Reden ist Silber, Schweigen ist Gold?

Der Berliner Martin Gropis Bau hat gerade die Ausstellung Omer Fast. Reden ist nicht immer die Lösung eröffnet. Wir verlosen 10 Tickets für die erste Soloschau des israelischen Künstlers in Berlin.

Omer Fast: Continuity, 2012 40 Minuten, Ein-Kanal-Videoinstallation, im Loop Courtesy Galerie Arratia Beer / gb agency / Dvir Gallery / James Cohan Gallery / Filmgalerie 451 © Omer Fast

Omer Fast wurde 1972 in Jerusalem geboren. Seine Kindheit verbrachte er jedoch nicht nur in Israel, sondern auch in New York, wo er später zudem sein Kunststudium absolvierte. 2001 zog Fast nach Berlin, wo nun auch seine erste große Soloausstellung in Deutschland gezeigt wird. Insgesamt werden rund sieben Videoarbeiten des Künstlers ausgestellt, die einerseits einen Abriss seines bisherigen künstlerischen Schaffens präsentieren, andererseits speziell für den Martin-Gropius-Bau angefertigt wurden.

Aktuell gilt der 44-jährige Fast als einer der markantesten und wichtigsten Videokünstler der internationalen Kunstszene, dessen Arbeiten von New York über Amsterdam bis nach Berlin gezeigt werden. In diesem Jahr ist Fast sogar gleich mit zwei Filmprojekten, für die er Regie führte, auf der Kinoleinwand vertreten.

Die Fast’sche Montagetechnik

Seine künstlerischen Arbeiten sind komplex. Durch verschiedenste Mittel und Methoden hinterfragt Fast immer wieder und ganz gezielt den Prozess des Erzählens. Dafür bricht er mit traditionellen Formen des Storytellings sowie vertrauten, linearen Erzählmustern. Er dekonstruiert, überlagert, fügt Fragmente neu zusammen – und das zumeist in Dauerschleife. Das hat zur Folge, dass seine Werke zunächst sehr verwirrend, irritierend und manchmal auch desillusionierend wirken können. Die logische und vertraute Abfolge alltäglicher Prozesse stellt er scheinbar einfach auf den Kopf.

Oft basieren die Videoarbeiten von Fast auf einer Unterhaltung zwischen zwei Protagonisten – darunter finden sich Interviews, Schauspieler, Dialoge, Monologe. Nur, wer sagt hier jetzt die Wahrheit? Was ist real? Was ist Fiktion? Was ist Erinnerung? Oder gar Halluzination? Und wo ist überhaupt Anfang und Ende? Gerade durch die Störung unseres standardisierten Sehverhaltens legt Fast frei, was wir ohnehin schon viel zu oft ahnen: Das, was wir sehen und zu wissen glauben, kann auch ganz anders sein! Bei Fast wird der Zuschauer geradewegs dazu aufgefordert das Bildmaterial zu entknoten, was sich häufig als äußerst kompliziert erweist.

Omer Fast: “Ich bin daran interessiert, eine eigene kleine Welt zu erschaffen und sich in dieser Welt zu verlieren”
Tweet this

Die Themenpalette seiner Videoarbeiten ist gemischt, oft beschäftigt er sich mit den Komplexen Krieg und Trauma, Religion oder mit menschlichen Beziehungen. Was ihn aber vor allem interessiert, ist das psychologische Verhalten seiner Hauptprotagonisten. Wie in der Videoinstallation Continuity von 2012, in der Fast einen deutschen Soldaten begleitet, der kurz zuvor aus Afghanistan nach Hause zu seinen Eltern zurückkehrt. Der Verlauf der Geschichte wird bald ad absurdum geführt, sodass überhaupt nicht mehr klar ist, ob die Eltern einen realen Verlust ihres Sohnes erlitten haben oder lediglich ein von Angst getriebenes Ritual ausüben.

Für die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau hat Omer Fast weitere sechs Arbeiten ausgewählt aus seinem Werk ausgewählt, die einen Überblick über sein Schaffen zeigen. Um den Besucher Teil der Schau werden zu lassen, hat der Künstler dafür eine einzigartige Ausstellungsarchitektur entworfen. Zwischen den abgedunkelten Projektionsräumen wurde Warteräume angelegt, die den Wartezimmern in öffentlichen Behörden, am Flughafen oder beim Arzt ähneln. Fast spielt hier mit den Mitteln der direkten Partizipation und distanzierter Betrachtung.

Wir haben Omer Fast vor kurzem zum Interview getroffen und mit ihm über seine neue Ausstellung gesprochen.

Omer Fast »Reden ist nicht immer die Lösung«

18. November 2016 bis 12. März 2017

Im Martin-Gropius-Bau, Berlin

Wir verlosen 10 Tickets für die Ausstellung Omer Fast. Reden ist nicht immer die Lösung im Martin-Gropius-Bau in Berlin. Füllen Sie einfach das untenstehende Gewinnspielformular bis zum 27.11.16 um 18 Uhr aus. Die Gewinner werden per Mail benachrichtigt. Viel Glück!

Dieses Gewinnspiel läuft zur Zeit nicht

Kunst / Weitere Artikel