Im Osten was Neues

Die Art Collection Telekom auf der Art Cologne 2017

Es ist recht ruhig am frühen Nachmittag der sogenannten Professional Preview am Dienstag. Das Betreten des eigentlichen Messebereichs erinnert dann an das Boarding einer Mittagsmaschine: die Uniformen der Damen am Eingang; die Bitte, kurz einen Blick in die mitgebrachte Tasche werfen zu dürfen und so weiter – Boarding for Art. 
Und da, ein paar Meter weiter, in der Abfertigungshallenarchitektur des Südeingangs der KölnMesse, steht schon der weiße, kompakte Kubus. Ein magentafarbener Perser leuchtet auf schwarzer Auslegeware.

Die Art Collection Telekom, gegründet 2010, ist zum insgesamt vierten Mal im Bereich der Passage zum 51. Internationalen Kunstmarkt Art Cologne vertreten. Auch in diesem Jahr vergibt die Deutsche Telekom den Art Cologne Award for New Positions.
Vor Ort werden ausgewählte Arbeiten aus der noch jungen Sammlung gezeigt, die sich – so erklärt es Antje Hundhausen, Vice President Brand Experience und leitende Verantwortliche für die Art Collection Telekom – vor allem auf zeitgenössische Kunst aus Ost- und Südosteuropa konzentriere. Dies sei ein kuratorischer Fokus, der sich nicht nur durch gute Kontakte zur Infrastruktur in den jeweiligen Ländern, sondern auch in Betracht auf den Kunstmarkt generell ergeben habe, erklärt Rainald Schumacher, einer der Kuratoren. Es passiere dort einfach sehr viel, und speziell der Hintergrund ehemalig sozialistisch geprägter Länder sei interessant, dem wolle man verstärkt Beachtung schenken. So soll mit diesem Stand, der Präsenz der Sammlung auf der wichtigsten Kunstmesse Europas, nicht bloß stellvertretend die Sammlung der Telekom präsentiert, sondern darüber hinaus eine generelle Aufmerksamkeit auf zeitgenössische Kunst aus Osteuropa gelenkt werden.

Sanja Iveković | Women’s House (Sunglasses): Veronica, Genoa (2002 – 2004) | Foto: Art Collection Telekom

Die Art Collection Telekom selbst befindet sich im Aufbau. Gut 66 Künstler und ca. 200 Exponate beinhalte diese, so Antje Hundhausen. Zwei davon sind der Bosnier Braco Dimitrijević (*1948) und die Kroatin Sanja Iveković (*1949), deren sechs schwarz gerahmte Prints aus der Serie „Women’s House (Sunglasses)“ lose an die grafischen, Text inkorporierenden Arbeiten von Barbara Kruger oder Astrid Klein erinnern, auch in ihrer Sachlichkeitsfarbgebung: schwarz-weiß, rot. Sanja Ivekovićs Werk ist geprägt von ihrem Engagement für die Rechte, den Schutz und die Selbstbestimmung von Frauen. Die Poster der ausgestellten Serie entstanden seit 2002 in enger Zusammenarbeit mit Frauenhäusern.

Diese Serie und alle anderen Werke der Sammlung sind sowohl durch die kostenlose Art Collection Telekom App als auch auf der zugehörigen Website zugänglich. Nicht nur nach außen hin, wie Antje Hundhausen hofft, auch nach innen, für die eigenen Mitarbeiter. Die Kunst sollte alle erreichen, soll nicht Ornament, sondern Inhalt sein. Das ist aber ohnehin keine Idee mehr, sondern Realität. Boarding completed.


Redaktion: René Kemp | Fotos via Art Collection Telekom

27.04.2017 | Kategorien Ausstellungen, Event, Kunst | Tags , , ,

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