GALLERY WEEKEND SPECIAL - Teil 1:
Einmal durch Mitte, bitte!

Vom 1.–3. Mai findet das elfte Gallery Weekend Berlin statt. INTERVIEW hat eine Vorauswahl getroffen und schickt Sie, mit nützlichem und sehr nützlichem Wissen präpariert, auf dem besten Weg durch die Hauptstadt.

Teil 1: Die Kunsttour durch Mitte.

Bojan Sarcevic, Untitled, 2014

GALERIE: BQ Berlin

KÜNSTLER: Bojan Sarcevic´

ORT: Weydingerstaße 10

Zum Gallery Weekend 2015 zeigt Bojan Šarcevic´ seine fünfte Einzelausstellung bei BQ. Dabei soll es um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines Kunstwerks gehen, was bei Šarcevic ganz praktisch auch dazu führt, dass er Silikonbrüste auf menschliche Rücken klebt.

DINNER TALK: Bojan Šarcevic´ ist ein moderner Nomade. Er wurde in Belgrad geboren, hat seine Kindheit in Algerien und Marokko verbracht und den Ausbruch des Jugoslawienkrieges in Sarajevo erlebt. Heute wohnt er in Paris und Berlin. Klar, dass er beim Dinner auf Deutsch, Französisch, Englisch und Serbokroatisch parlieren kann.

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Martin Eder, Blut/Blood, 2015

GALERIE: EIGEN + ART

KÜNSTLER: Martin Eder

ORT: Auguststraße 26

Der Maler Martin Eder steckt derzeit offenbar in der Game of Thrones-Phase seines Schaffens, was, wenn man seine Vorliebe Metal kennt, auch nicht verwunderlich ist. In diesem Zusammenhang interessiert ihn vor allem die Figur der starken Frau, etwa in der Rolle der Kriegerin oder der beschützenden Mutter auf halbem Weg zwischen Mutter Courage und Johanna von Orléans.

DINNER TALK: Martin Eder ist eine in Künstler gewordene Black-Metal-Kutte. Mit seiner Band RUIN tritt er regelmäßig vor Publikum auf. 2010 brachte er, weiß geschminkt und mit schulterlanger Metallic-Perücke, sogar das Berliner Berghain zum Beben.

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Adelhyd van Bender, untitled, 1999 - 2014

GALERIE: Delmes & Zander

KÜNSTLER: Adelhyd van Bender

ORT: Rosa-Luxemburg-Str. 37

Adelhyd van Bender hatte in den 70er-Jahren an der Hochschule der Künste studiert, wurde aber wegen unangemessenen Verhaltens nach vier Semestern zwangsexmatrikuliert. Gegen diesen Beschluss versuchte er zeitlebens anzukämpfen – leider ohne Erfolg.

DINNER TALK: Van Bender war getrieben von dem Gedanken, eine Gebärmutter in sich zu tragen, in dem er ein „Atomgeheimnis“ hütete. Er schuf ein Werk, das aus 2000 bearbeiteten Fotokopien besteht. Erst nach seinem Tod 2014 erfuhr die Galerie Delmes & Zander von seinem umfangreichen Œuvre. Delmes & Zander ist die einzige Galerie, die in diesem Jahr neu beim Gallery Weekend dabei ist.

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Pedro Cabrita Reis, Unframed (Toulon) #8 2015

GALERIE: Kewenig

KÜNSTLER: Pedro Cabrita Reis

ORT: Brüderstraße 10

Pedro Cabrita Reis ist ein portugiesischer Bildhauer und Installationskünstler; vielleicht sogar der bekannteste seines Landes. Seine Werke sind raumgreifend und beeindrucken mit Licht und Architektur, soll heißen: Er hängt Neonröhren auf.

DINNER TALK: Pedro Cabrita Reis raucht Zigarre. Fast immer, fast überall. Außerdem ist er bekannt dafür, ein schneller, hochintellektueller und unterhaltsamer Gesprächspartner zu sein. Beim Gallery Weekend könnte man die Chance nutzen: the artist is present.

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N. Dash, Ohne Titel, 2015

GALERIE: Mehdi Chouakri

KÜNSTLER: N. Dash

ORT: Edison Höfe, Invalidenstrasse 117

Die in Miami geborene Künstlerin N. Dash, 34, ist im Umgang mit Material sehr experimentierfreudig. Auf den ersten Blick arbeitet sie mit den klassischen Medien Malerei, Zeichnung und Fotografie, doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass ihre großformatigen, erhabenen, farbfeldartigen Werke eine wohldurchdachte Kombination vieler Fragmente ist.

