Die Marlboro Cowboys von Dieter Blum

Wilder Reiter, Texas © Dieter Blum via Lumas

Der Fotograf Dieter Blum schrieb den amerikanischen Mythos des Cowboys in die Kunstgeschichte ein. Jetzt sind seine Fotografien als limitierte Edition erhältlich. Wir haben mit ihm über die Entstehung der Marlboro-Werbung, seine spannendste Reise und die Macht von Bildern gesprochen.

Der rauchende Cowboy reitet dem Sonnenuntergang im Wilden Westen entgegen: Dieter Blum fotografierte in den frühen 1990er Jahren die international berühmt gewordene Marlboro-Werbung, die sich ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben hat wie kaum eine andere. Dank ihm hat der amerikanische Cowboy-Mythos Eingang in die Werbe- und Kunstgeschichte gefunden. 2007 wurde sein Rauchender Mann sogar als das bis dato teuerste Foto in einer deutschen Auktion versteigert. Jetzt sind ausgewählte Arbeiten des deutschen Fotografen in der Editionsgalerie LUMAS erhältlich.

Was nur wenige wissen: Das fotografische Werk des Dieter Blums ist weitaus umfangreicher, wie das Interview zeigt.

 

INTERVIEW: Seit wann fotografieren Sie?

BLUM: Mit acht Jahren wusste ich, dass ich Fotograf werde.

INTERVIEW: Sie haben unter anderem für große Magazine wie Stern, Spiegel, Vanity Fair, GEO und National Geographic gearbeitet. Wie fühlten sich ihre ersten Erfolge an?

BLUM: Als der Stern 1971 meine Vögel Afrikas druckte, war ich irritiert, dass das meine Bilder waren. Dann ging es Schlag auf Schlag, ohne dass ich sonderlich berührt war – lediglich meine Aufnahmen der Berliner Philharmoniker an Sylvester 1981 und ihr Spiel ohne Grenzen, das hat mich schon sehr berührt. Aus diesem Zyklus gibt es auch meine Philharmonischen Proben, die bei Lumas angeboten werden!

INTERVIEW: Was war ihre spannendste Reise?

BLUM: Ich wollte mein Buch Dieter Blum – Afrika, das 1976 erscheinen sollte, mit einer Reise durch Afrika in einem VW Bus komplettieren. Der Trip war sowohl spannend als auch lebensgefährlich, denn nur mein Telegramm an Adi Amin rettete uns das Leben. Vier Kollegen, die wenig später die geschlossene Grenze nach Uganda zu überqueren versuchten, wurden ermordet. Aus diesem Zyklus stammt mein Bild Fantasia.

INTERVIEW: Wie haben Sie die Idee für die Fotografien der ikonischen Marlboro-Werbung entwickelt?

BLUM: Insgesamt haben nur fünf amerikanische Fotografen und ich als einziger Nichtamerikaner diese große Werbung fotografiert. Zuerst gab es 1992 ein Test-Shooting, welches die Daimler Collection komplett aufgekauft hat – das waren 72 Fotografien. Im nächsten Jahr gibt es übrigens eine Ausstellung der Daimler Collection im Haus Huth in Berlin.

INTERVIEW: Was ist das Faszinierende am amerikanischen Cowboy-Mythos?

BLUM: Einfach nur Marlboro, die haben den Cowboy zum Mythos gemacht und damit auch meine Bilder. In Wirklichkeit ist es erstens ein aussterbender und zweitens ein schlechter, ganz miserabel bezahlter Beruf. Cowboys müssen von morgens fünf bis nachts um zehn arbeiten.

INTERVIEW: Wie stark tragen Bilder ihrer Meinung nach zum Erfolg einer Marke bei?

BLUM: Die Bilder sind das A & O einer Werbung. Das zeigt auch die Marlboro-Werbung, seit 2005 gibt es die Cowboys nicht mehr und doch sind sie bis heute im Kopf der Menschen geblieben.

INTERVIEW: Was vielleicht nur wenige wissen ist, dass Sie auch eine große Leidenschaft für Musik, Tanz und Kunst hegen. Sie haben unter anderem die Berliner Philharmoniker inszeniert. Was hat sie daran gereizt die Darsteller zu portraitieren?

BLUM: Der Reihe nach: die Arbeit mit den Philharmonikern startete aufgrund einer Einladung von Herbert von Karajan, der ein Buch zum 100-jährigen Jubiläum der Berliner Philharmoniker machen wollte. Am Tanz hat mich besonders die Frage interessiert, warum die Tänzer schuften bis zum Umfallen, obwohl sie genau wissen, dass sie spätestens mit vierzig ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Mit meinem Bildbans A Part Of Art wollte ich experimentieren wie Maler, Plastiker und Künstler damit umgehen, wenn ich sie provoziere. Ich habe immer ein Modell mitgebracht, das sie bearbeiten mussten. Sie merkten dabei nicht, dass sie selbst zum Modell von mir wurden.

INTERVIEW: Wie würden Sie ihren fotografischen Stil beschreiben?

BLUM: Realistisch und künstlerisch anspruchsvoll.

INTERVIEW: Was macht ihrer Meinung nach ein gutes Bild aus?

BLUM: Es muss auf Anhieb beim Betrachter etwas auslösen, er muss es wiederholt ansehen wollen und es soollte eine Reaktion hervorrufen: positiv oder negativ! Das Bild muss auch Möglichkeiten bieten, eigene Gedanken hinein zu interpretieren.

INTERVIEW: Woran arbeiten Sie zur Zeit?

BLUM: An vielem.

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