Hinter den Kulissen:
Stephen Shore in der Factory

Stephen Shore war in den 1960er Jahren fast täglich zu Gast bei Andy Warhol. Ein neuer Bildband zeigt nun seine frühen Arbeiten, die im Kreise der legendären Factory entstanden.

Stephen Shore: Andy Warhol on fire escape of the Factory, 231 East 47th Street, 1965-7 © Stephen Shore

Stephen Shore gilt als wichtiger Vertreter der New Color Photography, der mit seinen Fotos das Gewöhnliche zur Kunst erhob. Für seine Serie American Surfaces reiste er in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern quer durch die USA und fing in seinen Bildern das Wesen der amerikanischen Kultur ein: Autokinos, ein typisches Frühstück im Diner oder eine vermeintlich bedeutungslose Straßenkreuzung. Shore, der schon sehr früh mit der Fotografie in Berührung kam, versteht es bi heute Alltagssituationen und banale Gegenstände auf eben nicht alltägliche Weise zu inszenieren. Diese Gabe brachte ihm sogar als einem der ersten lebenden Fotografen nach Alfred Stieglitz eine Soloausstellung im Metropolitan Museum of Art ein.

Was viele nicht wissen: Stephen Shore ging bereits als 17-jähriger bei Andy Warhol ein und aus. Kennengelernt hatten die beiden sich bei einer Underground-Filmvorführung. Ein Glücksfall für den jungen Fotografen, denn dieses Treffen öffnete ihm die Türen in das berüchtigte Atelier in der East 47th Street in Manhattan, das später als Factory in die Geschichte der Popkultur eingehen sollte. Damals galt die Kunstschmiede Andy Warhols, in der es vor Kreativen nur so wimmelte, noch als „Gefahr für die Allgemeinheit“, der junge Künstler und Filmemacher hatte den Ruf eines artist provocateur. Doch Stephen Shore war fasziniert von der Welt, die sich hinter den Türen des legendären Studios verbarg und verbrachte dort über mehrere Jahre hinweg fast seine gesamte Freizeit.

Er fporträtierte die Künstler und Dauergäste, die sich im Warhol’schen Dunstkreis aufhielten. In Schwarzweiß-Aufnahmen fing er die Atmosphäre, das soziale Leben im Studio und in den Privaträumen mit seiner Kamera so ein, wie er es wahrgenommen und erlebt hatte: The Velvet Underground bei den Proben, Edie Sedgewick am Telefon oder Warhol selbst in Aktion. Stephen Shores Fotoband Factory: Andy Warhol bietet Einblick in die sich wandelnde Kunstszene der 1960er Jahre. Obwohl die Kunstgeschichte die Ästhetik Shores erst spät mit dem Einfluss Andy Warhols in Verbindung brachte, prägte das Kunstverständnis des wichtigsten Pop Art Künstlers des 20.Jahrhunderts die Arbeiten des jungen Shore nachhaltig.

Stephen Shore: “Allein durch meinen Kontakt zu Andy und dadurch, dass ich ihm zugeschaut habe, hat meine Denkweise über meine Aufgabe als Künstler verändert. Ich war mir von nun an bewusster, was ich tat.”
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Der Bildband umfasst 175 Schwarz-Weiß-Abbildungen, einen Essay, insgesamt 16 Interviews mit Künstlern wie Paul Morrissey, Billy Name Stephen Shore und vielen anderen und werden zum teil nun erstmals veröffentlicht.

 

2D Bookshot

Factory: Andy Warhol von Stephen Shore ist bei Phaidon erschienen.