DINNER TALK: Angeblich hat N.Dash ständig Stoff in der Hand. Sie bearbeitet das Material so lange mit den Fingern, bis sich die Struktur auflöst. Abschließend werden die verschlissenen Stofffetzen fotografiert und so zu Artifacts. Die Künstlerin ist beim Gallery Weekend anwesend.

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Marianne Vitale, Worthy (Bethlehem), 2014

GALERIE: Contemporary Fine Arts (CFA)

KÜNSTLER: Tal R, Marianne Vitale

ORT: Am Kupfergraben 10

Contemporary Fine Arts zeigt die bunten Gemälde, Collagen und Installationen des dänischen Künstlers Tal R sowie die rostig-metallenen Skulpturen und Bilder von Marianne Vitale. Ihre eindrucksvollen Arbeiten wurden extra für die Eröffnung ihrer Ausstellung mit dem schönen Titel Oh, Don’t Ask Why angefertigt. Wenn nichts dazwischenkommt, könnte auch Marianne Vitale unter Umständen beim Gallery Weekend anwesend sein.

DINNER TALK: Falls Marianne Vitale allerdings nicht anwesend sein sollte, hat es jedenfalls nichts mit der Stadt oder der Kunst oder irgendwelchen Launen zu tun; die Gründe liegen in der Familienplanung: Die Künstlerin und ihr Mann, der Maler Rudolf Stingel, erwarten nämlich ein Kind!

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Timur Si-Qin, In memoriam 4, 2014

GALERIE: SOCIÉTÉ

KÜNSTLER: Timur Si-Qin

ORT: Genthiner Straße 36

Gezeigt werden die Lichtboxen des Berliner Künstlers Timur Si-Qin, die in klassischer Billboardmanier die Werbeästhetik der 90er-Jahre aufleben lassen, genauer gesagt: den Stil von Fotografen wie Herb Ritts und Bruce Weber.

DINNER TALK: Timur Si-Qin wurde in Berlin geboren, zog aber mit seiner Familie in die USA, als er neun Jahre alt war. Vor über sechs Jahren kam er zurück nach Deutschland. Er selbst sagt, er habe schon immer gewusst, dass er irgendwann nach Berlin zurückkehren werde.

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Juan Uslé, Soñé que revelabas (Nilo), 2014

GALERIE: THOMAS SCHULTE

KÜNSTLER: Juan Uslé, Richard Deacon

ORT: Charlotten­straße 24

Die gezeigten Arbeiten des Spaniers Juan Uslé gehören zur Werkgruppe Soñé que revelabas, was soviel heißt wie: „Ich träumte, dass du erscheinst.“ Uslé arbeitet seit 1997 kontinuierlich an der Serie, deren Bilder immer nur nachts entstehen. Dabei setzt der Künstler jeden Pinselstrich exakt im Rhythmus seines Herzschlags auf die Leinwand und hält ihn jeweils bis zum nächsten Herzschlag gedrückt. Klingt irre anstrengend.

DINNER TALK: Obwohl der Waliser Richard Deacon für seine großen Skulpturen bekannt ist, wird er in der Galerie Thomas Schulte zum Gallery Weekend etwas anderes zeigen. Was jetzt noch geheim ist, macht die Eröffnung am 1. Mai dafür umso spannender.

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Cyprien Gaillard, Where Nature Runs Riot, film still, 2015

GALERIE: Sprüth Magers

KÜNSTLER: Marcel van Eeden, Cyprien Gaillard

ORT: Oranienburger Straße 18

Cyprien Gaillaird interessiert sich für Ruinen und Landschaften – es geht ihm dabei nicht um romantisierende Schönheit und Ästhetik, sondern um den Verfall moderner und historischer Architektur. Zum Gallery Weekend zeigt er in der Ausstellung Where Nature Runs Riot seinen neuen Film sowie Polaroids. Das Video dauert ca. 15 Minuten und wurde an drei unterschiedlichen Orten gedreht: Cleveland, LA und Berlin.

DINNER TALK: Cyprien Gaillaird ist in Paris und San Francisco aufgewachsen. Er lebt mit seiner Freundin, dem Model Lily Donaldson, in New York und Berlin. 2011 stellte Gaillard bei den Kunst-Werken Berlin eine Pyramide aus Sixpacks der türkischen Biermarke Efes aus, was zu einem anständigen Saufgelage führte und dem kunstsinnigen Publikum am Tag darauf einige Kopfschmerzen bereitete.

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von: Anneli Botz