Ausstellungstipp:
GIACOMETTI-NAUMAN

Obwohl die Werke Alberto Giacomettis und Bruce Naumans auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten, wagt die SCHIRN Kunsthalle Frankfurt nun eine Gegenüberstellung der Künstler – und deckt überraschende Berührungspunkte auf.

Alberto Giacometti, Groupe de trois hommes I, 1943, Fondation Marguerite et Aimé Maeght, Saint-Paul - France © Alberto Giacometti Estate (Fondation Alberto et Annette Giacometti + ADAGP) Paris, 2016

Zwei Biografien, zwei Kontinente, zwei Schaffensperioden: Den Schweizer Bildhauer Alberto Giacometti (*1901) und den US-amerikanischen Multimedia-Künstler Bruce Nauman (*1941) trennen Welten, denn sie wirk(t)en und leb(t)en zu unterschiedlichen Zeiten. Sie haben sich nie getroffen und auch keinen offensichtlichen Bezug aufeinander genommen. Eine Ausstellung in der Frankfurter SCHIRN wagt nun erstmals den Versuch, Parallelen in den künstlerischen Ansätzen der beiden Protagonisten zu herzustellen.

Giacometti gilt als herausragender Bildhauer der Klassischen Moderne und prägte den Begriff der Skulptur im 20. Jahrhundert wie kein anderer mit. Dabei sind seine Miniaturplastiken alles andere als gattungstypisch – keine wohlgeformten Heldenstatuen, keinen lebensgroßen Abbilder, die in klassischer Kontrapost-Stellung auf einem Sockel thronen. Ganz im Gegenteil, an seinen dünnen Männer- und Frauenfiguren hängen unproportionierte Gliedmaßen herab, sodass diese in ihrer ohnehin schon reduzierten Erscheinung eher an schlaksige Strichmännchen erinnern.

Giacometti, dessen frühe Arbeiten eindeutig noch im 19. Jahrhundert wurzelten, war zu seiner Zeit und unter dem Einfluss der Surrealisten maßgeblich daran beteiligt, dass sich der Begriff der Plastik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre hinein von Konventionen befreien und somit revolutionieren konnte.

Alberto Giacometti, Groupe de trois hommes I, 1943, Fondation Marguerite et Aimé Maeght, Saint-Paul - France © Alberto Giacometti Estate (Fondation Alberto et Annette Giacometti + ADAGP) Paris, 2016 Aus Downloads entfernen Bruce Nauman, Wall-Floor Positions, 1968, Film Still, Courtesy Electronic Arts Intermix (EAI), New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Der zweite Protagonist dieser Schau, Bruce Nauman, steht mit seinem vielschichtigen Werk hingegen für die radikalen Umbrüche und Strömungen, die in der Gegenwartskunst ab den 1960er Jahren zu beobachten waren und schließt damit unmittelbar an Giacometti an. Konkret ging es in dieser Zeit auch darum, einen „konzeptuell entgrenzten Begriff von Skulptur“ zu etablieren. Naumans multimediale Arbeiten (Video, Skulpturen, Zeichnungen, Gemälde etc.) fügen sich in diese Suche, bei der der künstlerische Schaffungsprozess in den Vordergrund rückte, ein. Seine Arbeiten sind eine akribische Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper – ebenso radikal und kompromisslos. Ähnlich wie Giacometti greift er dafür auf reduzierte Darstellungsmittel zurück, wodurch er sich Zugang zu fundamentalen Fragen der Existenz und des Daseins erhofft.

Obwohl die beiden Künstler komplett unterschiedlichen Kontexten entspringen, offenbaren sich beim genauen Studium ihrer Arbeiten zahlreiche, spannende Verbindungen und Referenzen in ihren künstlerischen Strategien. Das Unvollendete, das Unheroische und das Fragmentarische ist in beiden Werken immer wieder anzutreffen.

In einem offen angelegten Parcours-Konzept werden in der Ausstellung GIACOMETTI-NAUMAN verschiedene Leitmotive untersucht, die in beiden Œu­v­res eine zentrale Rolle spielen. Insgesamt sind rund 70 Arbeiten von Giacometti und Nauman zu sehen, die erstmals überhaupt in einen spannungsvollen Dialog miteinander treten und völlig neue Figurenstile etablierten.

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