bei meinen Reliefs und Skulpturen habe ich das auch schon mal gemacht. Über Handtaschen habe ich als Künstler dabei nicht nachgedacht. Jetzt sehe ich überall Handtaschen. Ich hoffe, das geht wieder vorbei.“

© OLYMPIA SCARRY

Olympia Scarry (London):

„Ich habe für meine eigenen Arbeiten gerade erst eine Studie über Sozialen Wohnungsbau gemacht und bin dabei auf das Buch Tower Block gestoßen. Darin sind Zeichnungen und Bilder von Architekten, die solche Projekte kurz nach dem Zweiten Weltkrieg realisiert haben. Als die Anfrage von Dior kam, die Tasche umzuarbeiten, habe ich mich erinnert, dass Christian Dior selbst nach dem Zweiten Weltkrieg die Mode revolutioniert hat. Frauen dachten jetzt praktischer und das spiegelte seine Couture wider. Diese Verbindung zwischen der bahnbrechenden Architektur und seiner Mode habe ich dann in der Tasche aufgegriffen, indem ich damit ein Haus entworfen habe. Die Tasche steht auf dem Kopf und hat Glasfenster wie das „Palais Bulle“ von Pierre Cardin an der Cote d’Azur, wo das Maison im vergangenen Jahr seine Cruise-Kollektion gezeigt hat. Das Cannage-Muster repräsentiert Balken, die kleinen Füße sind jetzt Antennen. Das Design würde eine schöne Tasche machen. Aber sie ist nicht funktional. Aber das sind Taschen für mich ohnehin nicht. Ich stopfe mir alles immer in meine Hosentaschen.“

MORITZ WEGWERTH, HELLO GORGEOUS, 2016

Moritz Wegwerth (Düsseldorf):

„In meinen Arbeiten suche ich oft nach Dingen, die im Verborgenen liegen und die nicht ganz offensichtlich zu sehen sind. Das war auch bei der Lady Dior so. Mir ist direkt aufgefallen, dass der Henkel, wenn man ihn auf den Kopf stellt, wie ein Smiley aussieht. Es ist eine wunderschönes Detail. Für mich repräsentiert die Lady Dior die Nuller-Jahre. Selbst, wenn Lady Di oft damit in Verbindung gebracht wird, steht Paris Hilton für mich mehr für die Tasche. In Anspielung an den Smiley und diese Reverent habe ich das Foto „Hello Gorgeous“ genannt. Aber auch die Idee, die Tasche auf den Kopf zu stellen und damit ihrer Funktion zu entheben, fand ich einen super Move. Auf ein Mal kommt die Tasche und spricht zu uns, also nicht nur die Trägerin, die den Griff in den Händen hält, sondern die Tasche selbst. Das ist eine schöne Umkehrung, die ich in dem Bild festgehalten haben.“

HELEN FEIFEL, UNTITLED, 2016 © ANNE SCHWALBE

Helen Feifel (Berlin):

„Der Prozess hinter all meinen Arbeiten ist die Dekonstruktion von Alltagsgegenständen. Mich fasziniert der Umgang mit Materialien, die Besonderheiten eines Materials und das Handwerk. Das eigne ich mir auf diese Weise an. Auch die Lady Dior habe ich erst Mal in ihre Einzelteile zerlegt. Buchstäblich. Ich hatte zwei Taschen, die ich mit einem Skalpell zerschnitten und dann mit Heißkleber neu zusammengesetzt habe. Das hat wehgetan, denn ich hatte vorher noch mal nachgeguckt, was die Tasche eigentlich kostet. Das hätte ich mal besser nicht getan. Aber es führte kein Weg daran vorbei, weil vorher schon die Idee mit dem Maison besprochen war. Die Einzelteile habe ich mit Silikon nachgeformt und dann Keramik in die Form gedrückt. Mir war wichtig, die Cannage abzubilden, dass man teilweise sogar noch Fäden sieht. Außerdem wollte ich die Weichheit des Leders abbilden, dass es so Kurven macht, dass man den Reißverschluss erkennt, alles Details, die charakteristisch für die Tasche sind. Das sind wunderschöne Details. Mir persönlich ist sie zu klein. Irgendwie gefallen mir immer nur große Taschen. Beutel aus Jute oder Weekender. Noch habe ich meine Traumtasche nicht gefunden.“