"Removed" -
Eric Pickersgill hält uns den Spiegel vor

Die Tatsache, dass in der heutigen Zeit jeder mit jedem über Smartphones und Tablets, via Facebook, WhatsApp und Co., zu jeder Tages- und Nachtzeit verbunden bleibt, ist mittlerweile so viel diskutiert und kritisiert – einer erneuten Erörterung dieses Themas bedarf es wohl kaum. Der Fotograf Eric Pickersgill lässt stattdessen Bilder sprechen. Bekanntermaßen sagen diese ja auch häufig mehr als tausend Worte.

© Eric Pickersgill

Trotz allen offensichtlichen Nutzens, den Apple und seine Konkurrenz uns durch die digitalen „Spielzeuge“ der jüngsten Zeit bescheren, treiben uns jene Neuheiten nach Eric Pickersgills frei übersetzten Worten in eine Art „Gefangenschaft der Neuzeit“. Abhängig, süchtig, gefesselt sitze Jung und Alt vor dem flackernden Display von iPhone und iPad und entferne sich dadurch immer mehr von der realen Welt, so Pickersgill. Kritisch beäugt der US-Amerikaner die Auswirkungen der völligen Digitalisierung auf unser Sozialverhalten und sieht die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen mehr denn je gefährdet. Erstmals drang diese Sorge in Erics Bewusstsein, als ihm in einem New Yorker Café eine vierköpfige Familie auffiel, deren abwesende Mitglieder sich an ihre Handys klammerten und ausschließlich über Online-Inhalte austauschten, statt sich zu bemühen, ein Gespräch ohne die Hilfe von Youtube und Instagram aufzubauen. Die traurige Kulisse ging dem Fotografen einfach nicht mehr aus dem Kopf, woraus die Idee zum Projekt „Removed“ erwuchs.

 

© Eric Pickersgill

Für die Schwarz-Weiß-Aufnahmen alltäglicher Situationen bat Eric seine „Objekte“ zunächst, sich mit Smartphone oder Tablet in Pose zu bringen und zu verharren, bevor der Fotograf alle Geräte aus der Szene entfernte. Irgendwo im virtuellen Limbus zwischen Wirklichkeit und digitaler Welt gefangen, starren Erics Protagonisten weiterhin mit unverkennbarem „Smartphone-Blick“ auf ihre Hände und bieten so skurrile Motive: Zwar physisch mit Ehemann, Bruder und Freund verbunden, doch gleichzeitig mit größtem Erfolg gänzlich abwesend.
Das Faszinierende an Erics Aufnahmen: Obwohl sich auf den Bildern keine iPhones und –Pads finden, ist uns der Gesichtsausdruck von Handy- und Tabletnutzern so geläufig, dass wir uns die Technik unweigerlich ins Bild denken, bis sie fast tatsächlich in den Händen der Porträtierten zu erkennen scheint.

In unserer Bildergalerie sehen Sie eine Auswahl von Erics Fotografien, zu allen Übrigen gelangen Sie hier.