FOTOSERIE
Das wilde Kreuzberg der Siebziger

Als Kreuzberg noch rau und unsaniert war: Eine Fotoausstellung zeigt den Berliner Stadtteil in seinen wilden Jahren.

© Jutta Matthess Mädchen verkaufen die Kinderzeitschrift "Keule", Fest auf dem Mariannenplatz, 1. Mai 1972

Kreuzberg kennt man, auch wenn man nicht in Berlin, sondern in München oder Gütersloh wohnt. Und zumindest außerhalb der Hauptstadt hat der Stadtteil sich seinen Ruf als Mekka der Alternativen und Problembezirk bewahrt – obwohl er heute zu den beliebtesten Wohngegenden Berlins gehört, die Mieten so schnell steigen wie nirgendwo sonst und sich am Wochenende die Touristengruppen durch Kottbusser Tor und Görlitzer Park schieben.

In den Siebzigern sah das noch ganz anders aus: Das Viertel war marode und Anlaufstelle vieler Aussteiger. Westdeutsche Kommunaden, Wehrdienstverweigerer und Studenten, die in der Exklave Freiheit vom Kleinbürgertum der Bundesrepublik suchten, wohnten neben Alteingesessene und Gastarbeitern. Auch die Fotografin Jutta Matthess kam als 18jährige zur Fotografieausbildung nach Berlin und hat – nach Stationen in San Francisco und New York – die Straßen, Hinterhöfe und besetzten Häuser des Viertels fotografiert.

Damals wollte die Stadt den maroden Kreuzberger Häusern mit Kahlschlagsanierung beikommen: Die kaputten Altbauten sollten abgerissen, stattdessen große Gebäudekomplexe und Hochhäuser gebaut werden. Das sorgte für niedrige Mieten im abgeschriebenen Altbau und schuf zumindest temporär Freiräume. Wie das aussah zeigt Matthess auf ihren Bildern, die derzeit in der Ausstellung Das ist unser Haus! Kreuzberg Anfang der 1970er Jahre im FHXB Museum zu sehen sind.

 

Das ist unser Haus! Kreuzberg Anfang der 1970er Jahre. Fotografien von Jutta Matthess

Bis 2. August 2015

FHXB Museum, Berlin

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