Im Warhol'schen Kosmos:
Polaroids von Brigid Berlin

Andy Warhol, Photo © Brigid Berlin/Reel Art Press.

Ein Stück amerikanische Pop-Kulur: In einem neuen Bildband werden jetzt die sehr persönlichen Polaroids der Künstlerin und Schauspielerin Brigid Berlin veröffentlicht. Sie war nicht nur langjährige Mitarbeiterin in Andy Warhols Factory, sondern gehörte auch zu seinem engsten Vertrauten.

Die Künstlerin, Schauspielerin und Tochter einer etablierten und wohlhabenden Familie aus der New Yorker Oberschicht, Brigid Berlin, pflegte ein sehr enges Verhältnis zu Andy Warhol. 1964 traf sie ihn zum ersten Mal. Ziemlich schnell gesellte sie sich zum festen Kreis um Warhols Factory und stieg bald als feste Mitarbeiterin mit ein. Hier erhielt sie auch ihren Spitznamen „Polk“, unter dem sie bis heute vielen bekannt ist – angeblich weil sie die Kunszene New Yorks und die komplette Factory mit ihren „Dr. Feelgood”-Drogencocktails aus Amphetaminen und Vitamin B aus Spritzen versorgte. Zu ihrer Verteidigung muss man allerdings anbringen, dass diese Stoffe damals „lediglich“als Appetitzügler galten und ganz legal erhältlich waren. Zwischen Warhol und Berlin entwickelte sich eine enge Freundschaft, das Couple wurde mitunter auch als Mr. und Mrs. Pork begrüßt. (Offensichtliche diente sie Warhol auch als Inspiration zu seinem ersten Theaterstück Pork)

Warhol und Berlin hatten vieles gemeinsam, insbesondere teilten Sie aber eine Leidenschaft für die Polaroid-Fotografie. Berlin, die immer mit einer Kamera oder einem Tonband ausgestattet war, hielt kontinuierlich Situationen des Alltags fest. Als Warhols persönliche Sekretärin wirkte sie auch an der redaktionellen Gestaltung des Interview Magazins mit, für das sie die Aufnahmen anschließend transkribierte. Warhol behauptete sogar einmal, dass all seine Bilder eigentlich von Berlin stammen – ein Indiz dafür, wie sehr er sie als Künstlerin schätzte. 1978 hielt Berlin die Trauerrede für Andy Warhol in der St. Patrick’s Cathedral in New York.

Auf ihren Schnappschüssen (die heute genauso auch auf einem Instagram Feed zu finden sein könnten) gewährt Berlin einen intimen Einblick in den Warhol’schen Kosmos und damit in eine der bedeutendsten Perioden der Kunst- und Popkultur der 60er und 70er Jahre in New York. Auf ihren Bildern sind allerhand Persönlichkeiten zu sehen, die in der Kreativfabrik ein und aus gingen – von Patti Smith über Lou Reed bis hin zu Richard Avedon.

Für den neuen Fotoband hat niemand geringeres als Kultfilmemacher John Waters ein Vorwort geschrieben, in dem er die Künstlerin wie folgt würdigt: “Brigid was always my favorite underground movie star; big, often naked, and ornery as hell. … The Polaroids here show just how wide Brigid’s world was; her access was amazing. She was never a groupie, always an insider.”

All images © Brigid Berlin/Reel Art Press.

Brigid Berlin Polaroids, RRP £29.95 / $49.95, published 23 November 2015 by Reel Art Press

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