Mind the Pollocks!

Jackson Pollock in seinem Studio

Als Jackson Pollock Ende der 1930er begann, Farbe auf Leinwände zu schütten, zu tropfen und zu spritzen, revolutionierte er die abstrakte Malerei. Der flächendeckende All-over-Look veränderte das, was Malerei sein kann. Nun gibt es in der zeitgenössischen Kunst ein Revival des Pollock-inspirierten All-over, und es wird wieder mit Material und Farbe herumgeschüttet und -gespritzt wie wild.

Ob bei Katharina Grosses MoMA-PS1-Installation Rockaway! im Gateway-Nationalpark, für die Grosse ein vom Hurrikan Sandy zerstörtes Gebäude mit Farbe besprühte, oder in Zane Lewis’ Lackbildern, bei denen sich die Neonfarbe in feinsten Punkten über die Leinwand legt und dabei an die Optik Mark Rothkos erinnert. Der New Yorker Rudolf Stingel hingegen versteht All-over anders: Er läuft für seine Styrofoam- und Celotex-Arbeiten in mit Säure getränkten Schuhen quer über Styroporplatten, wodurch die Oberfläche teils weggeätzt wird.

Die zerstörerische Technik tänzelt damit entlang der Grenze zwischen Kunst und Vandalismus. Die kenianische Multi­mediakünstlerin Wangechi Mutu wiederum lässt in ihrer Installation Throw Farbe durch den Raum fliegen. Und auch die deutsche Künstlerin Jorinde Voigt tropft in ihren jüngsten Arbeiten Tinte auf Papier – ein Gegensatz zu ihren anderen, kontrolliert-rhythmischen Zeichnungen. Warum plötzlich all over again? Suchen wir wieder, wie damals Pollock, Rothko, Barnett Newman und Co., einen Ort fern der Wirklichkeit? Oder wollen uns die Künstler nur zeigen, dass Malerei alles andere als tot ist? Wahrscheinlich beides.

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