LESS IS MORE
Rankin-Retrospektive
in Rostock

Von Madonna über David Bowie bis hin zu Kate Moss standen sie alle Modell für ihn – jetzt wird das vielschichtige Werk des Fotografen Rankin, dem Meister des Crossover, in Rostock ausgestellt.

© Rankin

Die Musikerin Fiona Brice hockt nackt zusammengekauert in einem Einkaufswagen, ein Model im gelben Kostüm liegt mit einer klaffenden Wunde im Dekolleté am Straßenrand. Was Fotograf Rankin mit solchen Bildern sagen will, das kann man nun in einer großen Schau in der Kunsthalle Rostock erfahren, denn dort wird zur Zeit das Werk eines der führenden und einflussreichsten Fotografen präsentiert.

Der 1966 in Schottland geborene John Rankin hat sich in den letzten Jahrzehnten einen Namen in der Mode- und Kunstwelt gemacht. Seine pompös inszenierten Portraits und Modestrecken fanden international Beachtung und gelten als Inbegriff für Glamour und Perfektionismus. Er arbeitete für kommerzielle Marken wie L’oreal oder Hugo Boss als Werbefotograf, fotografierte von 2009 bis 2014 die Kandidatinnen bei Germany’s Next Topmodel und nicht zuletzt wird er vielen als Fotograf der berühmten Dove-Kampagne bekannt sein, für die er herrschende Schönheitsideale hinterfragte und Frauen mit Makeln ablichtete.

© Rankin

Dabei befinden sich Rankins Wurzeln eigentlich in der Subkultur. Anfang der neunziger Jahre war er Mitbegründer des Zeitgeistmagazins Dazed & Confused, das sich damals auf die Fahne geschrieben hatte, die Darstellung von Mode radikal zu verändern. In den folgenden Jahren entwickelte Rankin sich zu einem Meister des Crossover – in seinen Arbeiten vermischte er immer wieder verschiedene Genres wie Mode, Grafik, Design und Fotografie und setzte damit neue Maßstäbe. Zu seinen Markenzeichen avancierten die expressive Pose und nicht zuletzt der humorvolle Aspekt seiner Fotografien. Von seinen Qualitäten überzeugten sich die großen Stars persönlich – von Madonna über David Bowie und Jude Law bis hin zu Damien Hirst und Emma Watson. Sogar Tony Blair konnte ihm nicht widerstehen! Doch Rankin kann mehr als Hochglanz und Photoshop. Im Kongo hat er kürzlich für die Wohltätigkeitsorganisation Oxfam Flüchtlinge fotografiert und diesen anschließend Prints seiner Aufnahmen geschenkt. Und auch als Autor und Regisseur ist er äußerst erfolgreich im Geschäft. Er dreht Filme und Musikvideos.

In der Ausstellung Less is More wird die stilistische Vielfalt seines Werke in unterschiedlichen Medien nun umfassend beleuchtet. Neben provozierenden Fotomontagen finden sich Totenmasken von Debbie Harry und Sean Connery, an anderer Stelle taucht plötzlich Heidi Klum auf. Zu den Highlights der Schau gehört weiterhin ein sieben Meter hoher Fries im White Cube des Hauses, auf dem rund 28 nackte Frauen in Überlebensgröße dargestellt sind – sie tragen lediglich High Heels. Es handelt sich um eine eher experimentelle Installation, mit der Rankin gegen das ständige Social Sharing in den sozialen Netzwerken arbeitet. „Als ich den WhiteCube in der Kunsthalle sah, dachte ich mir, dort eine experimentelle Installation zu kreieren, die man nur an diesem Ort wahrnehmen kann. Etwas, was der allgegenwärtigen Sharing-Mentalität widerspricht, und auch – im Gegensatz zu den Medien – nur temporär erlebbar ist.“ Im so genannten Dark Room werden leuchtende Lenticulare (Wechselbilder) gezeigt und verweisen einmal mehr auf Rankins große Vorliebe für das konzeptionelle Arbeiten und offenbaren zugleich den künstlerischen Ansatz seiner Arbeit.

Wer sich für das breitgefächerte Werk des Fotografen interessiert, der sollte sich die Ausstellung in der Rostocker Kunsthalle nicht entgehen lassen. Insgesamt werden über 100 Fotografien aus seinem Euvre zu sehen sein.

 

Less is More

3.Dezember 2015 – 28. Februar 2016

Kunsthalle Rostock

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