EGO UPDATE:
Das digitale, künstlerische Ich

„Ich fotografiere, ich dokumentiere – also bin ich“: In Düsseldorf beschäftigt sich eine Ausstellung aktuell mit dem Phänomen Selfie und stellt die große gesellschaftliche Frage: Wer bin ich?

Ansicht-Kim-Asendorf Selfie-Template-2015 ©-NRW-Forum-Düsseldorf Foto-Andreas-Kuschner ALIMONIE

25.000 Millionen Menschen inszenieren und fotografieren sich regelmäßig selbst (am liebsten von schräg oben). Das Selfie gehört heute zum Alltag und wurde im Jahr 2013 sogar bereits zum englischen Unwort des Jahres gekürt. Vor kurzem erst wurde Düsseldorf zur Selfie-Metropole Deutschlands ernannt und liegt damit noch vor Berlin und Hamburg im Ranking – passender könnte der Ausstellungort für EGO UPDATE. Die Zukunft der digitalen Identität also nicht gewählt sein.

Ich, ich & ich

Mit seiner ersten kuratorischen Arbeit für das NRW Forum Düsseldorf widmet sich der neue künstlerische Leiter, Alain Bieber, mit dieser Schau umfassend der gesellschaftlichen Selfie-mania, steigt aber tiefer in die Materie ein – denn in den zeitgenössischen Selbstportraits manifestiert sich offenbar weitaus mehr als lediglich egozentrische Selbstentwürfe, wie sie (vor allem) Jugendlichen heute vorgeworfen werden. Was steckt also drin im Selfie? Im Selbstbildnis offenbaren sich häufig weitaus existenziellere Fragen, die die Menschheit umtreiben: Wer bin ich? Oder: Wo komme ich her?

Mit dem Einzug des digitalen Zeitalters kommen weitere Themenkomplexe dazu, die sich im Selfie formieren. Die Ausstellungsmacher fragen deshalb: Wer werde (oder: könnte) ich sein? Nichts ist heute einfacher als sein Selbstbild im Netz aktiv mitzubestimmen, es mit zu gestalten – denn unser digitales, künstlerisches Ich ist so wandelbar wie nie zuvor! Im Selfie wird das Real Life nicht selten wie auf einer Bühne inszeniert. Doch damit ist auch das Preisgeben des wahren Ichs verbunden, Problematiken des Datenschutzes und Persönlichkeitsrechte werden oft stumm akzeptiert oder ignoriert. Wie weit greift das technologische Weltgeschehen in die menschliche Identität ein? Und wie weit können Identitätsvorstellungen durch die digitale Kommunikation geprägt werden?

Eine Ausstellung über Netzkultur

In der Gruppenausstellung sind jetzt 23 nationale wie internationale Positionen zu sehen, die in interdisziplinären Annäherungen mögliche Antworten und differente Denkanstöße zum Thema beisteuern. Unter anderem Arbeiten des Berliner Netzkünstlers Kim Asendorf, der Instagram Performance Künstlerin Amalia Ulman, die Point-of-View Shots des Kletterduos OnTheRoofs, das Lebende Selfie Dirk Witel a.k.a. MC Fitti als auch Werke des Magnum-Fotografen Martin Parrs.

 

Die Ausstellung EGO UPDATE. Die Zukunft der digitalen Identität läuft noch bis zum 17. Januar 2016 im NRW Forum in Düsseldorf.

Von : Insa Grüning

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